ZEITmagazin kritisiert missbräuchliche Nutzung des Manufaktur-Begriffs durch Dienstleister – zu Recht

28. Februar 2016, Hamburg. Im letzten Heft des vergangenen Jahres (Nr. 51/2015) setzte sich das ZEITMAGAZIN unter dem Titel „Wie von Hand gemacht“ mit der missbräuchlichen Nutzung des Manufaktur-Begriffs durch Dienstleister und Handwerker auseinander. Obwohl die Kritik von Matthias Stolz schon am 6. Januar 2016 erschien, will ich sie nachreichen, da sie lesenswert ist und im Gegensatz zum Versuch der FAZ (siehe Manufakturen-Blog vom 5. Februar 2016, auch im „Marktplatz“) den Finger an der richtigen Stelle in die Wunde legt:

„Warum heißen so viele Firmen Manufakturen?“ fragt Stolz ganz zu Recht und präsentiert eine kleine Auswahl der Unsinnigkeiten: „Manufaktur für Ihr Vermögen“, „Manufaktur für Erlebnismarketing Dresden“, „Manufaktur für Beziehungsgestaltung“, „Manufaktur für Apps und Web“ und immer so weiter und so fort – ein Grusel-Kabinett der Dämlichkeiten.

Sein ironisches Fazit: „Apps etwa, die noch von Hand gemacht werden, so wie vor 300 Jahren, haben in diesen Zeiten etwas ungemein Beruhigendes.“

Matthias Stolz erinnert auch an den Begriff „Werkstatt“ und dessen „kreativen“ Einsatz, der vor einigen Jahrzehnten plötzlich und schwemmeartig auftrat und mutmaßt: „Ein Vorgänger der Manufakturen waren die Werkstätten, vor allem kulturelle Einrichtungen nannten sich einst so (Tanz-, Kino-, Theaterwerkstatt), vermutlich, um der Kunst etwas Bodenständiges abzugewinnen. Heute wird dagegen der umgekehrte Versuch unternommen, aus etwas halbwegs Bodenständigem (Büroarbeit am Computer) etwas Kunstfertiges zu machen.“


Der Manufaktur-Begriff macht für Dienstleister überhaupt keinen Sinn. „Manufaktur“ ist immer mit der Herstellung von realen Dingen verknüpft. Diese werden auch nicht am Computerbildschirm erzeugt, sondern in einer Kombination aus Handarbeit und Maschinenkraft. Die Serie ist eine Grundvoraussetzung, um sich vom Dienstleister abzuheben, eine andere ist das arbeitsteilige Zusammenarbeiten von unterschiedlichen Gewerken (z. B. von Werkzeugmachern mit Stahlgraveuren, Schleifern und Polierern, Ziseleuren und Galvaniseuren – in der Erwartung des Endverbrauchers alle unter einem Dach, also in einer Firma gemeinsam beschäftigt). Der gemeine Tischler ist eben keine Manufaktur; in der Regel ist er noch nicht einmal ein Kunsthandwerker – sondern ein Handwerker, weshalb er ja auch in der Handwerkskammer Mitglied ist.

Etwas Anderes ist dagegen die Möbelmanufaktur (die in der Regel Mitglied der Industrie- und Handelskammer sein wird): mit ihren Möbel-Serien, mit der Zusammenarbeit von Tischlern, Lackierern, Designern, Kauf- und Marketingleuten – und dem Handel als wichtigem Verbündeten. Man kann sich auch merken: Ohne Produktion für den Handel in der Regel keine Manufaktur, sondern Dienstleistung. Denn der Handel verkauft heute zwar notgedrungen auch Dienstleistung mit – aber eben vor allem doch Produkte.

Der Manufaktur-Begriff ist auf der Homepage des Verbandes Deutsche Manufakturen e. V. definiert.

Foto: ZEITmagazinOnline

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Käthe Kruses Waldorf-Puppe kommt ins Kino-Rampenlicht

23. Februar 2016, Donauwörth. Käthe Kruses Waldorf-Puppe rückt wieder ins Rampenlicht. Sie bekommt eine kleine Hauptrolle im neuen Film mit Matthias Schweighöfer, Florian David Fitz (der auch selbst Regie führte) und Alexandra Maria Lara mit dem nicht gerade unreißerischen Titel „Der geilste Tag“ im Verleih von Warner Bros.

38070 Ka¦êthe Kruse Waldorf Filmpuppe Amelie - UVP 99,90 Ôé¼_300dpiDer Film ist ein witzig-nachdenkliches Roadmovie von zwei Todkranken (gespielt von Schweighöfer und Fitz) ganz in der Tradition des Til-Schweiger-Erfolgs „Knockin‘ on heavens door“, von denen einer (Fitz) die Puppe für seine Film-Tochter kauft – eine besondere Puppe als ein besonderes Geschenk für ein besonderes Vater-Tochter-Verhältnis. Und die Waldorf-Puppe hat ihre Auftritte. „Die größte Herausforderung war es, jemanden vom Filmteam in unsere Produktion zu bekommen. Dann war es entschieden.“, erzählt Renate Wildenhain, die die Öffentlichkeitsarbeit von Käthe Kruse macht. Filmstart ist am 25. Februar in den deutschen Kinos.

