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Neuer Bereich ‚Manufaktur‘ feiert auf der Herbst-CADEAUX Leipzig Premiere

Pressemitteilung

30. Juli 2018, Leipzig. Edles Silberbesteck, mundgeblasenes Glas, anspruchsvolle Schreibgeräte aus massiven Hölzern: Hochwertig gefertigte, authentische Produkte made in Germany erwarten die Fachbesucher im neuen Ausstellungsbereich „Manufaktur“ der Herbst-CADEAUX Leipzig (1. bis 3. September 2018). Rund 70 Unternehmen und Marken stellen hier ihre in Kleinserien sowie mit hohem Handarbeitsanteil hergestellten Qualitätserzeugnisse vor. Die Premiere wird vom Verband Deutsche Manufakturen e. V. als ideellem Träger unterstützt.

„Mit dem neuen Ausstellungsbereich ‚Manufaktur’ ergänzt und erweitert die CADEAUX Leipzig ihr Angebot wertiger Produkte mit dem Label ‚made in Germany’“, betont Andreas Zachlod, Projektdirektor der Fachmesse für Geschenk- und Wohntrends. Individuelle, langlebige Produkte statt Massenware laute dabei die Devise. „Damit ermöglichen wir dem Facheinzelhandel, neue und spannende Sortimente zu entdecken, interessante Geschäftsbeziehungen anzubahnen und für die umsatzstärkste Saison des Jahres direkt zu ordern“, so Zachlod.

Laut Wigmar Bressel, Vorsitzender des Verbands Deutsche Manufakturen e.V., ist dies der erste einheitliche Auftritt von Firmen aus der deutschen Manufakturenszene unter einer gemeinsamen Dachmarke auf einer Fachhandelsmesse. „Eine solche Präsentation, welche diese zumeist kleineren Unternehmen in den Fokus der Fachbesucher rückt, hat es bisher nicht gegeben“, so der Verbandsvorsitzende. „In den kommenden Jahren wollen wir den Bereich auf der CADEAUX weiter ausbauen.“

Manufakturprodukte: langlebig und in Deutschland gefertigt

Für die Firmen, die im Bereich „Manufaktur“ ausstellen, gelten die vom Deutsche Manufakturen e.V. definierten Kriterien. Die Unternehmen müssen demnach inhabergeführt sein, ihre Produkte in Deutschland mit mindestens 50 Prozent Handarbeit selbst produzieren sowie zwischen fünf und 200 Mitarbeitern beschäftigen. „Außerdem handelt es sich um Hersteller von Endprodukten – also keine Zulieferer –, die ihre Qualitätserzeugnisse in Serie fertigen und dabei verschiedene traditionelle Gewerke des Handwerks unter einem Dach vereinen“, sagt Wigmar Bressel. Wichtig sei ebenso, dass Fachkräftenachwuchs oder Umschüler ausgebildet werden. Weitere Kennzeichen der Manufakturen seien Nachhaltigkeit und Wertigkeit der Waren. „Keine Luxusgüter, sondern qualitativ hochwertige Produkte für den täglichen Gebrauch“, unterstreicht Bressel. „Zurzeit gibt es in Deutschland etwa 650 Betriebe, die diesen Manufaktur-Kriterien entsprechen.“

Die Bandbreite der Erzeugnisse spiegelt sich bei den Ausstellern des Bereichs „Manufaktur“ der CADEAUX deutlich wider. Dazu gehören zahlreiche Mitglieder der Verbands Deutsche Manufakturen e. V.: ALLGÄUER KERAMIK Hans Rebstock GmbH & Co. KG (Altstädten bei Sonthofen), ARSGALEA MANUFAKTUR – Spezial- und Gerätetaschen GmbH (Burkhardtsdorf/Ortsteil Meinersdorf), DOROTHEENHÜTTE WOLFACH Betriebs-GmbH (Wolfach) – die letzte aktive Mundblashütte des Schwarzwalds, e+m Holzprodukte GmbH & Co. KG (Neumarkt i. d. OPf.) mit hochwertigem Schreibgerät aus dem Holz historischer Eichenfässer, Gehring Schneidwaren GmbH (Solingen) mit Besteck, Günter Reichel – Werkstatt moderner Figurenbildnerei (Marienberg) mit dekorativen Holzfiguren und Weihnachtspyramiden, Koch & Bergfeld Besteckmanufaktur GmbH (Bremen) mit dem Original Dresdner Stollenmesser nach historischem Vorbild aus Sachsen und dem in vielen deutschen Botschaften genutzten Silberbesteck, MAROLIN – Richard Mahr GmbH aus Steinach/Thüringen mit Figuren unter anderem aus Papiermaché, Emil Scheibel Schwarzwald-Brennerei GmbH (Kappelrodeck), TAMESIS Design GmbH (Dessau-Roßlau) mit Manufakturmöbeln sowie Zeller Keramik Manufaktur GmbH & Co KG (Zell am Harmersbach).

Neben den Verbandsmitgliedern stellen viele weitere namhafte Manufakturen in Leipzig aus. Vertreten sind unter anderem Kunstwerkstatt Artenreich (Asendorf/Graue) mit Wohnaccessoires aus Glas, Chakmonie Maren Klessen (Bergisch Gladbach) mit Chakra-Accessoieres, Deutsche Kunstblume Sebnitz (Sebnitz) mit Seidenblumen, Ege Textilmanufaktur GmbH (Ulm) sowie Strunkmann & Meister Handelsgesellschaft mbH mit Tischwäsche, Fapack – Fabrikation und Vertrieb von Verpackungsmitteln Karl Behrens (Berlin) mit edlen Feinkartonagen, Hummel Manufaktur GmbH (Rödental) mit den berühmten Figuren der Maria Innocentia Hummel, Klar Seifen GmbH (Heidelberg) mit hochwertigen Feinseifen, Glashütte Lamberts Waldsassen GmbH (Waldsassen)/Lumixe mit Standleuchten aus mundgeblasenem Glas, M. W. Reutter Porzellanfabrik GmbH (Denkendorf) mit Miniaturen, Kinderserien und Geschenkartikeln aus Porzellan, Rotter Glas – Crystal since 1870 (Lübeck) mit Kristallgläsern, Waldmann KG (Birkenfeld) mit hochwertigen Schreibgeräten aus massivem Sterling-Silber, WELTER® Manufaktur für Wandunikate (Berlin) mit handgearbeiteten Tapeten und Paneelen, Windmühlenmesser-Manufactur Robert Herder GmbH & Co. KG (Solingen) mit hochwertigen, von Hand gemachten Messern und viele mehr. Nicht zuletzt bieten zahlreiche Unternehmen der erzgebirgischen Holzkunst im „Forum Erzgebirge“ der CADEAUX in großem Umfang Manufaktur-Produkte an.

