Einträge von Wigmar Bressel

Ein Besuch im Independent-Porzellan – ein Besuch bei Claudia Schoemig

Okay. Ich habe die wundervollen Arbeiten von Claudia Schoemig schon länger auf Instagram beobachtet. Ich will nicht sagen, dass ich ihre Arbeiten gestalkt habe – aber doch ihren Instagram-Kanal abonniert. Das besondere ihres Gebrauchsporzellans ist der Mix aus Biskuit und Glasur in sehr feinen Harmonien. Ich war zu Besuch auf der ‚Ambiente 2020‘ in Frankfurt am Main (der letzten vor dem wiederholten Aus durch die Pandemie) – und da wurde sie als eine Art ‚Nachwuchskünstlerin‘ protegiert, was natürlich komplett absurd ist, denn die Fränkin in Berlin ist seit einigen Jahren einer der strahlenden Sterne am Independent-Porzellanhimmel. Ich habe sie an ihrem Stand besucht – und beschlossen, dass ich sie aus Sympathie für ihre überlegte Art und Begeisterung für das schöne handgedrehte Serien-Geschirr in ihrer Werkstatt mit Showroom im Prenzlauer Berg aufsuchen muss. Das habe ich dann auch ein Jahr später getan, gerade von der KPM, dem Berliner Platzhirschen für Manufaktur-Porzellan, kommend.

Ferdinand von Schirachs Vorschlag zur Erweiterung unserer bürgerlichen Grundrechte – eine Steilvorlage für die Manufakturen

Bremen. „Jeder Mensch hat das Recht, dass ihm nur solche Waren und Dienstleistungen angeboten werden, die unter der Wahrung der universellen Menschenrechte hergestellt und erbracht werden.“ Dies ist Artikel 5 der von Ferdinand von Schirach vorgeschlagenen Erweiterung der Grundrechte für uns Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union. Der Artikel-Vorschlag ist ein Plädoyer für eine Verbesserung unserer Welt, die den Mensch auch in Wirtschaft und Handel wieder zentraler ins Bewusstsein rückt und ihn aus dem Sumpf des ‚human capital‘ zieht, hin zu Verantwortung und Respekt, ihm die Mindest-Würde gibt, die in Bangladeshs und Chinas Shareholder-Value-Fabriksmolochen noch nie vorhanden war.

Verband Deutsche Manufakturen startet Wettbewerb zum ‚Manufaktur-Produkt des Jahres 2021‘

Neumarkt. Der Verband Deutsche Manufakturen startet den Wettbewerb zum ‚Manufaktur-Produkt des Jahres 2021‘. Ein Wettbewerb, bei dem es um die wichtigsten Neuheiten aus den deutschen Manufakturbetrieben geht, quer durch alle Branchen. Neu ist auch ein Kooperationspartner: Michael Schröder mit seiner Firma ‚Initiative Deutsche Manufakturen IDM Unternehmergesellschaft‘ sowie dessen strategischer Agentur Orca Affairs aus Berlin, die die Pressearbeit für den Wettbewerb übernimmt.

Stephanie Saalfeld verlässt die Porzellanmanufaktur Fürstenberg

Fürstenberg/Weser. Überraschung für die Porzellanwelt: Stephanie Saalfeld, seit 23 Jahren das Gesicht der niedersächsischen Porzellanmanufaktur Fürstenberg und elf davon als alleinige Geschäftsführerin, verließ im Februar 2021 das niedersächsische Pendant zum sächsischen Nationalheiligtum Meissen. Eine plötzliche Entscheidung offensichtlich – ein Interimsmanager musste her.

Henry’s Eismanufaktur – oder: Vom Versuch, das perfekte Eis zu machen

Saarbrücken. Die Corona-Krise beschleunigt auch die Diskussion, wie wir leben wollen: Globalisiert – oder doch lieber regional? Ist die Produktionsart unserer Güter egal – oder haben wir nur Spaß daran, wenn wir möglichst alles über sie wissen? Reicht uns das Fleischlabel mit der Güteklasse ‚1‘ (industriell) – oder muss es ‚bio‘ sein? Versuchen wir vegan zu leben – oder ist der Mensch das ‚Raubtier‘? Lästigerweise mutiert die Eisdiele an der Ecke sich vielerorten verbal und aus Gründen des Marketings zur Eismanufaktur, obwohl sie nur die (übertragene) Güteklasse ‚1‘ verdiente (Grundeispaste „selbstvermischt“ mit verschiedenen Industrie-Geschmäckern und Halbfertigprodukten), wie es die FAZ in einem Wutanfall im Jahr 2016 kritisierte. Was also tun, wenn man selbst eine Eismanufaktur nach Definition des Manufaktur-Begriffs ist? Ein Besuch bei Henry’s Eismanufaktur in Saarbrücken. Zur Nachahmung empfohlen.