Natürlich, man kann Waldorf-Puppen leicht zu Hause nachmachen. Meine Mutter hat für jeden von uns drei Kindern eine solche Puppe in vielen Stunden selbstgebastelt, damals in den 1970er Jahren. Wie vermutlich die Mütter vieler tausender, wahrscheinlich zehntausender Kinder. Ein heller, irgendwie hautfarbener Trikot-Stoff aus dem Bastelbedarf, die Muster nach Anleitung zugeschnitten, genäht, gestopft mit Füllwatte, bei den größeren Puppen wurde von ihr Vogelsand in kleinen Säckchen eingenäht, um das Gewicht natürlicher zu machen. Dazu dann selbstentworfene Kleidung…

Die meisten Menschen wissen vermutlich gar nicht, dass diese Puppe eigentlich als ein besonderes pädagogisches Spielzeug konzipiert wurde – von Rudolf Steiner, dem Begründer der Waldorf-Pädagogik. Für die Serienfertigung dann umgesetzt von Käthe Kruse, der Begründerin von Deutschlands ältester Puppen-Dynastie.

„Steiner und Kruse – das waren ja damals richtige Freigeister. Die wollten, dass sich etwas ändert“, erzählt Renate Wildenhain. Dementsprechend waren auch die Ansätze – die Ur-Waldorf-Puppe hat gar kein richtiges Gesicht: „Der Mund ist ein gerader Strich, die Augen nur Punkte. Jedes Kind sollte frei in der Interpretation sein, ob die Puppe nun lächelt oder traurig ist.“ (In der Unternehmenssprache hört sich das so an: „Die Gesichter sind auf das Wesentliche reduziert, um die Phantasie der Kinder anzuregen. Die Puppe hat eine Art Mona-Lisa Lächeln.“)

Aber die Zeiten sind vorbei. Denn Leni – so der Name der Kino-Puppe, auf die sich gerade alle Augen beim Puppenhersteller richten – hat ganz klar die Mundwinkel oben. Und die Augen sind hellblau. Denn Leni soll ein Erfolg werden. Und mit dem typischen Preis von 99,00 Euro auch Geld in Handel und Produktion bringen…

Die selbstgebastelten Puppen hatten immer schon Gesichter, darf gemutmaßt werden. Und mit den selbstgebastelten Puppen hat Käthe Kruse auch gar keine Probleme – im Gegenteil. Die Überzeugung der Firmengründerin war, dass man wenigstens eine Puppe für sein Kind selbst basteln sollte. Dafür gab es sogar im Bastelbedarf extra veröffentlichte Schnittmuster, zum Nachbasteln. Die Kauf-Waldorf-Puppe (Bio-Baumwolltricot, Bio-Schafwollfüllung, die „Haare“ aus Boucléwolle) war also zunächst vor allem für die nicht-bastelnden Eltern gedacht.

Käthe Kruse und die Waldorf-Puppen – das ist schon eine Erfolgsgeschichte. Renate Wildenhain: „Wir sind der einzige vom Bund der Waldorfschulen e. V. lizensierte Hersteller von Waldorf-Puppen weltweit. Diese Puppen tragen auch heute noch einen wichtigen Teil zum Firmenumsatz bei.“ Ungefähr zwanzig der vierhundertfünfzig Mitarbeiter sind im Bereich Waldorf-Puppe beschäftigt – am heutigen Unternehmenssitz im schwäbischen Donauwörth, wo alle hochwertigen Puppen von Käthe Kruse mit einem hohen Handarbeits-Anteil produziert werden.

Ursprünglich kommt Käthe Kruse aus dem heutigen Sachsen-Anhalt, aus Bad Kösen, wo die Unstrut in die Saale fließt. Als nach dem Krieg in der Ost-Zone die Enteignung drohte, floh Käthe Kruse mit Mitarbeitern und Geräten nach Westen. Die DDR schusterte aus den Hinterlassenschaften ihr Spielzeug-Kombinat zusammen; seit der Wende werden am früheren Standort hochwertigste Stofftiere produziert – von der Kösener Spielzeug Manufaktur der Familie Schache.

Aber auch in Donauwörth gab es Veränderungen. Familie Kruse ist vor etlichen Jahren bei Käthe Kruse ausgeschieden – kein Nachfolger in Sicht. Die Manufaktur gehört inzwischen zum Hape-Konzern des Unternehmers Peter Handstein, der Weltmarktführer bei Holzspielzeug ist.

Fotos: Käthe Kruse GmbH

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Die Backform mit den weltbesten Backeigenschaften – ist aus Kupfer

19. Februar 2016, Starzach. Sie hat außen diese wunderbar warme Farbe, tolle, klassische Rundungen – die Backform „Frankfurter Kranz“ aus massivem Kupfer. Innen ist sie praktisch und geschmacksneutral keramikbeschichtet. Schwer und gediegen liegt sie in der Hand. Die Wand der Backform ist aus eineinhalb Millimetern Kupfer, das diese phantastische Wärmeleitfähigkeit hat. Eine Backform mit weltbesten Backeigenschaften.