Live-Cooking und Sonderausstellung

Sonderschauen und Aktionen wie Kochshows begleiten das neue „Manufaktur“-Areal „Life & Cooking“. So kocht mit Tobias Felger einer der Spitzenköche Sachsen-Anhalts live in einer Outdoorküche der Firma TAMESIS Design. Die Kochinsel, ein Prototyp, ist erstmals zu erleben. Felger, Inhaber und Küchenmeister des angesagten Heilmanns by Tobias Felger in Dessau-Roßlau, verspricht einfallsreiche Kochkunst sowie „tolle Inspirationen“ für das Outdoorkochen – und verrät schon einmal die Zutaten für seine Shows: „Austern, Wachtelbrust, Steinbutt – und dies in kreativer Verarbeitung.“

In einer Ausstellung sind die Gewinner der Auszeichnungen „Manufaktur-Produkte des Jahres“ sowie „Manufaktur des Jahres“ zu sehen. Diese Titel werden vom Deutsche Manufakturen e.V. seit fünf Jahren für besonders spektakuläre, innovative oder wertige Produkte sowie für herausragende Manufakturen verliehen. Präsentiert werden alle bisherigen Preisträger. In diesem Jahr sind dies der Topfdeckel ‚multitop‘ von mono aus Mettmann („Manufaktur-Produkt des Jahres 2018“) und die Uhrenmanufaktur Tutima aus Glashütte („Manufaktur des Jahres 2018“).

Schauvorführungen zur Herstellung von Holzkunst, von Kunstblumen oder individuellen Verpackungen sowie zum Schärfen von Messern runden das Areal ab. Zudem wird die CADEAUX Leipzig am 1. September 2018, 9.30 Uhr, im neuen Bereich „Manufaktur“ in Messehalle 3 feierlich eröffnet. Für den Verband Deutsche Manufakturen e.V. liefert das Areal außerdem den Rahmen für seine Mitgliederversammlung.

Insgesamt zeigen auf der CADEAUX Leipzig rund 365 Aussteller und Marken ihre trendigen Produkte für den modernen Lifestyle. Parallel dazu präsentiert sich die Uhren- und Schmuckbranche auf der MIDORA mit über 200 Ausstellern und Marken.

Kostenfreier Eintritt bei Vorregistrierung

Die CADEAUX Leipzig ist am Samstag und Sonntag (1./2. September 2018) von 9.30 bis 18.00 Uhr und am Montag (3. September 2018) von 9.30 bis 17.00 Uhr geöffnet. Bei Online-Vorregistrierung erhalten Fachbesucher kostenfreien Eintritt für bis zu vier Personen pro Fachgeschäft. An der Tageskasse kostet die Tageskarte 19,00 Euro; Inhaber einer Stammkundenkarte zahlen 8,00 Euro. Die CADEAUX-Tickets gelten zugleich für den offenen und Mitgabe-Bereich der MIDORA und berechtigen am Besuchstag zur einmaligen kostenfreien Hin- und Rückfahrt zum/ab Messegelände mit dem öffentlichen Nahverkehr (Tarifzonen 110, 151, 156, 162, 163, 168, 210, 225). Der Erwerb einer Eintrittskarte setzt eine Legitimation als Fachbesucher voraus.

Ansprechpartner für die Presse:

Ingrid Bednarsky

Telefon: +49 341 678-65 66

Telefax: +49 341 678-16 65 66

E-Mail: i.bednarsky@leipziger-messe.de

Im Internet: www.cadeaux-leipzig.de

Link zur Definition des Begriffs ‚Manufaktur‘: www.manufaktur-definition.de

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Die Manufakturen-Trends der ‚Ambiente 2018‘: Designer, Namen, Lebensgefühl

10. März 2018, Frankfurt am Main. Peter Raacke ist wieder da – und Mark Braun allerorten in der Manufakturen-Branche unterwegs. Das ist eine Möglichkeit, den Rückblick auf die ‚Ambiente 2018‘ zu beginnen… Manufakturen und Designer – auch kleine Unternehmen nutzen die Ideen bekannter Produktentwerfer. Nehmen das Geld in die Hand, und lassen sich neue Dinge kreieren, die ihnen auf dem schnellebigen Markt der Konsumgüter ein Standing verschaffen sollen. Das Produkt soll perfekt sein – und vom eigenen Betrieb in Deutschland gefertigt. Manchmal wird auch ‚nur‘ der große Name eingekauft und genutzt oder ein Lebensgefühl entworfen und gezeigt – Händler und Kunden wollen Geschichten, das ist nun einmal so.

Peter Raacke (Jahrgang 1928) ist der Designer des Bestecks „Mono A“ – es war das erste Besteck von Mono, das aus einem Blech gestanzt wurde. Mono wurde mit dem Besteck berühmt – es erhielt sogar im Jahr 1999 seine eigene Briefmarke. Im Jahr 1962 entwickelte Raake mit dem Großonkel Herbert des heutigen Firmenchefs Wilhelm Seibel das Besteck „Mono Ring“, das Besteck zum Aufhängen am eigenen Ständer, der auf dem Esstisch stehen bleiben kann, – mehr als eine Million Besteckteile wurden in den folgenden dreißig Jahren verkauft; bis das Besteck mit seinem Kunststoffgriffen an der Inkopatibilität mit Geschirrspülmaschinen scheiterte.

