Die Porzellanmanufaktur Meissen wird inhaltlich öffentlicher und die Stiftung lädt zum 1. Meissen-Symposium
31. August 2025, Meißen. Was hat uns unser deutsches Porzellanheiligtum Meissen nicht schon alles präsentiert – die Manufaktur (dessen Begriff ja allein schon von Handwerk, Meisterschaft und auch lokaler Bodenständigkeit der Porzelliner und Porzellanmaler kündet) sollte abgehobene Luxusmarke werden; oder ein Modelabel mit Filialen in Italien und Tokio. Und man hätte auch überhauptnichts dagegengehabt, wenn Meissen ein Hermès 2 oder ein Louis-Vuitton-Moet-Hennessy 3 geworden wäre – doch es ist kein Unternehmen in Privatbesitz, das alles zockend auch einmal auf eine Karte setzen kann. Bei allem staatlichen Geld fehlte eben doch die Power und das Flinke, der Wille und die Geschlossenheit in Sachsen, das ganz große Ding gegen alle Widerstände zu drehen. Ich finde, womit Meissen jetzt an die Öffentlichkeit tritt, ist der bisher beste Ansatz: Die Stiftung zur Porzellanmanufaktur lädt sympathisch-bescheiden und sinnvoll zum 1. Meissen-Symposium und verspricht Inhalt preiszugeben.
Seit einiger Zeit ist die rechtlich eigenständige Stiftung Meissen (sie hat vom Freistaat Sachsen den Auftrag zum Bewahren, Ausstellen und Erforschen des Kulturguts ‚Meissener Porzellan‘ aber läuft doch sehr eng parallel zum Wirtschaftsbetrieb Manufaktur) in der Öffentlichkeit präsent: Vom 7. – 9. September 2025 beschäftigen sich 16 Referenten aus Deutschland, Asien und den USA mit dem Thema Farbe und seiner Anwendung bei Meissen, darunter auch Spezialisten von der scheinbaren Konkurrenz, wie Dr. Christian Lechelt, der Leiter des Museums des niedersächsischen Kulturguts Porzellanmanufaktur Fürstenberg, der über Röntgenfluoreszenz-Analyse zur genaueren Altersbestimmung von historischen Porzellanen spricht. Das Thema des Symposiums ist den beiden berühmten Meissen-Farb- und Malspezialisten Johann Gregorius Höroldt und Johann Joachim Kaendler gewidmet, die in diesem Jahr ihren 250. Todestag haben.
Von Höroldt stammen 16 Farbrezepturen – heute sind mehr als zehntausend im Bestand. Kobaldblaue Unterglasur war schon bekannt, als Höroldt im Jahr 1720 zu Meissen kam (also zehn Jahre nach der Gründung) – mit ihm begann die Aufglasur-Malerei. Asiatische Szenen wurden entworfen, dann europäische Blumenmuster, Jagdszenen, Platinmalerei und so allmählich alles, was wir heute kennen. Sorgfältig archivierte Farbtäfelchen und ihre Misch-Anleitungen bildeten schnell den Schatz, mit dem Meissen inform von Dekoren in aller Welt auftrat.

‚Herrscherin auf Elefant (Allegorie des Erdteils Asien)‘ von Johann Joachim Kaendler und Peter Reinicke um das Jahr 1745 als Nachfertigung aus dem Jahr 1983, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland an das Grassi-Museum für Angewandte Kunst in Leipzig
Die Ticketpreise sind ein Testballon, ob Fans und Interessierte bereit sind, letztendlich ein enormes Wissen geballt entgegenzunehmen; sie reichen von 50 Euro für Studenten pro Tag bis 380 Euro für Normalerwachsene das gesamte Symposium inklusive Verköstigung. Wenn Sie mögen – hier ist der Link zu Veranstaltung und Programm. Wert wird die Teilnahme es allemal sein.
Fotos: Wigmar Bressel









