Backen in Kupfer – das ist der neueste Ansatz von Marc Weyersberg, geschäftsführender Gesellschafter der Kupfermanufaktur Weyersberg aus dem württembergischen Starzach. Weyersberg ist berühmt für seine Innovationskraft.

Die kleine Manufaktur im Schloss Weitenburg hat vor drei Jahren mit der Rettung des Kupfergeschirrs schlechthin auf sich aufmerksam gemacht. Weyersberg, einziger deutscher Kupfergeschirrhersteller, stand vor der Frage, wie es weitergehen sollte, nachdem die Europäische Union beschlossen hatte, den Kontakt von Kupfer zu heißen Lebensmitteln „stark einzuschränken“ – um es vornehm zu formulieren und nicht von einem Teil-Verbot zu sprechen. Weyersberg entwickelte daraufhin die erste keramikinnenbeschichtete Kupferbratpfanne der Welt – die von ihm als Obergipfel der technischen Erneuerung auch noch induktionstauglich gemacht wurde: mit hochmagnetischen Eisenmolekühlen, die unter die Kochfläche gespritzt werden. Marc Weyersberg: „Das war mehrere Jahre Tüftelei und die Suche nach dem richtigen Partner für diese teure Technik. Aber es musste sein. Denn viele unserer Kunden sind inzwischen auf Induktionsherde umgestiegen – und da funktioniert Kupfer halt nicht.“

Manufakturen-Blog: Die neue Gugelhupf-Backform aus Kupfer - sie hat durch die spitzenmäßige Wärmeleitfähigkeit eine deutlich verringerte Backzeit (Foto: Wigmar Bressel)

Die neue ‚Frankfurter-Kranz‘-Backform aus Kupfer – sie hat durch die spitzenmäßige Wärmeleitfähigkeit eine deutlich verringerte Backzeit

Manufakturen-Blog: Die Keramikinnenbeschichtung der Backform der Kupfermanufaktur Weyersberg bietet unter anderem den Vorteil, dass der Kuchen nicht am Kupfer anbackt (Foto: Wigmar Bressel)

Die Keramikinnenbeschichtung bietet unter anderem den Vorteil, dass der Kuchen nicht am Kupfer anbackt


Manufakturen-Blog: Backformen aus Kupfer der Kupfermanufaktur Weyersberg in verschiedenen Formen (Foto: Wigmar Bressel)

Backformen aus Kupfer in verschiedenen Formen

Manufakturen-Blog: Wie bei vielen Metallen, lassen sich auch Kupfer-Koch- und -Backgeschirre mit spezialisierter Politur besser pflegen - auch die Kupfermanufaktur Weyersberg hat sich ein Produkt entwickeln lassen (Foto: Wigmar Bressel)

Wie bei vielen Metallen, lassen sich auch Kupfer-Koch- und -Backgeschirre mit spezialisierter Politur besser pflegen

Aus Schachmatt wurde der Phönix: Diese Bratpfanne wurde im Jahr 2014 als deutsches „Manufaktur-Produkt des Jahres“ von der Jury des Verbandes Deutsche Manufakturen e. V.  ausgezeichnet, hat sich seitdem sensationell verkauft – und machte Weyersberg berühmt. Die Farbe Kupfer – seit einem Jahr wieder sehr „in“ – tat ein Übriges. Klar: Inzwischen sind fast alle Kochgeschirre, die für höhere Temperaturen in Frage kommen, von Weyersberg umgerüstet auf Induktionstauglichkeit und EU-Kompatibilität.

Nun also Backformen. Marc Weyersberg: „Wir hatten auf der Ambiente 2016 in Frankfurt ein phantastisches Feedback von Händlern bis nach Japan. Und das bei unseren Preisen, die ja im Küchensegment auch gerne als jenseits von Gut und Böse eingestuft werden. Sie haben nichtmal gezuckt.“

Preise – das bedeutet 149 bis 189 Euro für die Backformen, je nach Größe. Die inzwischen  berühmte, ausgezeichnete Bratpfanne kostet zum Beispiel 339 Euro. Weyersberg: „Ich stelle fest, dass es sich bei den Käufern größtenteils gar nicht um die Schönen und Reichen handelt, sondern um ausgesprochene Koch-Enthusiasten – viele sparen sich unsere Töpfe richtig zusammen, höre ich aus dem Handel.“

Auch für die Pflege hat sich Weyersberg inzwischen etwas überlegt. Auf der Messe stellte er sein erstes Kupfer-Pflegemittel (Preis: 19,95 Euro) vor. Es enthält ordentlich Schleifpartikel – Weyersberg: „Das muss man sich vorstellen wie Peeling beim Duschgel.“ –, die das Kupfer wieder schön kupferrot bekommen. Für die verkupferten Kochgeschirre aus dem Import ist es allerdings nicht geeignet. Marc Weyersberg:  „Die dünnen galvanischen Verkupferungen sind mit meinem Putzmittel schnell runter.“ So trennt das Putzmittel halt Kupfernes von Verkupfertem – like the man from the boy.