Es folgte eine lange Pause. Im vergangenen Jahr erfolgte die Auftragsvergabe an den in Berlin arbeitenden Designer Mark Braun (Jahrgang 1975): „Mono Ring“ neu entwickeln, von Peter Raacke abgesegnet. Braun ist inzwischen für eine ganze Reihe von Manufakturen tätig geworden – Nomos („Metro“-Reihe, „At work“), Lobmeyr („Fortune“, „TS283“), Mühle (Rasierset „Hexagon“ – Manufaktur-Produkt des Jahres 2017), derzeit auch für Feingerätebau K. Fischer tätig – und eben auch für Mono.

Heraus kam ein voll-geschirrspüler-taugliches Besteck. Verändert wurde auch die Klinge (damit man mit ihr besser Brote schmieren kann) sowie leicht veränderte Griffe in fünf Farben; raffiniert mit Glasfasern verstärkter Polymer sowie unsichtbare Glaskugeln, die für mehr Gegengewicht zum Stahlvorderteil sorgen. Diese fertigt Mono in der bekannten sorgfältigen Weise selbst – für den Kunststoffgriff suchte man sich einen Spezialisten als Partner, der in Velbert sitzt.

Manufakturen-Blog: "Mono Ring" ist wieder da - die Version 2018 wurde von Mark Braun überarbeitet (Foto: Wigmar Bressel)

„Mono Ring“ ist wieder da – die Version 2018 wurde von Mark Braun überarbeitet (Foto: Wigmar Bressel)

Das Gewinnen von Design-Wettbewerben ist auch eine Spezialität der Brüder Hartmut und Volker Gehring. Die Schneidwaren-Manufaktur Gehring hat den heute allerorten anzutreffenden Damaststahl vor vielen Jahren in die Kochmesser-Produktion eingeführt und ist der größte deutsche Importeur japanischen Hochleistungsdamaststahls. Im Solinger Familienunternehmen ist Volker Gehring der Produktdesigner „inhouse“. Und er hat immer neue Ideen – auf der Ambiente wurde das frisch vom Rat für Formgebung – German Design Council prämierte Messerset „Wave“ gezeigt: German Design Award Winner 2018. Herzlichen Glückwunsch!

Manufakturen-Blog: Gehrings Messerserie "Wave" gewann den German Design Award 2018 (Foto: Wigmar Bressel)

Gehrings Messerserie „Wave“ gewann den German Design Award 2018 (Foto: Wigmar Bressel)

Einmal um die Ecke rum in Halle 3.1 steht Marc Weyersberg mit seiner Kupfermanufaktur. Der hat die neue gerade Linie jetzt aus drei Millimeter starkem Kupferblech geformt – nochmehr Masse gegen das mögliche Problem des Verformens in der Produktion.

Auch im Porzellan-Bereich wurde ein großer Name lizensiert: Bei Pablo Picasso (1881 – 1973) durfte die Weimarer Porzellanmanufaktur (gegründet im Jahr 1799) nun Anleihen machen – die Serie heißt „Dinner with Picasso„; aber auch zwei sehr auffällig dekorierte Becher der Serie „Wunderbar“ (0,4 l Inhalt, ca. EUR 39,00 uvp.) stachen mir ins Auge.

Manufakturen-Blog: Weimar Porzellan nutzt Picasso, hat mit "Wunderbar" aber auch eine andere luxuriöse Linie am Start (Foto: Wigmar Bressel)

Weimar Porzellan nutzt Picasso, hat mit „Wunderbar“ aber auch eine andere luxuriöse Linie am Start (Foto: Wigmar Bressel)

Ein paar Gänge weiter der eindrucksvolle neue Stand von Meissen – eine Leistungsshow aus Großteilen umrundet zwei Seiten, während scheinbar achtlos zusammengestelltes Porzellan auf einem langen Tisch den Kontrapunkt setzte. In der Mitte ein Besprechungsraum in Werkstattoptik – soviel Humor war mir bisher bei der Ur-Manufaktur aus Sachsen nicht aufgefallen.

Manufakturen-Blog: Meissens Messestand ist modern und angemessen zugleich (Foto: Wigmar Bressel)

Meissens Messestand ist modern und angemessen zugleich (Foto: Wigmar Bressel)

Manufakturen-Blog: Meissens Porzellan steht auf den Tischen scheinbar wahllos - folgt natürlich einer Choreographie (Foto: Wigmar Bressel)

Meissens Porzellan steht auf den Tischen scheinbar wahllos – folgt natürlich einer Choreographie (Foto: Wigmar Bressel)

Dann natürlich Dibbern: Die gut 50 Jahre junge Gründung aus Bargteheide mit eigenem großen Werk in Hohenberg an der Eger (Ex-Hutschenreuther) bot auf der einen Standseite die Serie „Pastell“ an, deren Name Programm ist, auf der anderen Standseite ein neues Dekor für die Fine-Dining-Linie: „Palm Beach“; die Weiterentwicklung des von den Händlern unverstandenen „Miami“.

Auch ein neues Accessoire probiert Dibbern aus – den Champagner-Becher, z. B. im Innendekor „Purple Titanium“. Champagner und Becher – das kennt man von Fürstenberg, bei denen die wahnsinnig zarten Becher Champagner viel besser unterstützen, als man es beschreiben kann; und bei Fürstenberg sind die Becher das bestverkaufte Geschenk. Nun also auch Dibbern. Nach zwei großzügigen Bechern Champagner kann ich sagen, dass das dunkle Innenleben des Bechers meine Geschmacksnerven animierte, mich stärker auf die angenehm herben Aromen des Getränks zu fokussieren – in der Hitze der Messehalle 4 eine köstliche Erfrischung!

