Einträge von Wigmar Bressel

Henry’s Eismanufaktur – oder: Vom Versuch, das perfekte Eis zu machen

Saarbrücken. Die Corona-Krise beschleunigt auch die Diskussion, wie wir leben wollen: Globalisiert – oder doch lieber regional? Ist die Produktionsart unserer Güter egal – oder haben wir nur Spaß daran, wenn wir möglichst alles über sie wissen? Reicht uns das Fleischlabel mit der Güteklasse ‚1‘ (industriell) – oder muss es ‚bio‘ sein? Versuchen wir vegan zu leben – oder ist der Mensch das ‚Raubtier‘? Lästigerweise mutiert die Eisdiele an der Ecke sich vielerorten verbal und aus Gründen des Marketings zur Eismanufaktur, obwohl sie nur die (übertragene) Güteklasse ‚1‘ verdiente (Grundeispaste „selbstvermischt“ mit verschiedenen Industrie-Geschmäckern und Halbfertigprodukten), wie es die FAZ in einem Wutanfall im Jahr 2016 kritisierte. Was also tun, wenn man selbst eine Eismanufaktur nach Definition des Manufaktur-Begriffs ist? Ein Besuch bei Henry’s Eismanufaktur in Saarbrücken. Zur Nachahmung empfohlen.

Wie ein Katalog – nur ohne Messe: ‚Das große Buch der Manufakturen‘ des Olaf Salié

München. Der Callwey-Verlag präsentiert gemeinsam mit der Verlagsgruppe Die Zeit (ja ja, kleiner geht die Allianz nicht) in diesem Frühling ein umfangreiches Buch (420 Seiten im Überformat) in der Manufakturen-Branche: ‚Das große Buch der Manufakturen‘ – herausgegeben von Olaf Salié. Ein großes und vor allem schweres Buch, das in Text und Form eher schwülstig anmutend daherkommt, wie vor eigenem Kraft-Bewusstsein glücksbesoffen torkelnd auf dem Buchrücken in eigenen Aussagen kondensierend, wie: „Unverzichtbares Nachschlagewerk der schönsten Manufakturen im deutschsprachigen Raum“; man verspricht „mit allen wichtigen Hintergrundinformationen“ ein „umfassendes Hersteller- und Adressverzeichnis“… Man glaubt, man träfe auf die ‚Marktschreiergilde‘.

Pascal Johanssen: „Das Anstiften von positiven oder kritischen sozialen Verhaltensweisen“

Berlin. Wenn aus dem Direktorenhaus in Berlin eine neue Publikation angekündigt wird, steigt die Spannung: Niemand hat bisher auf eigenes Risiko so viele Veröffentlichungen zu Manufaktur-Fragen riskiert, wie Pascal Johanssen. Jetzt legt er das Buch ‚Handmade in Germany – Manufactory 4.0‘ vor. 260 Seiten Texte, Interviews und Fotos, in und mit denen gemeinsam er der Frage nach der Manufaktur in Gegenwart und Zukunft nachgeht. Und damit die Gedanken auch aus dem deutschsprachig-kulturellen Schmortopf entweichen können, ist das Buch komplett zweisprachig deutsch-englisch gehalten – 38 Euro Kaufpreis sind gut investiertes Geld, wenn man wissen möchte, wohin die Reise der Manufakturen gehen und welche Bestimmung den Manufakturen in unserem Wirtschaftssystem zukommen könnte…

Aus einfachstem Material Kostbarkeiten machen – ein Besuch im Werksmuseum der Glasmanufaktur Lalique

Wingen-sur-Moder. Man kann schon sagen: Ja, das ist ein Teil des Geheimnisses des Erfolges – nimm etwas ganz Preiswertes, wie Quarzsand, misch es mit Pottasche und vielleicht auch Bleimennige, erhitz es stark und verschmelz es… aber dann, aber dann! Dann braucht es eben die Magie des Künstlers, des Designers oder Erfinders, damit daraus etwas als kostbar Empfundenes wird. Damit aus zwei-drei Kilo Glas oder Bleiglas zum Beispiel eine Blumenvase wird, die von den Liebhabern und Fans jedoch als Kunstobjekt betrachtet wird. Für das sie bereit sind, viele tausend Euro zu bezahlen. Ein Magier seiner Zunft war der französische Juwelier René Lalique, der irgendwann die Edelsteine vergaß – und sich ganz auf die Produktion von künstlerischem Glas konzentrierte; und von seinem Genie Generationen leben lässt – bis heute.