Fotos: Wigmar Bressel


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Manufakturen-Blog: Die Kupfermanufaktur Weyersberg hat jede Form von Schalen, Pfannen, Bratpfannen im Angebot (Foto: Wigmar Bressel)

Die Kupfermanufaktur Weyersberg hat jede Form von Schalen, Pfannen, Bratpfannen im Angebot

fishINTERNATIONAL – alles rund um Fisch, Kaffee und Schnaps

14. Februar 2016, Bremen. Deutschlands einzige Fachmesse rund um den Fisch und Seafood – heißt es im Katalog der 15.fishINTERNATIONAL, die heute in Bremen eröffnet wurde. Klingt erstmal vielversprechend, vielleicht kann ich hier ja neue Trends im Food-Bereich entdecken. Doch nur mit Meerestieren und ihrer Verarbeitung lässt sich selbst an der Nordseeküste keine wirtschaftlich tragfähige Messe mehr organisieren und so hat der Veranstalter, die Messe Bremen, parallel die GASTRO IVENT dazu gepackt. Das Ergebnis ist Beliebigkeit im Angebot, eine Gastro-Messe mit einem Schwerpunkt Fisch. Hersteller von Restaurant-Möbeln und originellen Papierservietten haben ihre Stände neben zahlreichen Produzenten von Fischverarbeitungsmaschinen, von Kaffee-Automaten und der Fleisch-Gourmet-Manufaktur.

Autsch. In diesem Umfeld schaut man meistens lieber schnell weg, wenn jemand seine Firma Manufaktur nennt. Beispielsweise eine „Convenience Manufaktur“ offeriert ein sehr durchschnittliches Salatbüffet in Großküchen-ähnlichen Behältern, ein Angebot, mit dem offenbar Betriebskantinen beliefert werden.

Gibt es hier überhaupt etwas, das Liebhaber von Manufaktur-Produkten interessieren könnte? Ich treffe auf den Stand der BrennerEy, ein kleiner Familienbetrieb, in dem Gründer Gerhard Ey erst seit 2011 edle Brände, Geiste und Liköre herstellt. „Wir arbeiten nur mit handverlesenem Obst bester Qualität, jegliche Faulstellen oder Stiele und Blätter werden aussortiert“, sagt Gerhard Ey. „Außerdem lassen wir uns Zeit bei der Vergärung, denn nur so können die Aromen übertragen werden.“

Und noch eines ist Ey wichtig: „Man muss es gerne machen.“ Er macht die Brennerei so gerne, dass er vor fünf Jahren seine Leitungsfunktion bei einem Automobilzulieferer aufgebeben, das Hobby zum Beruf erklärt und diese Manufaktur gegründet hat.

Enthusiasten sind auch die Inhaber von Welsländer. 15 Jahre haben sie in die Entwicklung ihres Produkts gesteckt und herausgekommen sind Würste aus Fisch. Zugegeben etwas gewöhnungsbedürftig, wenn da die Lyoner neben dem Wienerle und einer Krakauer liegt – und alle sind aus Fisch. „Wir stellen unsere Würste ausschließlich aus Filet vom Wels her“, erzählt Geschäftsführer Stefan Bürgelin. „Die Fische werden in Deutschland in kontrollierten Aquakulturen gezüchtet, ohne Wachstumsförderer und frei von Antibiotika“. Die Würste lassen sich roh oder gegrillt essen, im Geschäft kosten drei Stück circa 4,50 Euro. Seit zwei Jahren sind die Welsländer jetzt auf dem Markt und das Geschäft boomt. Pro Monat werden 3-4 Tonnen Wels verarbeitet, Edeka-Süd, Metro und Transgourmet haben die Fischwürstchen inzwischen in ihr Angebot übernommen. Und wie schmecken diese Würste nun? Sehr knackig, die Haut ist sogar fast ein bisschen zu fest, und jedenfalls nicht nach Fisch, höchstens bei manchen Sorten ein wenig im Nachgeschmack. Irgendwie beliebig also. Und das passt dann auch zu dieser Messe.

Signet: Manufakturen-Blog

 

Manufactum eröffnet 9. Haus im Herbst 2016 in Bremen

9. Februar 2016, Berlin. Sie kennen ja das Sprichwort von dem guten Ding – und der guten Weile. Manufactum (Katalog-Auflage der Otto-Konzerntochter: rund eine Million), wichtiger Wiederbeleber und Hoffnungsspender für die deutsche Manufakturen-Branche seit dem Jahr 1985, plant sein neuntes Warenhaus. Es soll im Herbst 2016 in Bremen eröffnen. Nach etwa zehn Jahren Standort-Überlegungen ist es so weit, in guter 1b-Lage, wie es Standortpolitik des Unternehmens ist: am Domshof im repräsentativen Spät-Gründerzeit-Palast (erbaut 1902-04) der früheren Bremer Bank, zeitweise genutzt von der Bremer Börse, vis à vis zum Eingang des Rathauses.