Manufakturen-Blog: Dibbern hat auch Champagner-Becher entwickelt, hier "Purple Titanium" (Foto: Wigmar Bressel)

Dibbern hat auch Champagner-Becher entwickelt, hier „Purple Titanium“ (Foto: Wigmar Bressel)

Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch noch die Show am Stand der Solinger Messermanufaktur Böker Baumwerk: Das im Jahr 1869 gegründete Unternehmen (das älteste Warenzeichen ist aus dem Jahr 1674 verbrieft) der heutigen Eigentümerfamilie Felix-Dalichow bietet ja eine große Bandbreite an Produkten – 356 Seiten hat allein der Hauptkatalog in Dünndruck. Böker hat ein weiteres eigenes Werk für Jagd- und Outdoormesser in Argentinien – diese Messer laufen unter der Marke Böker Arbolito. Sehr günstige Linien lässt man in Europa, Amerika oder Asien für die eigene Marke ‚Magnum by Böker‘ produzieren und kommuniziert das auch. Dann gibt es natürlich neben Kochmessern die Jagdmesser, die die meisten Menschen mit Böker verbinden – für 50 bis 1000 Euro, erkennbar an den Markennamen ‚Böker Plus‘ und ‚Böker Manufaktur‘. Aber ebenfalls bei Böker selbst gefertigt werden Rasiermesser (die passenden Pinsel kommen übrigens von Mühle); für das Thema Rasur gibt es einen eigenen 60-seitigen Katalog. In ihm heißt es: „Was die Böker Manufaktur mit dieser Szene teilt, ist die Tradition, der unbedingte Wille zur handwerklichen Perfektion und die Leidenschaft für das, was wir tun. Ein wichtiger Bestandteil hiervon ist der ständige Austausch mit anderen Fachleuten und Liebhabern über den Gegenstand, der uns verbindet.“

Und auf der Ambiente hatte man bei Böker am Stand zur Ankurbelung dieses Segments einen eigenen Barbershop aufgebaut – wer wollte, konnte sich vom professionellen Barber rasieren lassen. Es wurde reger Gebrauch gemacht… und zeigt, dass man auch ohne große Namen auskommen kann, wenn man es versteht, ein Lebensgefühl genau auszudrücken und die Menschen, die darin leben, zielgenau anzusprechen.

Manufakturen-Blog: Der Meister bei Böker am Stand bei der Arbeit (Foto: Böker)

Barbier Santos bei Böker am Stand bei der Arbeit (Foto: Böker)

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Matthias Philipp von der Handmade-Worldtour: „Förderprogramme und finanzielle Zuschüsse für Manufakturen weiter ausbauen“

31. Dezember 2017, Berlin. Die Handmade-Worldtour des Berliner Direktorenhauses ist das ehrgeizigste Projekt in der Manufakturen-Branche. 180 Manufakturen und Designbüros sind seit dem Jahr 2015 gemeinsam rund um den Erdball mit einer großen Produkt- und Leistungsschau unterwegs. Start war in St. Petersburg – in den Jahren 2016 und 2017 war sie quer durch China unterwegs. In 2018 erfolgt der Wechsel in die USA. Gerade erschien der ‚Rundbrief‘ zum Jahresende 2017 für die Teilnehmer – Projektleiter Matthias Philipp berichtet von den Stationen, kündigt eine ständige Handmade-Vertretung in Peking sowie Bemühungen um Fördermittel für Manufakturen an.

Die ehrgeizige Ausgangsüberlegung der Direktorenhaus-Crew um Pascal Johanssen und Katja Kleiss war: Kann es schaffen, deutsche Manufakturprodukte und neues deutsches Design auch jenseits der großen Konzernmarken in den Multimillionen-Metropolen der Welt zu zeigen? An erstklassigen Standorten? Mit überschaubarem finanziellen Aufwand für alle Beteiligten – genaugenommen zu Aussteller-Kosten einer einzigen Frankfurter „Ambiente“ oder einer „IMM Cologne“? Aber genauso Geschäftskontakte knüpfen und Verkäufe einfädeln? Es entstand eine Warenpräsentation in Form einer Kunstausstellung… Nicht der Händler wird angesprochen – sondern jeder einzelne Besucher der Schau. Manchmal mehrere Tausend am Tag.

Wagemutige gab es von Anfang an genug – inzwischen hat sich die Teilnehmerzahl an der Worldtour auf 180 verdoppelt. Natürlich gab es auch Genörgel: Schon verspätet gestartet. Der Zeitplan zwischen den Stationen wurde nicht eingehalten. Manchmal war den Teilnehmern unklar, wie unnd wohin die Reise weiterlaufen würde. Zusatzstationen kamen hinzu. Der Verkaufsshop auf Chinesisch hinter der China-Firewall lässt seit mehr als einem Jahr auf sich warten. Probleme wurden unterschätzt – aber wer schon Geschäfte in Asien gemacht hat, kennt Probleme ja und weiß, wie aufwendig die Abwicklung sein kann: Zoll, Transport, Zusammenarbeit. Alles auch Fragen der Kultur.

Matthias Philipp zieht in seinem Rundbrief so Bilanz: „2017 konzentrierten wir uns nochmal ganz auf den chinesischen Markt, der gerade im Bereich der Luxuswaren und Qualitätserzeugnisse mit dem größten Wachstumspotenzial weltweit aufwartet und ein sehr attraktives Marktumfeld für deutschen Unternehmen bietet. Im Fokus standen deshalb die beiden Tier-1-Städte Peking und Tianjin, die zu den wichtigsten Handels- und Finanzmetropolen auf dem chinesischen Festland zählen und das höchste Einkommenslevel/BIP pro Kopf aufweisen – sowie Hongkong, das nach wie vor eines der wichtigsten Handelszentren in Asien ist.

