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Neues Männer-Magazin der ZEIT gibt Manufakturen viel Raum

14. Oktober 2016, Hamburg. Die ZEIT fährt ihren Manufakturen-Kurs weiter. Vor kurzem ist das neueste ‚Baby‘ aus dem Hamburger Verlag mit dem Bremer Schlüssel im Wappen an die Kioske gekommen: das ZEIT MAGAZIN MANN. Die Eigenanzeige aus dem Verlag präsentiert ganzseitig und ausdrücklich das „Manufaktur-Produkt des Jahres 2016“ – die Taschenfüllfederhalter „Spatz“ und „Kiebitz“ von Stefan Fink aus dem ZEIT-Shop.

Das ist natürlich kein Zufall. Malte Riken, Objektleiter Magazine im ZEIT-Verlag, sagt: „Die ZEIT, die Leser der ZEIT und Manufakturen mit ihren Produkten passen einfach gut zusammen – unsere Leser finden diese Dinge gut.“

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Und das merkt man dem mit 180 Seiten amtlichen Heft auch an. Es beschäftigt sich neben Interviews und Reportagen mit sogenannten „Neuen Klassikern“: Gläsern, Krawatten, Lautsprechern, Sneakern, Kochmessern, Unterhemden, Portemonnaies, Rucksäcken, Uhren und etlichen anderen Produkten, die ZEIT-lesende Männer interessieren könnten. Produkte, die nicht nur von den großen Marken irgendwo auf der Welt von No-Name-Herstellern in Bangladesch und China gefertigt werden, sondern auch von deutschen und anderen europäischen Manufakturen. Ob Rotter-Glas aus Lübeck, ein Hut von Chapeau aus Berlin – deutsche Manufakturen bekommen ihre Chance im Magazin.

Und entsprechend haben auch die deutschen Uhren-Manufakturen Glashütte Original und Nomos ein Invest in Anzeigen gewagt; Glashütte sogar mit ihrer „Senator Cosmopolite“ auf einer Doppelseite, Nomos mit der „Neomatik“ auf der teuren Innenrückseite. Neben anderen mutigen deutschen Mittelständlern, wie Birkenstock, van Laack, Falke, Leica und Wempe.

Dabei gab es die Anzeigen trotz der Erstausgabe nicht zum Dumpingpreis. Riken: „Das ZEITmagazin MANN ist von uns als absolutes Qualitätsprodukt mit einer perfekten Zielgruppe für Anbieter hochwertiger, schöner Produkte angelegt worden – praktisch streuverlustfrei. Für die hohe redaktionelle Qualität stehen auch die Kolleginnen und Kollegen der ZEITmagazin-Redaktion, denen seitens des Anzeigenmarktes großes Vertrauen geschenkt wird.“

Der MANN-Leser soll übrigens jünger werden, als der Wochenzeitungs-Leser. So bemüht sich Christoph Amend, der das Magazin weitestgehend mit der ZEIT-MAGAZIN-Crew produziert,

um eine etwas saloppere Sprache, schon im Vorwort beginnend („Und sein Weißwein ist übrigens richtig gut.“ – dem Wein-Trinker stellen sich bei solchen Floskeln aus der Sprache der Unkundigsten und Deppen-Gastronomen die Nackenhaare auf), aber Riken verteidigt solche Provokationen als Strategie und ‚Easygoing‘: „Mit Fachleuten kann man bestimmt ein super Fachmagazin machen – aber das wird auch schnell langweilig und uninteressant für viele potentielle Leser.“ Na hoffen wir mal, dass es am Kiosk nicht auch noch heißt: ‚Dies Magazin wird gerne genommen…‘

Auffällig ist schon, dass das Magazin gut im Fach-Zeitschriftenhandel aufzufinden ist – „Ergebnis umfangreicher Vorarbeit und Abstimmung mit dem Pressegrossisten sowie bestimmten Händlern“, sagt Riken. Schließlich soll es ein Erfolg werden und zweimal im Jahr kommen – immer passend für die Mode-Anzeigenkunden zu Frühjahr-Sommer und Herbst-Winter, die einen Großteil ausmachen und das Heft doch wesentlich finanzieren. Gestartet wurde mit einer Auflage von 60 000 Exemplaren zum Einzel-Verkaufspreis von EUR 8,50 (allerdings wurde ein Teil der Auflage an Promotion-Partner umsonst abgegeben). Die zweite Ausgabe soll am 14. März 2017 erscheinen.