1000 Quadratmeter groß soll Manufactums Fläche werden, die gesamte ehemalige Schalterhalle füllen und fast das gesamte Sortiment präsentieren – versprochen wird den Bremern: „Bürobedarf, Uhren und Wettermeßtechnik, Leuchten und Lampen, Möbel und Heimtextilien, Badausstattung und Körperpflegeprodukte, Bekleidung, Schuhe, Lederwaren und Taschen, Küchenausstattung und Lebensmittel, Herde und Öfen, Werkzeug für die Hausarbeit, Gartenwerkzeug und -ausstattung sowie Sportartikel und Spielwaren.“

Hinzu kommt das „Brot-&-Butter“-Konzept, die Lebensmittelversion von Manufactum. „Brot & Butter“ bedeutet laut Unternehmens-Homepage: „Dort finden Sie frische Lebensmittel aus traditioneller Herstellung, unverfälscht im Geschmack und regional und jahreszeitlich geprägt – darunter Milchprodukte und Käse sowie Wurst- und Fleischwaren von tiergerecht gehaltenen, zumeist altbewährten Nutztierrassen. Im Steinofen der eigenen Backstube wird täglich Brot gebacken. Im Bistro gibt es Frühstück, die Küche bietet zudem kalte und warme Mittagsgerichte, zubereitet mit Produkten von brot&butter und Manufactum. Zum Kaffee stehen selbstgebackene Kuchen zur Wahl.“

Diese Attraktion ist vielleicht auch nötig. Die Ostseite des Domshofes und der Eingang zum neuen Manufactum liegt zwar auf dem Weg zu Bremens wichtigem Innenstadt-Parkhaus Violenstraße – aber der Domshof ist auch verdammt breit, des Öfteren außerdem durch den Frischemarkt schlecht zu sehen. Insofern bedarf es eines guten zusätzlichen Magneten, der täglich Besucher von den überdachten Innenstadt-Passagen über den Platz auf die andere Seite zieht. Und das kann ein Bistro und „Brot & Butter“ sein. Ich drücke dafür die Daumen.

Fotos: Manufactum

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Frankfurter Allgemeine reiht „Manufaktur“ unter ihre Unworte des Jahres 2016

5. Februar 2016, Frankfurt am Main. Erst hüh, nun hott. Im Sommer des Jahres 2010 machte die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit einer mehr als zwanzigteiligen Serie unter der Verantwortung der Redakteurin Julia Löhr über das Erstarken der Manufakturen auf sich aufmerksam („Deutsche Manufakturen“), berichtete sogar im ersten Teil von der Gründung des Verbandes Deutsche Manufakturen e. V. in Bremen. Jetzt die 180-Grad-Wende: Löhrs Kollegin Karin Truscheit schreibt am 2. Januar 2016, warum „Manufaktur“ nun in der FAZ zum Unwort erklärt wird: „Das Wort Manufaktur wird inflationär gebraucht.“

Auf 34 Zeilen regt sich die Autorin darüber auf, dass der Preis für das Eis aus der fälschlicherweise sich selbst „Eismanufaktur“ nennenden Eisdiele „um die Ecke“ aus ihrer Sicht „reine Willkür“ sei – Erdbeereis sogar 50 Cent teurer als Mango. Donnerwetter! Und das nur, weil Erdbeereis aus natürlichen Zutaten nunmal teurer herzustellen ist, als Mangoeis?

Harje Kaemena, Geschäftsführer des Bio-Eis-Pioniers „Snuten Lekker“ aus dem Bremer Blockland: „Bio-Erdbeeren kommen bei uns aus Deutschland. Die werden einzeln gepflückt. Das kostet. Mangos kommen auch als Bio-Ware schon püriert aus Billiglohn-Ländern. Das macht die Mango im Eis viel billiger, als die Erdbeere im Eis. Das führt zu Preisunterschieden.“

Und so könnte man die FAZ immer weiter widerlegen: bei den kritisierten Hemden-Manufakturen (da gibt es ja nun mal nur „Campe & Ohff“ aus Lauterbach und „Müller“ aus Hof), bei den angeblichen Pfeifen-Manufakturen (da gibt es nur eine, nämlich „Vauen“ aus Nürnberg) – diese tragen die Bezeichnung mit Fug und Recht.

Nee, da springt die FAZ verdammt kurz, ehrlichgesagt: enttäuschend zu kurz.

Die missbräuchliche Nutzung des Manufaktur-Begriffs durch Kunsthandwerker, Handwerker, Dienstleister und Hobby-Enthusiasten darf ja durchaus als Verbrauchertäuschung angeprangert werden. Aber auch nur dafür. Denn ansonsten beschreibt der Begriff ‚Manufaktur‘ eine Produktionsform – neutral und sinnvoll wie ‚Handwerk‘ oder ‚Industrie‘. Für die Einordnung bedarf es immer der Bildung und Recherche des Journalisten, der ja die Verantwortung dafür trägt, was er im Einzelfall so schreibt. Letzten Endes adeln Journalisten  auch häufig den Handwerker fahrlässig zur Manufaktur.