Manufakturen-Blog: 'Handmade Worldtour' in Peking 2016 - Besucher an der Vitrine mit Besteck von Koch & Bergfeld (Foto: Direktorenhaus)

‚Handmade Worldtour‘ in Peking 2016 – Besucher an der Vitrine mit Besteck von Koch & Bergfeld (Foto: Direktorenhaus)

Aufgrund des großen Interesses der deutschen Manufakturen am chinesischen Markt, unseren Erfahrungen im Bereich Logistik und Zollabwicklung sowie unseren zahlreichen Kontakten in die chinesische Wirtschaft und zu chinesischen Medien bleibt ‚Handmade in Germany‘ auch weiterhin in China präsent! 2018 eröffnen wir deshalb in Peking ein ‚Handmade in Germany‘-Verbindungsbüro. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Senat wird dieses als erste Anlaufstelle für deutsche Manufakturen und kleine und mittelständische Unternehmen für den Markteintritt beziehungsweise die weitere Markterschließung sowie den Vertrieb in China dienen.“

Insbesondere die deutsche Politik sei weiter zu sensibilisieren und für die Interessen kleiner deutscher Mittelständler zu begeistern: „Bevor es nächstes Jahr mit der Ausstellung weiter nach New York City geht und wir die Möglichkeiten hinsichtlich Förderprogramme und finanzieller Zuschüsse für Manufakturen weiter ausbauen.“

Fotos: Direktorenhaus

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Zur Handmade-Worldtour im chinesischen Fernsehen (aus Vimeo):

 

‚Manufakturen‘ als neuer Ausstellungsbereich der Herbst-CADEAUX 2018 in Leipzig

Leipzig, 19. Dezember 2017

Individuelle Produkte statt Massenware: Im Zeitalter der Globalisierung verlangt der Kunde immer stärker nach regionalen und authentischen Erzeugnissen, die in Herstellung und Qualität transparent sind. Vor diesem Hintergrund erweitert die CADEAUX Leipzig im Herbst 2018 ihr Portfolio um den Bereich ‚Manufakturen‘. Aussteller sind Firmen, die in Deutschland Konsumgüter oder Lebensmittel in Kleinserien und mit einem hohen Anteil an Handarbeit fertigen.

 

„Mehr denn je gilt ‚Made in Germany‘ heute als Garant für Qualität und Vertrauen“, erläutert Andreas Zachlod, Projektdirektor der CADEAUX Leipzig. „Mit dem neuen Ausstellungsbereich bekommen Manufakturen die Möglichkeit, die Wertigkeit ihrer Erzeugnisse nach außen zu tragen und Geschäftskontakte zum Fachhandel anzubahnen. Der einheitliche Auftritt unter der Dachmarke ‚ Manufakturen‘ trägt dazu bei, dass die meist kleineren Firmen mit ihren Produkten die ungeteilte Aufmerksamkeit der Fachbesucher erfahren.“

Unterstützt vom Verband Deutsche Manufakturen e. V. als ideellem Träger, werden sich zur Premiere des neuen Ausstellungsbereichs rund 20 Firmen präsentieren. Dazu gehören Hersteller aus den Segmenten Raum & Textiles, Küche & Genuss, Papeterie & Spielen, Bad & Wellness sowie Fashion & Accessoires. Zudem stellen auf der parallelen MIDORA Manufakturen aus der Uhren- und Schmuckbranche aus.

Sonderschauen und Aktionen begleiten das neue Areal. So sind in einer Ausstellung die „Manufaktur-Produkte des Jahres“ zu erleben – eine Auszeichnung, die der Verband Deutsche Manufakturen e. V. für besonders spektakuläre, innovative oder wertige Produkte vergibt. Das können sowohl Neuentwicklungen als auch wiederbelebte Traditionen sein. Ebenso wird die vom Verband gekrönte „Manufaktur des Jahres“ vorgestellt. Schauvorführungen sowie eine Mitgliederversammlung des Deutsche Manufakturen e. V. runden das Areal ab.

Für Unternehmen, die im Bereich „Manufakturen“ ausstellen möchten, gelten die vom Verband definierten Kriterien. „Die Firma muss inhabergeführt sein, eine eigene Produktion mit mindestens 50 Prozent Handarbeit in Deutschland realisieren und zwischen fünf und 200 Mitarbeitern beschäftigen“, erläutert Wigmar Bressel, Vorsitzender des Verbandes Deutsche Manufakturen. „Weitere Kriterien sind die Wesentlichkeit der Produkte sowie die Ausbildung von Nachwuchs oder Umschülern.“ Wichtig sei zudem eine serielle Fertigung mit verschiedenen Gewerken, was die Manufaktur vom reinen Kunsthandwerk abgrenze. Zudem solle Nachhaltigkeit und Wertigkeit gewährleistet sein – wobei es ausdrücklich nicht um Luxusgüter gehe, betont Wigmar Bressel: „Manufakturen stellen in traditioneller Handwerkskunst Qualitätsprodukte her, die dem täglichen Gebrauch dienen.“ Insgesamt sind derzeit in Deutschland rund 650 Firmen ansässig, die diesen Kriterien gerecht werden. Die Bandbreite der Erzeugnisse erstreckt sich dabei von Porzellan- und Glaswaren, Silberbesteck oder Kupfergeschirr über maßgefertigte Mode, feine Lederwaren und Uhren bis hin zu Obstbränden, Leuchten oder Rasierpinseln.

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Ansprechpartner für die Presse:

Ingrid Bednarsky

Telefon: +49 341 678-65 66

 

Im Internet: www.cadeaux-leipzig.de

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Ute Czeschka über die ‚Sächsische Weihnacht‘: „Inzwischen steht die Veranstaltung für viele Besucher fest im Kalender“

9. Dezember 2017, Meißen. Ute Czeschka, Jahrgang 1969, ist in der Manufakturen-Szene bekannt wie der sogenannte „Bunte Hund“: Agentur für Manufaktur-Marketing, Buch-Initiatorin von ‚Die feine sächsische Art – Manufakturen in Sachsen‘, Gründerin des Online-Portals Manufakturhaus.com (ausgezeichnet als besonderer Ort 2014/15 von ‚Deutschland – Land der Ideen‘), ständiges Jury-Mitglied beim Wettbewerb zum ‚Manufaktur-Produkt des Jahres‘ des Verbandes Deutsche Manufakturen

Vor zehn Jahren entwickelte sie auch noch die Idee zur ‚Sächsischen Weihnacht‘, einer Weihnachtsverkaufsausstellung für in Sachsen gefertigte hervorragende Dinge aus Manufakturen und Handwerk.