Wie ein Katalog – nur ohne Messe: ‚Das große Buch der Manufakturen‘ des Olaf Salié

München. Der Callwey-Verlag präsentiert gemeinsam mit der Verlagsgruppe Die Zeit (ja ja, kleiner geht die Allianz nicht) in diesem Frühling ein umfangreiches Buch (420 Seiten im Überformat) in der Manufakturen-Branche: ‚Das große Buch der Manufakturen‘ – herausgegeben von Olaf Salié. Ein großes und vor allem schweres Buch, das in Text und Form eher schwülstig anmutend daherkommt, wie vor eigenem Kraft-Bewusstsein glücksbesoffen torkelnd auf dem Buchrücken in eigenen Aussagen kondensierend, wie: „Unverzichtbares Nachschlagewerk der schönsten Manufakturen im deutschsprachigen Raum“; man verspricht „mit allen wichtigen Hintergrundinformationen“ ein „umfassendes Hersteller- und Adressverzeichnis“… Man glaubt, man träfe auf die ‚Marktschreiergilde‘.

Pascal Johanssen: „Das Anstiften von positiven oder kritischen sozialen Verhaltensweisen“

Berlin. Wenn aus dem Direktorenhaus in Berlin eine neue Publikation angekündigt wird, steigt die Spannung: Niemand hat bisher auf eigenes Risiko so viele Veröffentlichungen zu Manufaktur-Fragen riskiert, wie Pascal Johanssen. Jetzt legt er das Buch ‚Handmade in Germany – Manufactory 4.0‘ vor. 260 Seiten Texte, Interviews und Fotos, in und mit denen gemeinsam er der Frage nach der Manufaktur in Gegenwart und Zukunft nachgeht. Und damit die Gedanken auch aus dem deutschsprachig-kulturellen Schmortopf entweichen können, ist das Buch komplett zweisprachig deutsch-englisch gehalten – 38 Euro Kaufpreis sind gut investiertes Geld, wenn man wissen möchte, wohin die Reise der Manufakturen gehen und welche Bestimmung den Manufakturen in unserem Wirtschaftssystem zukommen könnte…

Aus einfachstem Material Kostbarkeiten machen – ein Besuch im Werksmuseum der Glasmanufaktur Lalique

Wingen-sur-Moder. Man kann schon sagen: Ja, das ist ein Teil des Geheimnisses des Erfolges – nimm etwas ganz Preiswertes, wie Quarzsand, misch es mit Pottasche und vielleicht auch Bleimennige, erhitz es stark und verschmelz es… aber dann, aber dann! Dann braucht es eben die Magie des Künstlers, des Designers oder Erfinders, damit daraus etwas als kostbar Empfundenes wird. Damit aus zwei-drei Kilo Glas oder Bleiglas zum Beispiel eine Blumenvase wird, die von den Liebhabern und Fans jedoch als Kunstobjekt betrachtet wird. Für das sie bereit sind, viele tausend Euro zu bezahlen. Ein Magier seiner Zunft war der französische Juwelier René Lalique, der irgendwann die Edelsteine vergaß – und sich ganz auf die Produktion von künstlerischem Glas konzentrierte; und von seinem Genie Generationen leben lässt – bis heute.

Das Manufakturen-Blog-Pop-Art-Projekt

Bremen. Wie kann die Manufakturen-Branche im globalen und digitalen Industrie-Zeitalter weiter gestärkt werden? Indem Manufakturen in weiteren – zumal digitalen – Kontexten erscheinen und diskutiert werden (können). Ein Beitrag und ein Angebot an den großen Kreis der Kunstinteressierten (viele Käufer von Manufaktur-Produkten interessieren sich nach eigenen Bekunden auch für Kunst) ist das ‚Manufakturen-Blog-Pop-Art-Projekt‘, das am 9. September 2019 auf dem Bilder-Portal ‚Instagram‘ gestartet wurde. Eine erste Analyse nach zwanzig Tagen ergibt: Es sind zu 50 Prozent andere Follower, die die Bilder liken, als im Manufakturen-Blog. Und: Sie kommen sehr viel öfter aus aller Welt.