Frau Truscheit ist mir ansonsten unbekannt, über ihren Rechercheaufwand für ihren kleinen Beitrag kann ich nichts sagen. Sagen kann ich aber: Ihr Text passt nicht zu ihrer Anklage, der Überschrift. Da ihre Beispiele diese nicht belegen und schon gar nicht stützen.

Als wäre die Zeitung ihr privater Blog, stützt sie die Unwort-Anklage leider vor allem nur mit ihrer ganz persönlichen Meinung und stützt darauf auch ihre ganz persönliche Hoffnung – original Truscheit: „Gut, im Sinne von ‚herausragend‘ sind auf jeden Fall immer die Preise in den Manufakturen. Und manchmal passt auch die Qualität zum Preis. Wenn das nicht so ist, kann man nur hoffen, dass sich die Geschichte wiederholt und die Manufaktur bald wieder von der Fabrik abgelöst wird.“

Wie gut, dass auch die FAZ von gestern so gut zum Fischeinwickeln ist – oder im Altpapier landet. Schade, FAZ – echt underperformt.

Foto: Wigmar Bressel

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Fürstenberg präsentiert Omnia, Meissen bringt neues Dekor für Cosmopolitan

04.02.2016 – Ausstellen – oder nicht. Das ist wie für die vielen kleinen privaten auch die Frage für die beiden großen deutschen Staatsmanufakturen: Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen aus Meißen (Eigentümer: Stiftung/Land Sachsen) war nicht in Paris auf der „Maison & Objet 2016“, geht dafür aber nach einiger Abstinenz wieder auf die „Ambiente 2016“ in Frankfurt. Die Porzellanmanufaktur Fürstenberg aus Fürstenberg an der Weser (Eigentümer: NordLB/Land Niedersachsen) hat sich genau anders herum entschieden: Paris ja, Frankfurt auch in diesem Jahr wieder nein.

Dafür präsentiert Fürstenberg eine neue Form: Omnia. Ein vierteiliges Geschirr, bestehend aus henkellosem, dafür aufwändig-doppelwandigem Becher und ebenso konstruierter Schale, Speise- sowie Frühstücksteller. Es sieht sehr modern aus, jedoch nicht glatt und fein, sondern eher organisch oder nach Stein. Interessant in jedem Fall… und ineinandergestellt, wie eine kleine Skulptur.

Entworfen wurde die neue Form vom Wiener Büro EOOS: „Diese natürlichen und rauen Oberflächen haben uns zur Form Omnia geführt. Außen rau und gewachsen, innen glatt. Dieses Spannungsverhältnis fasziniert uns“, erklärt Martin Bergmann den Prozess der Entstehung in der Begleitbeschreibung.

Neben obligatorischem Weiß gibt es die Auswahl von Anthrazit, Bronze und zwei Brauntönen. Optional mit faszinierender, handaufgelegter und -polierter Innenvergoldung. In der weiteren Verarbeitung findet sich ein zusätzliches Stück Manufaktur wieder: Damit die Rillen der Form nicht durch die Glasur zulaufen, wurde mit durchgefärbter Porzellanmasse gearbeitet. Eine besondere Endveredelung erfährt jedes Teil durch das Polieren von Hand. Handschmeichelnd, wie man es von Fürstenberg kennt. Und eben typisch aufwendig Manufaktur.

Und die sechsmal größere Porzellanmanufaktur Meissen? Die mit dreihundert Jahren älteste deutsche Porzellanherstellerin bringt auf der „Ambiente“ neben weiterer Kunst ein neues Dekor für die bekannte Form Cosmopolitan. Alles noch streng geheim bis zum ersten Messetag, Fotos werden auch noch nicht gezeigt. Zuletzt hatten die Sachsen die in Marrakech lebende Inneneinrichterin Meryanne Loum-Martin engagiert. Heraus kam modern-klassisches Dekor mit Palmenblättern und einem Wiedehopf. Ich bin gespannt, was Meissen wagt.

Fotos: Fürstenberg

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Jürgen Betz: „Eine Reise ins Innere der Uhr“

5. Februar 2016, Efringen-Kirchen. Interview mit Jürgen Betz, Geschäftsführer der BORGWARD Zeitmanufaktur

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Herr Betz, warum haben Sie Ihre Uhren-Manufaktur nach der Automarke Borgward benannt?

Das ist meine Leidenschaft zu Borgward. Es fing durch meinen Vater an. Seinen Jugendtraum erfüllte er sich als Rentner und besitzt heute mehrere Fahrzeuge, die in seiner Scheune stehen. Inzwischen hat er viel Zeit und restauriert alte Fahrzeuge. Durch ihn bin ich an Borgward gekommen. In meiner Lehrzeit habe ich einen Goliath Hansa 1100 Kombi entdeckt. Das ist ein sehr seltenes Fahrzeug. Mit meinem Vater zusammen habe ich diesen restauriert. Dadurch war ich natürlich schon in jungen Jahren sehr verbunden mit der Geschichte Borgwards.