Gleich nach der ersten Veranstaltung mit 14 Ausstellern in einem Dresdner Restaurant kamen die Verantwortlichen von Schloss Wackerbarth begeistert auf sie zu und luden sie ein, die Veranstaltung aufs Schloss zu verlegen. Jetzt findet die ‚Sächsische Weihnacht‘ schon zum 8. Mal auf Wackerbarth statt, hat inzwischen an zwei Tagen achteinhalbtausend Besucher bei fünf Euro Eintrittspreis – höchste Zeit für ein Interview mit der „Macherin“ der weit über Sachsen hinaus bekannten Veranstaltung…

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Interview

Du richtest die ‚Sächsische Weihnacht‘ jetzt bereits zum 9. Mal aus, davon das 8. Mal auf Schloss Wackerbarth – wie ist Dein Resümee?

Super. Weil: Wir sind natürlich am Anfang durch ein Tal der Tränen gegangen. Wenn man solch ein neues Format entwickelt, dann ist man ja noch weit entfernt von perfekt. Wir waren nur ein kleines Team. Wir erlebten Wetterkapriolen. Wir mussten ausreichend Besucher akquirieren. Inzwischen steht die Veranstaltung für viele Besucher fest im Kalender. Und wir – was die Austeller angeht – an einem Punkt sind, dass wir sie uns aussuchen können, weil wir mehr Bewerbungen haben, als es die Ausstellungsflächen hergeben. Deshalb beginnen wir in diesem Jahr damit, einige Aussteller zu wechseln. Für die Besucher soll es interessant bleiben – obwohl ein gewisser Kern an Ausstellern immer bleiben soll.

Aber ein wechselndes Veranstaltungs-Motto gebt ihr euch deshalb nicht gleich?

Nein, die Sächsische Weihnacht muss bunt sein: Manufakturen, Schauwerkstätten, Pfefferküchler – sich im einen Jahr schwerpunktmäßig auf Schreibgeräte zu konzentrieren und im Nächsten auf Lebkuchen, das erscheint uns zu eng. Es geht vor Weihnachten für die Besucher ja auch um das Finden von interessanten Geschenken – da darf man das Angebot nicht zu eng halten. Verschiedene Materialien, verschiedene Preiskategorien, die richtige Sortimentsmischung – es muss für jeden etwas dabei sein. Es soll auch ein Schaufenster der sächsischen Handwerkskunst sein. Alle Bereiche des repräsentativen Handwerks sollen da vertreten sein.

Wieviele Aussteller gibt es dieses Jahr?

Es sind 66. Es waren auch schonmal 72. Aber in diesem Jahr haben einige einen größeren Platzbedarf angemeldet. Zum Beispiel die Porzellanmanufaktur Meissen. Wer Mitarbeiter mitbringt und zeigt, wie sein Produkt gefertigt wird, der bekommt auch mehr Platz. Denn das interessiert die Besucher sehr. So bringt Mühle eine Pinselmacherin mit, der Reifendreher Christian Werner dreht vor Ort, Herrnhuter Sterne arbeiten am Stand. Es wird gedrechselt, Porzellan bemalt, Pfefferkuchen werden verziert…

Wisst ihr etwas über die durchschnittliche Verweildauer?

Wir haben das noch nicht erhoben. Aber ich gehe davon aus, dass die meisten Besucher zwischen drei und fünf Stunden da sind. Wir bieten ja auch Gastronomie von Schloss Wackerbarth und verschiedenen Cafés, Live-Musik, Märchenlesung und Bastelbereich für Kinder – viele machen sich einfach einen schönen halben Tag bei uns.

Diese Weihnachtsausstellung unterscheidet sich von den vielen Anderen im Land durch die handverlesenen Aussteller, von denen ein großer Teil auch Manufakturen sind – wie ist das Interesse der Besucher daran? Verstehen sie den Unterschied zu den Kunsthandwerkern?

Wir haben das Kriterium, dass alle Betriebe aus Sachsen kommen. Ein Großteil sind wirklich Manufakturen – und die Anderen erstklassige Kunsthandwerker. Wir bieten das Schauhandwerk. Und im Gegensatz zu den meisten anderen Weihnachtsmärkten sind 99,9 Prozent der Standflächen in geschlossenen Räumen, wir sind also wetterunabhängig, was die Ausstellung betrifft.

Ich glaube – um die Frage zu beantworten -, dass den Besuchern die Trennlinie zwischen Manufaktur und Kunsthandwerk nicht so geläufig ist. Wir bieten eine gute Mischung.

Das bietest du ja auch mit deinem Online-Handelsportal Manufakturhaus.com.

Die Unterzeile heißt: „Erlesenes deutsches Handwerk“. Es geht mir auch darum, bestimmtes handwerkliches Kulturgut zu erhalten. Das wird in Politik und Kultur inzwischen verstanden und ich bekomme viel Lob. Man sagt mir immer wieder, dass mein Projekt ein Aushängeschild für Sachsen geworden ist. Dass es mir gelungen sei, sächsisches handwerkliches Kulturgut in die Öffentlichkeit und Wahrnehmung gebracht zu haben. Und dass wir Absatzmöglichkeiten bieten, die schließlich wieder das Kulturgut zu erhalten helfen. Es haben sich auf der Veranstaltung schon viele Synergien zwischen den Firmen ergeben, sind Netzwerke entstanden, haben sich neue große Aufträge durch Besucher ergeben, die bei uns auf der Sächsischen Weihnacht waren. Das geht bis zu VW, die auf einmal etwas einer unserer Aussteller in ihrem Shop gelistet haben.

