Einträge von Wigmar Bressel

Susanne Katzenberg vom ‚Projekt unverloren‘ gestorben

Hamburg. Sie war die große Euphorikerin der ‚Tini‘-Vase von Peter Smalun – mehr als 2000 dieser historischen Vasen brachte sie auf eigene Rechnung als Re- und Künstler-Editionen innerhalb von nur fünf Jahren unter die Leute – denn ihre Begeisterung war ansteckend und sie verstand es, Menschen und die Thüringer Staatsregierung für ihr Projekt zu gewinnen: das Andenken und die Wiederbelebung dieser 1960er-Jahre-Vase aus der Weimarer Porzellanmanufaktur (1790 – 2018) in Blankenhain.

Wilhelm Seibel tritt bei mono nach 40 Jahren in den berühmten „Unruhestand“

Mettmann. Melancholie ist vielleicht das richtige Wort, um das eigene Gefühl zu beschreiben, das einen bei der Nachricht von so mancher Staffelstab-Übergabe überkommt: Bei mono übergab Wilhelm Seibel zu Ende August das Unternehmen, das aus dem im Jahr 1895 von seiner viertvorausgegangenen Familiengeneration gegründeten Stahlbesteck-Hersteller Seibel hervorgegangen ist, an seine Söhne Matthias und Johannes. 40 Jahre Unternehmensleitung mögen genug sein – weise ist es bestimmt, wenn man seine Kinder als sechste Familiengeneration für das Unternehmen begeistern und halten möchte.

Die Porzellanmanufaktur Meissen wird inhaltlich öffentlicher und die Stiftung lädt zum 1. Meissen-Symposium

Meißen. Was hat uns unser deutsches Porzellanheiligtum Meissen nicht schon alles präsentiert – die Manufaktur (dessen Begriff ja allein schon von Handwerk, Meisterschaft und auch lokaler Bodenständigkeit der Porzelliner und Porzellanmaler kündet) sollte abgehobene Luxusmarke werden; oder ein Modelabel mit Filialen in Italien und Tokio. Und man hätte auch überhauptnichts dagegengehabt, wenn Meissen ein Hermès 2 oder ein Louis-Vuitton-Moet-Hennessy 3 geworden wäre – doch es ist kein Unternehmen in Privatbesitz, das alles zockend auch einmal auf eine Karte setzen kann. Bei allem staatlichen Geld fehlte eben doch die Power und das Flinke, der Wille und die Geschlossenheit in Sachsen, das ganz große Ding gegen alle Widerstände zu drehen. Ich finde, womit Meissen jetzt an die Öffentlichkeit tritt, ist der bisher beste Ansatz: Die Stiftung zur Porzellanmanufaktur lädt sympathisch-bescheiden und sinnvoll zum 1. Meissen-Symposium und verspricht Inhalt preiszugeben.

Die Erzgebirgische Volkskunst nutzt die Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 für ein Europäisches Spielzeugmacherfestival und Fachforum

Seiffen. Überlegt – und beherzt mitgemacht: Wie bekommt man die sogenannte ‚Erzgebirgische Volkskunst‘ der Weihnachtspyramiden und Nussknacker, der Holzfiguren und Räuchermännchen in die nächste Generation? Wie erhält und schafft man Arbeitsplätze im wenigmodernscheinenden Mittelgebirge? Darüber grübelt die Denkstatt Erzgebirge nach – und das Spielzeugdorf Seiffen sowieso. Als Außenort der Europäischen Kulturhauptstadt 2025 Chemnitz hat sich die kleine Gemeinde also mit der Denkstatt zusammengetan und für Ende August zum ‚Europäischen Spielzeugmacherfestival‘ mit parallelem Fachforum geladen.