Das Manufakturen-Blog-Pop-Art-Projekt

Bremen. Wie kann die Manufakturen-Branche im globalen und digitalen Industrie-Zeitalter weiter gestärkt werden? Indem Manufakturen in weiteren – zumal digitalen – Kontexten erscheinen und diskutiert werden (können). Ein Beitrag und ein Angebot an den großen Kreis der Kunstinteressierten (viele Käufer von Manufaktur-Produkten interessieren sich nach eigenen Bekunden auch für Kunst) ist das ‚Manufakturen-Blog-Pop-Art-Projekt‘, das am 9. September 2019 auf dem Bilder-Portal ‚Instagram‘ gestartet wurde. Eine erste Analyse nach zwanzig Tagen ergibt: Es sind zu 50 Prozent andere Follower, die die Bilder liken, als im Manufakturen-Blog. Und: Sie kommen sehr viel öfter aus aller Welt.

‚Immaterielles UNESCO-Kulturerbe‘ – ein Besuch in der Glasmanufaktur Harzkristall in Derenburg

Derenburg. „Weltweite Bedeutung“ – so kann man den Titel übersetzen: Die „manuelle Fertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas“ ist seit dem Jahr 2015 ‚Immaterielles Kulturerbe – Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken im Bundesweiten Verzeichnis der Deutschen UNESCO-Kommission, Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur‘. Höchste Zeit für einen Besuch in der nördlichsten Glashütte Deutschlands – bei ‚Harzkristall‘ in Derenburg in Sachsen-Anhalt.

Ausstellung zum nicht-Industrie-Buch ‚Vom Wert der Dinge‘

Bremen. ‚Vom Wert der Dinge‘ ist der Titel des für die Manufakturen-Branche so interessanten Buches von Julia Francesca Meuter. Es entstand im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Hochschule für Künste Bremen. An diesem Wochenende gibt es die Ausstellung zum Buch in der spacigen Location ‚Hulsberg Crowd‘ in Bremen als finaler Höhepunkt einer Zwischennutzung zu sehen – dieser Teil des Klinikums Bremen-Mitte wird Ende der kommenden Woche abgerissen, um einem Parkplatz für die Bauarbeiten am Klinikum zu weichen. Viele interessante Studien-Arbeiten kann man kostenfrei erkunden – auch diese, in einem perfekt gestalteten Raum – eine Hommage an die nicht-Industrie.

„Es geht um uns selbst“ – Julia Francesca Meuter im Gespräch über ihr Buch ‚Vom Wert der Dinge‘

Bremen. Im März 2019 erschien im Verlag Deutsche Manufakturen e. V. das Buch zur Masterarbeit von Julia Francesca Meuter: ‚Vom Wert der Dinge‘.

Meuter, Jahrgang 1992, ist in Neapel als Kind deutscher Eltern geboren und aufgewachsen. Sie hat in Florenz den ersten Teil ihres Studiums (Bachelor in Industrie-Design) absolviert, den zweiten Teil in Bremen an der Hochschule für Künste (Master in Integriertes Design). In dieser Arbeit beschäftigte sie sich mit Manufakturen. Die Buchgestaltung war Teil der Masterarbeit. Mit Julia Meuter im Gespräch.

Nachlese ‚Ambiente 2019‘: Die verbliebenen Manufakturen zeigen Interessantes

Frankfurt am Main. Wohin geht es mit der ‚Ambiente‘, der „größten Konsumgütermesse der Welt“? Viele Manufakturen mit so klangvollen Namen wie KPM und Fürstenberg, sind ihr zum zweiten Mal ferngeblieben, waren nur noch in Paris. Poschinger, Koch & Bergfeld, Wilkens, Mühle – die Liste derjenigen ist lang, die schon länger weg sind, weil die Besucher nicht zu den Erwartungen passen. Aber die, die ausstellten, hatten interessante Neuheiten und Neuigkeiten, Infos und Design mitgebracht…

Manufakturen räumen bei ‚Dineus‘ ab – aber der Wettbewerb ist noch unausgegoren

Frankfurt am Main. Gutes gewollt – aber nicht zu Ende gedacht. Der Callwey-Verlag will sein Buch ‚Tischkultur‘ befördern und lobte einen neuen Tischkultur-Wettbewerb namens ‚Dineus Grand Prix Tableware 2019‘ aus. 33 Sieger-Produkte wurden im Rahmen der Frankfurter Messe ‚Ambiente 2019‘ gekürt, davon elf aus Manufakturen. Eigentlich super – wenn da nicht diese unguten Interessenkollisionen wären: Wettbewerbs-Kuratoren gewinnen selbst die Preise, Jury-Mitglieder arbeiten mit den Betrieben, die sie auszeichnen, beruflich eng zusammen – puschen sich also irgendwie selbst. Und der Ausrichter Callwey will aus dem Wettbewerb ein weiteres Buch machen, dessen Zielgruppe – mit Verlaub – klitzeklein ist.