Damit beantwortest du schon die nächste Frage, die ich habe, nämlich ob die Aussteller und du – mit dem Online-Handelsunternehmen ‚Manufakturhaus‘ – durch Bestellungen während des Jahres spüren, dass sich das Mitmachen bei speziell dieser Veranstaltung lohnt.

Ja, die spüren das. Direkt bei der Veranstaltung durch tolle Kontakte, Gespräche und den Abverkauf ihrer Waren. Und ich spüre das auch. Das liegt auch an dem Ausstellerverzeichnis, das wir machen. Die Leute fahren später zu den Betrieben hin und lassen sich Sonderanfertigungen machen. Und ich höre auch von vielen meiner Kunden, dass sie auf der Sächsischen Weihnacht waren und daher mich und mein Portal kennengelernt haben.

Wohin willst du die Ausstellung weiterentwickeln?

Wir bespielen jetzt die gesamte überdachte und wintertaugliche Fläche von Wackerbarth, rund Tausend Quadratmeter. Wir werden das Profil grundsätzlich beibehalten. Was ich mir jedoch vorstelle, ist, dass man die Auswahl der Aussteller noch strikter vornimmt. Dass man Aussteller nimmt, die nicht überall auf den Märkten vertreten sind, sondern die Exklusivität noch weiter steigert. Wir wollen das Schauhandwerk noch weiter ausbauen. Einen Stand bekommt der, der seine Arbeit auch auf Wackerbarth live zeigt. Und im Außenbereich möchte ich die Kulinarik noch weiter ausbauen. Interessante Lebensmittler – „Genusshandwerker“ – in Pagodenzelten.

Was ich mir vorstellen könnte, wäre, ein Gastbundesland auf einer kleinen Fläche hinzuzunehmen: zum Beispiel „Thüringen zu Gast auf der Sächsischen Weihnacht“; oder Tschechien. Allerdings haben wir vor zwei Jahren mit der Technischen Universität Chemnitz eine Umfrage unter Besuchern und Ausstellern gemacht, die hatte als Botschaft, das Konzept unbedingt beizubehalten und nicht zu verändern.

Regionalität als Teil der Identitätssuche vieler Menschen ist also nach wie vor ein ganz entscheidender Antrieb?

Genau. Die Paarung aus Regionalität und Hochwertigkeit ist für viele Menschen spannend. Es hat auch etwas mit lokalem Stolz zu tun: Hey, so etwas Tolles wird bei mir hier in Sachsen gefertigt! Das wusste ich ja gar nicht!

Seit kurzem gibt es auch den Osterkunst- und Frühlingsmarkt auf Wackerbarth – wie entwickelt sich diese Veranstaltung?

Die Ostermesse soll ein anderes Profil haben als die Weihnachtsveranstaltung – es soll also keine Dopplung sein. Es soll noch stärker das Lausitzer Brauchtum herausgearbeitet werden. Außerdem gibt es die Kunsthandwerker aus dem Erzgebirge, die schon lange Osterhasen schnitzen.

Wir wollen es jedoch stärker mit sächsischen Designern verknüpfen. Es gibt hier eine zunehmende Modeproduktion. Manchmal ist die Osterausstellung auch eine Chance für diejenigen, die sich vergeblich auf die Sächsische Weihnacht bewerben. Man muss jedoch wissen, dass die Kaufbereitschaft geringer ist, als im Weihnachtsgeschäft, damit die Erwartungen nicht enttäuscht werden. Wir hatten in diesem Jahr 55 Aussteller, gehen jetzt ins dritte Jahr. Ich bin selbst gespannt, wohin wir diese Veranstaltung entwickelt bekommen.

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ManufakturenForum 2018 wird die erste große Endverbraucher-Messe für Manufakturprodukte

23. November 2017, Bochum. Darauf hat die Manufakturen-Branche schon lange gewartet: Dass ein seriöser, öffentlicher Messeveranstalter sich traut, eine große Endverbraucher-Veranstaltung anzugehen. Nun macht die Bochumer Veranstaltungs-GmbH den Schritt, will mit einem Jahr Vorlauf mindestens 60 Manufakturen als Aussteller für ihre renommierte Jahrhunderthalle in Bochum gewinnen. Ideeller Träger des Projektes ManufakturenForum ist der Verband Deutsche Manufakturen.

Die Jahrhunderthalle in Bochum ist ein besonderer Veranstaltungsort: Sie wurde für das Jahr 1902 als Beitrag des Bochumer Vereins für die Industrie- und Gewerbeausstellung in Düsseldorf konzipiert. Klar war von vorneherein, dass die Halle nach der Ausstellung wieder abgebaut und nach Bochum auf das Vereinsgelände verlegt werden sollte. Also entschloss man sich für eine Stahlträgerkonstruktion. Da der erste erfolgreiche Guss des Bochumer Vereins Glocken waren, wurde die Halle in Form eines gotischen Kirchenschiffs entworfen – in Düsseldorf wurde sogar ein Glockenturm aufgestellt, auf dessen Umzug nach Bochum man jedoch verzichtete. Aus der Halle wurde nach der Ausstellung die neue Gaskraftzentrale des Vereins.

Manufakturen-Blog: Die Jahrhunderthalle, als sie noch mit allen Verzierungen und Glockenturm in Düsseldorf stand (Foto: Ausstellungskatalog)

Die Jahrhunderthalle, als sie noch mit allen Verzierungen und Glockenturm in Düsseldorf stand… (Foto: Ausstellungskatalog)

Manufakturen-Blog: Die Jahrhunderthalle steht seit 100 Jahren in Bochum - ein Schmuckstück von Veranstaltungshalle (Foto: Bochumer Veranstaltungs-GmbH)

…und wie sie heute in Bochum steht – ein Schmuckstück von Veranstaltungshalle (Foto: Bochumer Veranstaltungs-GmbH)

Nach dem Ende der Stahlproduktion am Standort Bochum-Stahlhausen transfomierte die Konstruktion zum Veranstaltungszentrum für die Ruhrtrienale – heute eine vielfach nutzbare Halle mit knapp 9000 Quadratmetern mit Millionen Besuchern jedes Jahr.

