Manufakturen räumen bei ‚Dineus‘ ab – aber der Wettbewerb ist noch unausgegoren

27. Februar 2019, Frankfurt am Main. Gutes gewollt – aber nicht zu Ende gedacht. Der Callwey-Verlag will sein Buch ‚Tischkultur‘ befördern und lobte einen neuen Tischkultur-Wettbewerb namens ‚Dineus Grand Prix Tableware 2019‘ aus. 33 Sieger-Produkte wurden im Rahmen der Frankfurter Messe ‚Ambiente 2019‚ gekürt, davon elf aus Manufakturen. Eigentlich super – wenn da nicht diese unguten Interessenkollisionen wären: Wettbewerbs-Kuratoren gewinnen selbst die Preise, Jury-Mitglieder arbeiten mit den Betrieben, die sie auszeichnen, beruflich eng zusammen – puschen sich also irgendwie selbst. Und der Ausrichter Callwey will aus dem Wettbewerb ein weiteres Buch machen, dessen Zielgruppe – mit Verlaub – klitzeklein ist.

Der Callwey-Verlag behauptet in seiner Pressemitteilung zum Preis: „Nach dem Hype um das Kochen steht nun immer mehr der gedeckte Tisch im Mittelpunkt. Dies und die Tatsache, dass er in dieser Art einzigartig ist, hat uns dazu bewogen, zusammen mit den Herausgebern Olaf Salié und Björn Kroner-Salié den Dineus auszurufen, den großen Preis der Tischkultur. Dass diese Entscheidung die Richtige war, zeigte sich fast sofort am regen Interesse und der Unterstützung der Branche. Sein Ziel ist es, Einblicke in die Produkte und Projekte des gedeckten Tisches zu geben, die Industrie zu stärken und die Wichtigkeit der Tischkultur in der heutigen Zeit zu betonen und zu bestärken. Die von Herstellern rund um die Tischkultur eingereichten Produkte, Sammlungen, Designs und Innovationen wurden von einer hochkarätigen Jury aus Experten, Designern und unabhängigen Industrie- und Medienvertretern der Branche bewertet und prämiert. Der Dineus wird von wichtigen Schlüsselpersonen der Industrie, dem Kuratorium, unterstützt. Das Jahrbuch präsentiert die aktuellsten Trends der Tischkultur und die Gewinner des Wettbewerbs mit eigens in einem aufwendigen Fotoshooting erstellten Bildern.“

Manufakturen-Blog: Güdes neue Messerserie 'Synchros' - Dineus-Preisträger 2019 (Foto: Wigmar Bressel)

Güdes neue Messerserie ‚Synchros‘ – Dineus-Preisträger 2019

So weit so klar. Haken an der Sache: Der „gedeckte Tisch“ ist vermutlich nicht der nächste Hype – sondern derzeit im Vergleich zu früher ein sehr notleidendes Thema, was – ein Indiz – durch die Insolvenzanträge der Porzellanmanufakturen Weimar und Höchst im Jahr 2018 deutlich unterstrichen wurde.

Und: Überall in der Republik schließen die Porzellan- und Glas-Fachhandelsgeschäfte… Natürlich wäre es schön, wenn die Tischdecke zurückkäme und aus hobbymäßigem Kochen und der Steh-Küchenparty auch das frühere Feiern bei Tisch im Familien- und Freundeskreis zurückbrächte – die horrenden Immobilienpreise in den Großstädten werden jedoch auch weiterhin das klassische Esszimmer den meisten Menschen unmöglich machen. Man könnte jetzt einwenden: „Aber auch der kleinste Tisch will gedeckt werden…“ Vielleicht – vielleicht aber im 100sten Jahr des Bauhauses auch eher „puristisch“, was mit „sparsam“ übersetzt werden kann. Soviel zur These von Callwey; es fehlt ihr noch an Belegen.

Jetzt aber zum Handwerk. Die gewinnenden Manufakturen sind: Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur (3 x), die Porzellanmanufakturen Dibbern, Meissen und Fürstenberg sowie Sieger by Fürstenberg (2 x), Robbe & Berking Silber, die Messerschmiede Güde, der Besteckhersteller Mono, die Leinenmanufaktur Hoffmann. Möge allen der Preis weiterhelfen und die erhofften Ergebnisse bringen!

Aber nun zu den ‚handwerklichen‘ Macken: Leider konnte sich der Verlag nicht zu einer unabhängigen Jury durchringen. Wie ist es sonst zu erklären, dass Oliver Berking (mit Robbe & Berking selbst einer der Gewinner) und Stephanie Saalfeld (Geschäftsführerin von Fürstenberg und damit dreifache Gewinnerin) Kuratoren des Wettbewerbs sind? Wie kann es sein, dass Sebastian Herkner (der seine wichtigen gläsernen Couchtische bei Poschinger teil-produzieren lässt und für Poschinger gerade die Jubiläums-Gläserserie entworfen hat, was jeder weiß, der sich für so etwas interessiert) in der Jury sitzt und über die Poschinger-Produkte (Dreifach-Gewinner) abstimmt? Oder die beiden Saliés selbst, die bei Poschinger ebenfalls ihre Gläser-Serie haben? Wer nun Benedikt Poschinger kennt, der weiß, dass es dem als Ersten unangenehm wäre, in die Nähe des Ruchs einer Schiebung zu kommen. Auch den anderen Beteiligten, die ja gut bekannt sind, ist einfach mal Sorglosigkeit oder Unbedarftheit zu unterstellen. Eine blöde Situation, in die sich der Wettbewerb gleich zum Auftakt hineinmanövriert hat.

