Susanne Katzenberg vom ‚Projekt unverloren‘ gestorben
6. April 2026, Hamburg. Sie war die große Euphorikerin der ‚Tini‘-Vase von Peter Smalun – mehr als 2000 dieser historischen Vasen brachte sie auf eigene Rechnung als Re- und Künstler-Editionen innerhalb von nur fünf Jahren unter die Leute – denn ihre Begeisterung war ansteckend und sie verstand es, Menschen und die Thüringer Staatsregierung für ihr Projekt zu gewinnen: das Andenken und die Wiederbelebung dieser 1960er-Jahre-Vase aus der Weimarer Porzellanmanufaktur (1790 – 2018) in Blankenhain.
Als mich Susanne Katzenberg das erste Mal anrief, um für ihr Buch zum ‚Projekt unverloren‘ zu recherchieren, hatte ich gerade hier im Blog über die Suche nach einem Käufer für die in Schieflage geratene Weimarer Porzellanmanufaktur berichtet. Katzenberg schwebte ursprünglich eine Dokumentation vor – daraus wurde die Begeisterung für diese eine spezielle Vase von Peter Smalun (1939 – 2023). Sie erwarb vom Insolvenzverwalter die Rechte und ließ 925 Stück beim Weimarer Bauhaus-Uni-Absolventen Martin Pössel in durchgefärbtem Porzellan nachfertigen. Später erfolgte die Erweiterung und der Wechsel zur Porzellanmanufaktur Reichenbach, die die Vase in zwei Größen und verschiedenen Farben und Dekoren für Katzenberg produzierte, die Dekorabziehbilder standesgemäß aus der mehr als 300 Jahre alten Wiedemann’schen Druckerei in Saalfeld, in der viele Porzellanbetriebe seit Jahrhunderten drucken lassen. Die von ihr beauftragten Künstler Krashkid, Hooker One und Bobbie Serrano staunten.

Große ‚Tini‘-Sammlung aus aktuellen und historischen Produktionen
Mit dem Geld aus einem kleinen Erbe gönnte sich Katzenberg einen „Projektraum“ in Hamburg-Altona, in dem sie die Vase ausstellte, verkaufte und zu Veranstaltungen einlud.
Dabei war ihr das Kaufmännische nicht in die Ausbildung gelegt – Katzenberg war Fotojournalistin und arbeitete bei Gruner + Jahr. Wie das so ist, wenn man sich in ein Thema einarbeitet, so begeisterte sie sich mehr und mehr für untergegangenes DDR-Design und die vergessenen Entwürfe. Und irritiert nahm sie zur Kenntnis, dass sich dafür in Hamburg jedoch kaum Menschen interessierten – der Hamburger ist sich ja sowieso in der Regel genug, wie viele Zugezogenen beobachten. Und so erging es ihr auch mit ihrer Nachbarschaft. Sie litt unter dem Desinteresse für das andere deutsche Design von „hinter der Mauer“.
Trotzdem hatte sie immer wieder Ideen und Projekte, die sie rund um die ‚Tini umtrieben: Das Buch zum Projekt erschien. Künstler-Editionen ließen sich verkaufen. Eine Ausstellung im thüringischen Porzellanmuseum Leuchtenburg zum Design von Peter Smalun fand statt – von der Staatsregierung gefördert. Bilder aus dem Manufakturen-Blog-PopArt-Projekt zu Weimar-Porzellan stellte sie im Projektraum aus. Sie wurde Mitglied im Förderverein Thüringer Porzellanstraße…
Jetzt ist Susanne Katzenberg am 26. März im Alter von 59 Jahren gestorben – spannend wäre es, wenn ihr Glaube an die ‚Tini‘ mit ihr nicht verschwände.
Hier geht es zum Artikel im Manufakturen-Blog über Sasanne Katzenbergs Projekt und den ‚Projektraum‘ in Hamburg-Altona…
Hier geht es zum Artikel im Manufakturen-Blog über das Manufakturen-Blog-PopArt-Projekt im ‚Projektraum’…
Hier geht es zum Artikel im Manufakturen-Blog über die Weimarer Porzellanmanufaktur…
Fotos: Anselm Graubner, Wigmar Bressel