Die Independent-Keramikerin Frauke Alber erhält den Ehrenpreis des Bundesverbandes Kunsthandwerk 2025

Bremen. Es gibt Preise, die kann man nicht durch den Schnellschuss aus der Hüfte, die einmalige Brillianzleistung, den unerwarteten Zufallstreffer erringen. Sie ehren den Dauerlauf, einen jahrzehntelangen Marathon – sie können nur die erhalten, die bildlich am Ball und oft auch Leben bleiben. Denn denen aus dem sogenannten „Club der 27er“ der Musikbranche ist er unerreichbar. Aber andere bekommen ihn durch Beharrlichkeit und Dauerleistung, durch ihre Vorbildfunktion, durch Ausbildungsbereitschaft, durch Hilfsbereitschaft und Engagement, an das sich viele Andere gerne und dankbar erinnern. So erging es jetzt Frauke Alber. Die Independent-Keramikerin aus dem Bremer Viertel wurde in diesem Monat vom ‚Bundesverband Kunsthandwerk – Berufsverband Handwerk Kunst Design e. V.‘ für ihr langjähriges Verdienst um die Keramik mit dem ‚Ehrenpreis für das Lebenswerk‘ ausgezeichnet. Und das Beste daran ist: Auf Vorschlag ihrer Kolleginnen und Kollegen aus dem Verein ‚Angewandte Kunst Bremen‘. Offensichtlich neidlos. Das sagt viel über Frauke Alber aus.

Die Eisenhütte in Augustfehn

Augustfehn. Fahrt durch Ostfriesland nach Osten. Flaches Land. Ganz flaches Land. Grünland, ab und an ein Wäldchen. Kühe, Schafe, Pferde – das Reich von Carmen und Tamme Hanken, den berühmten Tier-Chiropraktikern, dem „Knochenbrecher“ aus Filsum. Sowie Ottifanten – und dessen Erfinders Otto Waalkes, dem Komiker aus Emden. Die Landschaft nennt man ‚Marsch‘. Gibt es eine Bodenerhebung – dann ist es gerne ein Deich. Kleine Straßenbrücken sehen aus, als wären sie von van Gogh gemalt, sie führen über die Entwässerungs- und Torfkanäle, mit deren Bau das lange unwirtliche Binnenland – norddeutsche Moorlandschaften eben – trockengelegt wurden. Dazu gehörte auch die Gründung vieler Ortschaften während des 30jährigen Krieges, der sogenannten „Fehndörfer“, die als Kolonien gedacht wurden, den Torfabbau zum Brennen und Düngen fördern und der Lebensmittelerzeugung dienen sollten. Und auch für Sonstiges. Eines dieser Dörfer im Osten dieser Landschaft – genaugenommen auf der östlichen Grenze dieser Region und als erstes schon von der Verwaltung im Landkreis Ammerland liegend – ist die Gemeinde Augustfehn, allerdings erst im Jahr 1850 gegründet und mit dem Namen des Oldenburger Großherzogs Paul Friedrich August ausgestattet. Herausragend steht in ihm ein schöner Wasserturm. Er gehört zu „Sonstiges“: zur ‚Eisenhütte Augustfehn‘, einer ehemals großen Manufaktur mitten im Torfland.

Das, was uns antreibt – Handlungsanleitung für den Eintritt in die Welt der Manufakteure

Bremen. Wenn man eine der Casting-Shows wie „The Voice of Germany“ sieht, dann stellt man fest, wie positiv vor allem Menschen unser Land sehen, die unter schwierigsten Umständen nach Deutschland eingewandert sind. Sie stehen da auf den Bühnen, glühen für ihre Musik und erzählen, was sie an unserem Land so toll finden: Frieden, Sicherheit, Zuversicht, Verlässlichkeit, Toleranz und Qualität.

Wir alle kennen diese uns und unserem Land zugeschriebenen Eigenschaften. Für uns klingen sie manchmal hohl, weil wir immer wieder vergessen, dass sie auch bei uns erkämpft werden mussten. Erkämpft von Menschen, die mit Leidenschaft für ihre Ansichten angetreten sind. Deutsche und Leidenschaft – na ja, auch eine funktionierende Verwaltung erzählt letzten Endes von einer Leidenschaft, die man nicht als albern herabwürdigen muss. Denn jedes System, das funktioniert, funktioniert nur, weil es von einem schwer greifbaren Kitt, einer in ihm wirkenden Anziehungskraft zusammengehalten wird, die nicht mit Arbeitsanweisungen und Pflichtgefühl allein zu erklären sind. Pflicht – ja, woher sollte sie denn wohl kommen? Pflicht resultiert immer aus tieferen Überzeugungen, die im Geheimen in uns Menschen wirken. Überzeugungen, die – solange sie nicht durch äußere Einflüsse verloren gehen oder sich in Negative wandeln – uns viel stärker antreiben, als wir im täglichen Arbeitsleben bemerken.