Natürlich ist es schwierig, eine irgendwie ‚erklärbare‘ Jury für einen Wettbewerb zusammenzubekommen (die wie hier auch zu einem Teil aus ‚Partnern‘ – meistens Sponsoren – besteht) – aber niemand hat gesagt, dass es leicht sei, solch ein Unterfangen zu bestreiten und elegant zu lösen. Falls also ein zweiter Versuch im kommenden Jahr gewagt werden sollte, die Bitte an Callwey: Vor allem nochmal über die Wettbewerbs-Konzeption und die Besetzung von Jury und Kuratorium nachdenken (Wer ist wo am besten aufgehoben? Wer darf am Wettbewerb dann nicht teilnehmen?). Danke im Voraus.

Fotos: Florian Eichinger, Wigmar Bressel

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Robert Nuslan ging bei ‚Hutkönig‘ ganz diskret in den Ruhestand

25. Februar 2019, Regensburg. Er hat sich leise verabschiedet – aber nun schlägt er doch noch einmal große Wellen, denn die Mittelbayerische Zeitung widmet seinem Abtritt in den Ruhestand eine ganze Seite – es ist von „Abdankung“ die Rede: Robert Nuslan, das Gesicht von ‚Hutkönig am Dom‘, Deutschlands vielleicht bekanntestem Hutfachgeschäft mit angeschlossener Manufaktur, hat mit 62 Jahren die Stafette an seinen zehn Jahre jüngeren Bruder Andreas weitergereicht. 45 Jahre im Familienunternehmen seien genug, befand der Ältere.

Die Nuslans sind schon seit dem Jahr 1875 im Hutwesen unterwegs. Gewachsen als Reparateure von beschädigten Hüten, als diese noch unbedingt „in“ waren – und sich (wie während des 1. Weltkrieges) viele Menschen für das Verlängern des Lebenszyklusses ihrer Hüte entschieden. Erst nach dem Krieg wurde aus ‚Nuslan & Lange‘ die Marke ‚Hutkönig‘: „Vorbild war ein Geschäft in Passau, das sich ‚Hutkönigin‘ nannte. So hat es mir meine Oma erzählt“, erklärt Robert Nuslan – und so konnte man es nun in der Zeitung lesen.

Ältester prominenter Kunde, an den sich Nuslan erinnert, war Luis Trenker (1892 – 1990). Aber insbesondere ein großer Bericht im deutschen ‚Playboy‘ über die Firma und einen neuen Hut aus der Hand von Nuslans Bruder Andreas (der Ausbildungen sowohl zum Hutmacher als auch zum Modistenmeister durchlief) im Jahr 1995 brachte die Regensburger Hüte wieder ins Bewusstsein: Erst kam Bundestagspräsident Kai-Uwe von Hassel (der Sohn sang bei den berühmten ‚Domspatzen‘), dann die Landesprominenz von Seehofer bis Söder, Ski-Ass Christian Neureuther, aber auch Frauen, wie Alice Schwarzer – Nuslans letztverkaufter ‚Playboy‘-Hut ging an den heutigen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

In der Manufakturen-Szene ist Robert Nuslan gut bekannt. Erst im Jahr 2018 nahm er gemeinsam mit seiner Tochter Bettina für eine knallblaue Version einer ‚Indiana Melusine‘ aus sibirischem Wildhasen-Haar auf dem 10. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen die Auszeichnung zum ‚Manufaktur-Produkt des Jahres 2018 – Erkennen von Trends‘ entgegen.

Viele Anwesende bei der Preisverleihung, wie der ehemalige bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU), ließen sich bei der Gelegenheit mit einem der ‚Hutkönig‘-Hüte fotografieren.

Und wie geht es bei ‚Hutkönig‘ mit seinem 14 Mitarbeitern weiter? Andreas Nuslan und seine Lebensgefährtin Melanie Marling haben die Weiterentwicklung des Geschäftshauses am Krauterermarkt angekündigt: „Im März beginnt der große Umbau.“ Im Jahr 2020 soll ein Teil der Produktion an den Innenstadt-Standort verlegt werden – das feine Handwerk muss noch klarer gezeigt werden. Letztenendes auch, damit wir alle besser verstehen, dass ein Hut 82 Arbeitsschritte haben kann und ruhig auch mal 800 Euro kosten darf. Wenn er aus Regensburg von Nuslans kommt.