Während meines beruflichen Werdegangs als Maschinenbau-Techniker leitete ich schließlich die Produktion in der ältesten Zifferblatt-Fabrik Deutschlands in Weil am Rhein. Dort fiel mir bei der Entsorgung alter Druckklischees und Aufnahmen ein Klischee für die Zifferblattherstellung mit dem Namenszug BORGWARD in die Hände. Das warf für mich die Frage auf, was Borgward mit Uhren zu tun hatte.

Und – was verbindet Borgward mit Uhren?

Ich stellte nach Recherchen fest, dass es tatsächlich Armbanduhren gab, die für Borgward produziert wurden. In der damaligen Zeit wurde das gesamte Interieur des Autos mit Markenprodukten ausgestattet. Die Cockpit-Uhren kamen z. B. von Kienzle oder von Bifora aus Schwäbisch-Gmünd, die für Borgward auch Armbanduhren hergestellt haben. Borgward hat schon früh das Marketing-Prinzip der Kunden-bindung erkannt und mit derartigen Kundengeschenken realisiert. Wenn Sie als Borgward-Fahrer nachweisen konnten, dass sie mehr als 100.000 Kilometer unfallfrei mit ihrem Auto gefahren waren, haben Sie als Premiumgeschenk eine solche Uhr, eine Plakette und eine Urkunde erhalten. Die Zifferblätter dieser Armbanduhren wurden in Weil am Rhein gefertigt.

Da wuchs in mir eine Idee: Warum kann so etwas heute nicht noch einmal gemacht werden und damit die Geschichte der Marke fortgeschrieben werden? Ich bin ja damals meinen Goliath gefahren. Das war so außergewöhnlich, dass ich oft darauf angesprochen wurde und ich immer wieder von Neuem die Geschichte Borgwards erzählt habe, die bei vielen nicht mehr präsent war. So entstand der Plan, die Geschichte dieses Unternehmens mit hochwertigen Armbanduhren weiterleben zu lassen. Das ist nun über zehn Jahre her.

Wie spiegelt sich das denn im Design der Uhren wider?

Das Design der Uhren wird heute durch das Zifferblatt, das Gesicht der Uhr, geprägt. Mit unseren Borgward-Uhren greifen wir die Aura dieser Zeit auf, dieses typische Tacho-Design, das wir ohne unnötige Ablenkung rüberbringen. Das Gehäuse orientiert sich an der Karosserieform der Automobile: in der Serie P100 – benannt nach dem großen Borgward aus den 60ern zum Beispiel –  sind die runden, fließenden Formen abgelegt worden. Das Gehäuse erinnert an den Bauhaus-Stil, sehr gerade und klar. So lehnen wir unsere Uhren an das Design dieser Zeit an.

Dennoch sind sie ebenso in die Neuzeit interpretiert. Ich habe mir bei der Konstruktion gesagt, wenn Borgward heute noch auf den Straßen zu sehen wäre, dann wären die Fahrzeuge auch nicht mehr retrospektiv, sondern modern.

Jetzt soll ja auch die Automarke Borgward wiederbelebt werden, mit Hilfe eines chinesischen Investors. Ist das für Sie irritierend oder finden Sie das belebend für Ihr Geschäft?

Im ersten Moment war ich sehr irritiert und dachte: Oh je, jetzt haben meine Frau und ich mit unserem kleinen Team so mühevoll unsere Uhrenmarke aufgebaut. Passt da die Geschichte mit einem chinesischen Investor und der Produktion in China? Schädigt das den Status unserer mechanischen Uhren im gehobenen Segment? Da waren wir schon sehr skeptisch. Inzwischen sagen wir uns, dass die Geschichte auch dort weiterlebt. Wir haben die Hoffnung, dass dieses Erbe auch in Ehren gehalten und adäquat umgesetzt wird. Wir denken ja heute alle global. Wir sehen es als Chance und werden jetzt auch Uhren in China verkaufen.

Sie verkaufen aber nicht nur Uhren, sondern machen auch Uhrenseminare. Was passiert da?

In unseren Uhrenseminaren bieten wir technik- und uhrenbegeisterten Menschen die Möglichkeit, die Reise ins Innere der Uhr anzutreten. Wir öffnen unsere Manufaktur und vermitteln unsere Leidenschaft für das Produkt.  Fünf bis sechs Teilnehmer zerlegen unter fachmännischer Anleitung ihr Handaufzugs-Uhrwerk. Anschließend werden Werkteile und Brücken veredelt und finisiert. Ein unveredeltes Uhrwerk wird also sehr schön aufbereitet, alles gereinigt und galvanisiert. Das Zifferblatt bedruckt der Teilnehmer selbst von Hand. Am Ende baut jeder seine eigene Uhr, die wir komplett einregulieren. In unseren Kursen bemerken wir, dass jeder Teilnehmer wieder zum Kind wird. Mit leuchtenden Augen entsteht eine unheimliche Begeisterung. Jeder ist ganz stolz auf seine selbst erschaffene Uhr.