Kein Bling Bling – von der Sehnsucht nach der deutschen Manufaktur

Bremen. Letzten Endes ist der NSA-Abhör-Skandal doch zu etwas gut. Die Revolution blieb zwar aus – aber die Erschütterung über das Ausspähen der verbündeten deutschen Bundesregierung blieb. In jedem von uns ein bisschen. Der eine Großteil meiner Bekannten hat gesagt: Ich habe es schon immer gewusst. Der andere Großteil hat gesagt: Bei mir gibt es für die nichts zu holen. Getroffen hat es aber trotzdem jeden – ein Stück persönliche Sicherheit ist weg, wenn Sicherheitsprogramme uns weltweit heimlich hinterher spionieren. Man erinnert sich gerne und wehmütig an den angeblichen Trend „Cocooning“, das sich zu Hause Einspinnen, der vor zehn Jahren in Wohnwelten und Küchen eingetroffen war: Man lud wieder zu sich nach Hause ein, präsentierte sich ein Stück privater, als im Restaurant oder Club. Heute denken wir: Hätten wir das bloß noch ein bisschen öfter gemacht, statt uns so bei Facebook auszutoben. Und beim Blick auf das Smartphone wird uns klar, was dieses vom handgeschliffenen Kochmesser unterscheidet: Beide können etwas – das Smartphone super telefonieren und das Messer super schneiden; beide können auch etwas nicht – nämlich in den Geschirrspüler. Während das Smartphone nun aber heimlich weitermeldet, mit wem kommuniziert wurde, behält das Messer für sich, was es geschnitten hat…

Yenidze – von der Tabakwarenmanufaktur zum höchsten Biergarten Dresdens

Dresden. Manchmal bleiben Manufakturen Wahrzeichen über ihre eigene Endlichkeit hinaus. Dies gilt auch für die Dresdner Tabakwarenmanufaktur ‚Yenidze‘, die seit dem Jahr 1909 mit ihrem spektakulären Bau in Anlehnung an die Architektur der Grabmoschee eines reichen Ägypters namens Khair Bak in Kairo direkt an die westliche Innenstadt Dresdens anschließt. Im Zweiten Weltkrieg von den Bomben der Alliierten stark beschädigt, wurden die zerstörten Teile zu DDR-Zeiten wieder aufgebaut und in den 1990er Jahren grundsaniert; die ‚Yenidze‘ gilt heute als eines der markantesten historischen Bauwerke Dresdens neben Frauenkirche, Zwinger und Semper-Oper. Die Dachterrasse des zweietagigen Restaurants unter der markanten Glaskuppel, in der im Winterhalbjahr ein Theater arbeitet, wird als „Dresdens höchster Biergarten“ vermarktet.

Ambiente 2023 stellt für Manufakturen mehr Fragen, als sie Antworten gibt

Frankfurt am Main. Nach der ‚Ambiente‘ ist vor der ‚Ambiente‘ – die von der Messegesellschaft als „größte Konsumgütermesse der Welt“ bezeichnete Ausstellung über alle 12 Hallen des Messegeländes präsentierte sich über das vergangene Wochenende nach zwei Jahren Corona-Pause gemischt: Die Hallen waren neu verteilt – die berühmte 3.1 rund ums Kochen ist nun in der 8, die hochwertige Halle 4.1 war nun in die Halle 12.1 umgesiedelt – entsprechend groß war die Skepsis bei den Frankfurt-bereiten Ausstellern unter den Manufakturen. Da der Aussteller-Katalog nicht rechtzeitig zur Messe-Eröffnung fertiggestellt war, herrschte entsprechend großes Durcheinander und viele Aussteller wurden von Besuchern nicht gefunden und für „ist nicht da“ erklärt; das immer wieder abstürzende Kassensystem und überhaupt nur vier geöffnete Kassen für Eintrittskarten im Messeturm sorgten am ersten Messetag für lange Schlangen und Wartezeiten von mehr als einer halben Stunde am Eingang. Für eine so traditionsreiche Messegesellschaft irgendwie blamabel.