Manufakturen-Blog: Andreas Nuslan hat von seinem älteren Bruder Robert das Familienunternehmen übernommen (Foto: Hutkönig)

Andreas Nuslan hat von seinem älteren Bruder Robert das Familienunternehmen übernommen (Foto: Hutkönig)

Fotos: Martin Specht, Hutkönig

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„Wir haben vor allem im Objekt-Geschäft den Vorteil, in Deutschland für Europa zu fertigen“ – die Leuchtenmanufaktur Gebrüder Knapstein

19. Februar 2019, Sundern. Da, wo das Sauerland bergig wird, da saß einmal die deutsche Leuchten-Industrie. Saß. Denn heute kommt fast alles aus den Billig-Lohn-Ländern, selbst wenn das Versandlager noch im Hochsauerlandkreis steht. Aber auch nur fast. Denn in Sundern sitzt ein kleiner Innovator: Die Leuchtenmanufaktur Gebrüder Knapstein hat vor einigen Jahren die Gestensteuerung in die Innenraumleuchte eingeführt – und sich (zunächst natürlich belächelt) einen teilweise „schalterlosen“ Vorsprung erarbeitet. Knapstein – das sind heute hochwertige Leuchten in feiner Anmutung und raffinierter Technik. 55 Mitarbeiter haben so ihr Auskommen.

Knapstein wurde im Jahr 1954 von den namensgebenden zwei Brüdern Knapstein gegründet und zügig vom Zulieferer zum Hersteller entwickelt. Inzwischen haben sie ihren Familienbetrieb an ihre jeweiligen Söhne weitergegeben – die Vettern Jürgen (Vertrieb) und Georg Knapstein (Einkauf) setzen sich seit zwanzig Jahren schon mit den Herausforderungen einer lange verträumten und plötzlich ausgesourcten Branche auseinander. „Der qualifizierte Facheinzelhandel schrumpft, der Baumarkt mit den Importwaren und seinen Kopien bekannter Leuchten ist oft der einzige Anbieter auf weiter Flur“, räumt Jürgen Knapstein freimütig ein. Trotzdem macht er keinen unzufriedenen Eindruck.

Denn: Der Importeur kann ja doch häufig nicht liefern. Und dann schlägt die Stunde des deutschen Herstellers. Schnell, innovativ, alle Kundenwünsche erfüllend – und der Service im Nachgang, wenn im Hotel eine Lampe beschädigt wurde und Ersatz her muss. Wenn das verbaute Leuchtmittel, die LED, ausgewechselt werden muss – dann kommt die Anfrage nach Hilfe. Und die eilt nicht aus China und Indien herbei. Sondern aus dem Sauerland. Jürgen Knapstein: „Wir haben vor allem im Objekt-Geschäft den Vorteil, in Deutschland für Europa zu fertigen.“

Manufakturen Blog: Gebr. Knapstein Leuchtenmanufaktur Schreibtischlampe (Foto: Knapstein)

Schreibtischlampe mit Kugelgelenk (Foto: Knapstein)

Manufakturen-Blog: Runde Deckenleuchte mit direktem und indirekten Leuchtband von Knapstein (Foto: Knapstein)

Runde Deckenleuchte mit direktem und indirekten Leuchtband von Knapstein (Foto: Knapstein)

Oder aber wenn der Innenarchitekt Abwandlungen braucht: Der Schalter links statt rechts, der Schwenkarm länger oder kürzer, der Schirm aus schwerentflammbaren Materialien, in kleinen Stückzahlen digital bedruckt – am besten jeder Schirm anders: ‚Wünsch dir was‘ – das ist die Domäne von Knapstein.

Knapstein kauft Messing und Stahl als Rohr- und Blechware, Glasschirme und Leuchtmittel (von Osram). Von diesem ersten Stadium wird alles „inhouse“ komplett durchgearbeitet: Entwurf, Design, Konstruktion, Werkzeugbau, Zuschnitt, schweißen und löten, schleifen und polieren, entfetten, lackieren, montieren, teilweise das Nähen eigener Lampenschirme.

Die besondere Branchen-Innovation der jüngeren Zeit von Knapstein ist die Entwicklung und Einführung der Gestensteuerung bei vielen Leuchten (besonders interessant für freihängende Leuchten), die dem Unternehmen einen Schub (und zehn zusätzliche Arbeitsplätze) gebracht haben. Es ist faszinierend, wie das Licht heller oder dunkler wird, wie die Leuchte sich abschaltet oder anspringt, nur weil man mit der Hand an den LED-Bändern vorbeiwischt. Die Ahnung entsteht, wie gut das im Altbau wirken kann, wenn man nicht die Wände für neue Leitungen aufreißen muss oder alle Schalter auf ‚dimmbar‘ gewechselt werden müssen. Und alles auch in der Ausführung ‚wohnlicher Lampenschirm‘ oder mit Echtholz und Echtholz-Furnieren an die jeweiligen Möbel angepasst. Am schönsten ist jedoch die makellose Verarbeitung der Metalle, satte Blechstärken, die handgeschliffenen Übergänge, die feinen Lötstellen, die kaum zu erahnen sind!

Sie brauchen eine innovative und elegante Innenraum-Leuchte? Fragen Sie ruhig mal Knapstein

Fotos: Wigmar Bressel, Knapstein

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