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Immerhin erhofft sich der ZEIT-Shop mit seiner Anzeige die Beförderung des Verkaufs der 100 Fink-Füller mit einem Brutto-Verkaufsvolumen von EUR 87 000.

Es empfiehlt sich für Manufakteure, die Aktivitäten der ZEIT im Blick zu behalten und am Besten Kontakt zum Shop aufzunehmen und über die Einpflege eigener Produkte zu verhandeln.

Fotos: Wigmar Bressel / Vorlagen: DIE ZEIT

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ZEITmagazin kritisiert missbräuchliche Nutzung des Manufaktur-Begriffs durch Dienstleister – zu Recht

28. Februar 2016, Hamburg. Im letzten Heft des vergangenen Jahres (Nr. 51/2015) setzte sich das ZEITMAGAZIN unter dem Titel „Wie von Hand gemacht“ mit der missbräuchlichen Nutzung des Manufaktur-Begriffs durch Dienstleister und Handwerker auseinander. Obwohl die Kritik von Matthias Stolz schon am 6. Januar 2016 erschien, will ich sie nachreichen, da sie lesenswert ist und im Gegensatz zum Versuch der FAZ (siehe Manufakturen-Blog vom 5. Februar 2016, auch im „Marktplatz“) den Finger an der richtigen Stelle in die Wunde legt:

„Warum heißen so viele Firmen Manufakturen?“ fragt Stolz ganz zu Recht und präsentiert eine kleine Auswahl der Unsinnigkeiten: „Manufaktur für Ihr Vermögen“, „Manufaktur für Erlebnismarketing Dresden“, „Manufaktur für Beziehungsgestaltung“, „Manufaktur für Apps und Web“ und immer so weiter und so fort – ein Grusel-Kabinett der Dämlichkeiten.

Sein ironisches Fazit: „Apps etwa, die noch von Hand gemacht werden, so wie vor 300 Jahren, haben in diesen Zeiten etwas ungemein Beruhigendes.“

Matthias Stolz erinnert auch an den Begriff „Werkstatt“ und dessen „kreativen“ Einsatz, der vor einigen Jahrzehnten plötzlich und schwemmeartig auftrat und mutmaßt: „Ein Vorgänger der Manufakturen waren die Werkstätten, vor allem kulturelle Einrichtungen nannten sich einst so (Tanz-, Kino-, Theaterwerkstatt), vermutlich, um der Kunst etwas Bodenständiges abzugewinnen. Heute wird dagegen der umgekehrte Versuch unternommen, aus etwas halbwegs Bodenständigem (Büroarbeit am Computer) etwas Kunstfertiges zu machen.“


Der Manufaktur-Begriff macht für Dienstleister überhaupt keinen Sinn. „Manufaktur“ ist immer mit der Herstellung von realen Dingen verknüpft. Diese werden auch nicht am Computerbildschirm erzeugt, sondern in einer Kombination aus Handarbeit und Maschinenkraft. Die Serie ist eine Grundvoraussetzung, um sich vom Dienstleister abzuheben, eine andere ist das arbeitsteilige Zusammenarbeiten von unterschiedlichen Gewerken (z. B. von Werkzeugmachern mit Stahlgraveuren, Schleifern und Polierern, Ziseleuren und Galvaniseuren – in der Erwartung des Endverbrauchers alle unter einem Dach, also in einer Firma gemeinsam beschäftigt). Der gemeine Tischler ist eben keine Manufaktur; in der Regel ist er noch nicht einmal ein Kunsthandwerker – sondern ein Handwerker, weshalb er ja auch in der Handwerkskammer Mitglied ist.

Etwas Anderes ist dagegen die Möbelmanufaktur (die in der Regel Mitglied der Industrie- und Handelskammer sein wird): mit ihren Möbel-Serien, mit der Zusammenarbeit von Tischlern, Lackierern, Designern, Kauf- und Marketingleuten – und dem Handel als wichtigem Verbündeten. Man kann sich auch merken: Ohne Produktion für den Handel in der Regel keine Manufaktur, sondern Dienstleistung. Denn der Handel verkauft heute zwar notgedrungen auch Dienstleistung mit – aber eben vor allem doch Produkte.

Der Manufaktur-Begriff ist auf der Homepage des Verbandes Deutsche Manufakturen e. V. definiert.

Foto: ZEITmagazinOnline

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