Man braucht dafür eine ruhige Hand. Kann man das lernen? Muss man dafür Yoga oder autogenes Training machen?

Der eine braucht dafür ein Stück Schokolade, der andere einen kleinen Schnaps – lacht – Nein, das bekommen wir gemeinsam immer hin. Eine ruhige Hand ist schon ganz gut. Wir hatten schon Teilnehmer, die aufgeregt und zittrig waren. Es braucht aber niemand Angst zu haben. Es ist immer ein Uhrmachermeister dabei. Am Ende des Seminars läuft jede Uhr.

Wir wollen mit unserem neuen Manufakturen-Blog die digitale Welt mit Tradition    verbinden. Was bedeutet für Sie in Ihrem Metier online-Vertrieb und online-Kommunikation?

Hätten wir nicht das Internet oder die neuen Medien, würde ich es mit unserer Marke nicht schaffen, uns so präsentieren zu können. Das ist gerade für kleine Hersteller sehr wichtig. Wir gestalten unser Marketing auch immer für die online-Kommunikation.

Sie haben gleich zu Beginn über die Leidenschaft für Ihre Uhren gesprochen. Worin äußert sich diese Leidenschaft für Sie persönlich?

Der Reiz besteht darin, die Geschichte einer Automarke in ein hochtechnisches Produkt zu transferieren und dazu das Produktdesign zu gestalten. Wenn Sie meine Uhren anschauen, dann entdecken Sie Harmonie und die Aura dieser Zeit. Das ist meine Leidenschaft: Uhren für Generationen zu bauen.

Fotos: BORGWARD Zeitmanufaktur

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Kaffeeröster – Was macht die Qualität aus?

5. Februar 2016, Emmerich. Kleine private Kaffeeröstereien waren seit den 1970er Jahren fast völlig von der Bildfläche verschwunden. Doch heute erfreuen sie sich wieder großer Beliebtheit. Die Branche boomt. Noch in den Nachkriegsjahren waren es bestimmt 6.000, 7.000 Kaffeeröstereien, die unsere Städte mit frischem Kaffeeduft aromatisiert haben. Mit dem Aufkommen der großen Kaffeekonzerne war damit aber erst mal Schluss. Doch inzwischen gibt es immer mehr Kaffeetrinker, die eine gute Bohne, sorgfältige Röstung und das duftgeschwängerte Ambiente einer Rösterei für ihren Kaffeegenuss  zu schätzen wissen. An die 1.000 private Kaffeeröstereien soll es inzwischen in Deutschland wieder geben.

Peter C. von Gimborn in seinem Metier

Peter C. von Gimborn in seinem Metier

Aber was macht eigentlich eine gute Kaffeeröstmaschine aus? Ich habe mich bei einem erkundigt, der es wissen muss: Peter C. von Gimborn. Urgroßvater Theodor von Gimborn hatte die Emmericher Maschinenfabrik und Eisengiesserei mitgegründet und unter dem Markennamen „Probat“ Kaffeeröster gebaut. Weltweit ist wohl keine andere Kaffeeröstmaschine so erfolgreich verkauft worden. Sein halbes Leben hat Peter C. von Gimborn im Familienunternehmen verbracht. Heute betreibt er in Emmerich am Rhein eine eigene Manufaktur unter dem schlichten Namen „Semper P.C. von Gimborn“.

„Wir bauen nur kleine Röster, für Chargen von bis zu 45 Kilogramm, so wie sie bei uns als Modell schon in den 1950er Jahren hergestellt wurden“, erzählt von Gimborn. „Und es gibt eine zunehmende Nachfrage nach echten Oldtimern, also nach alten Maschinen, die wir dann generalüberholen. Aber das wird immer schwieriger, solche Maschinen noch zu finden.“ Urgroßvater Theodor hatte sich die ersten Kugelröster patentieren lassen. Aber als die Mengen zum Rösten größer wurden, war die Kugel nicht mehr so geeignet und wurde durch Trommelröster abgelöst. „In der Wärmeübertragung, da liegt das Geheimnis einer wirklich guten Kaffeeröstmaschine“, sagt von Gimborn. „Dabei kommt es vor allem auf den Anteil des Gusseisens an. Nur das Gusseisen garantiert ein gutes Verhältnis von Strahlungswärme und durchgehender Wärme. Kaffeeröster, die nur aus Stahl gebaut werden, erreichen niemals diese Qualität.“

Und eine hochwertige Kaffeebohne ist für den Genuss natürlich auch nicht unwichtig. Hat der Röstexperte von Gimborn eigentlich einen Lieblingskaffee? „Ich mag besonders die Kaffees von Bella Vista aus Costa Rica, die sind nicht so bekannt, aber von ebenso überzeugender Qualität wie der viel bekanntere Yirgacheffe aus Äthiopien.“

Wo gibt es Kaffeeröstereien in Deutschland? Informationen dazu finden Sie hier:

www.kaffeetraditionsverein.de

Fotos: Kaffeetechnik

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