„Wir finden halt, dass Manufakturen und unser Industriedenkmal besonders gut zusammenpassen. Die Faszination der kathedralenartigen Industrie-Architektur auf der einen Seite – die mit einem hohen Anteil an Handarbeit sorgfältig und präzise gefertigten Produkte aus den Manufakturen auf der anderen Seite. Diesen wollen wir mit unserer Halle ein attraktives Podium bieten“, sagt Regina Scheffels, die Bereichsleiterin Strategie & Marketing der Bochumer Veranstaltungs-GmbH. Also wurde lange darüber nachgedacht, wie man eine repräsentative Ausstellung mit entsprechenden Ausstellern auf die Beine stellen kann. Eine Idee war, den Verband Deutsche Manufakturen einzubinden, um einen Partner zu haben, der bei der Auswahl der Aussteller berät und für das öffentliche Programm auf der Bühne zuständig ist. Verbandsvorsitzender Wigmar Bressel: „Wir können nur jedem Manufaktur-Unternehmer empfehlen, die Teilnahme an der Messe zu prüfen. Unser Einzelhandel ist vor allem in der Fläche stark rückläufig. Dies wird ein professionelles Schaufenster für Manufaktur-Produkte mit der Aussicht auf zehntausend Besucher oder mehr an zwei Tagen. Manufakturen können sich hier kostengünstig einem großen, interessierten Publikum zeigen, neue Kunden gewinnen und Bestandskunden aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland einladen.“

Mehr als sieben Millionen Menschen wohnen im Großraum. Über Plakate, Radiowerbung, Anzeigen, Internet und Social Media werden sie angesprochen. Sehr spezialisiert. Ganz auf den Begriff ‚Manufaktur‘ fokussiert. Geringer Streuverlust. Mit der Option, sich auch auf den Plakaten noch einmal zusätzlich zu präsentieren.

Die Bochumer Veranstaltungs-GmbH bietet an, jeden Aussteller umfangreich auf Facebook und im Internet zu vorzustellen – eine frühe Entscheidung zur Ausstellungsteilnahme ermöglicht also zusätzliche hohe Medien-Reichweiten.

Ein Highlight soll ein neuer Publikumspreis werden: Alle Besucher des Messe-Samstags können über ihr Lieblingsprodukt auf der Messe abstimmen. Die Preisverleihung an die Aussteller (1.-3. Platz) erfolgt am Sonntagmittag.

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Direkt zur Projektleiterin für das ManufakturenForum, Mona Kienitz: Tel. 0234 – 36 93-213

Zur Internetseite ManufakturenForum sowie direkt zu den Aussteller-Konditionen der Bochumer Veranstaltungs-GmbH

Zur Internetseite des Verbandes Deutsche Manufakturen e. V.

Zur Begriffsdefinition ‚Manufaktur‘ für Aussteller und Besucher

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Manufakturen-Blog: Website zum ManufakturenForum 2018 (Foto: Wigmar Bressel)

Die Website zum ManufakturenForum 2018 (Foto: Wigmar Bressel)

Ambiente 2017: Kochen, essen, schreiben – was Sie Neues von deutschen Manufakturen gesehen haben sollten

13.02.2017, Frankfurt am Main. Die größte Überraschung auf der Konsumgütermesse Ambiente 2017 bescherte mir Römertopf: Wenn die Manufaktur aus Ransbach-Baumbach im Westerwald im 50. Jahr ihres Bestehens für ein neues Produkt gleich die Tongrube wechselt, genau genommen statt ausschließlich in Moschheim Ton einzukaufen, nun auch noch in Niederahr ordert, dann bleibt der Besucher verdutzt am Stand stehen und fragt sich, was los ist. 50 Jahre Terracotta – und nun dies.

Michel Rouland ist immer noch der Frontmann, auch die anderen Mitarbeiter am Stand in Halle 3.1 sind vertraut. Aber da stehen rechts und links der Gesprächszone mit den vielen terrakottafarbenen, offenporigen und im Betrieb zu wässernden Römertöpfen – die berühmten Töpfe für das fettfreie Braten gegen die Kalorien des deutschen Wirtschaftswunders – anthrazitfarbene Kochgeschirre, die glasiert glänzen, und hinzu kommt eine große Grillstation sowie Plakate, auf deren Fotos die neuen Töpfe im Feuer stehen: „Römertopf goes BBQ“.

Okay. Die neuen Kochgeschirre sind aus einem anderen Ton – der feuerfest ist. Und das konnte eben der bisherige terrakottafarbene Ton nicht. Außerdem hat der neue Ton eine ganz feine Beschaffenheit, fühlt sich seidig matt an (z. B. auf der Innenseite des Deckels) – und ist cremeweiß. Damit der Topf diesmal keine Feuchtigkeit aufnimmt und im Feuer platzt, wurde er glasiert. In einer faszinierenden Farbe – es ist anthrazit. Erinnert jedoch gerade bei den runden Töpfen sehr an Stahlhelme. Gemüse anbraten, Chilli vom Grill – ich glaube, Männer werden diese Farbe lieben und die Töpfe zum In-die-Glut-stellen – mit ihrer ursprünglichen Art, vielleicht am ehesten zu beschreiben als: Nomaden-Art – zum Renner machen. Verkaufspreise ab 34 Euro.

Noch eine neue Idee zum Thema Kochen kommt von Mono in Halle 4.0. Die Besteckmanufaktur aus Mettmann (mit der weiteren Marke Pott und Sarah Wiener als Aushängeschild für eine Pott-Messer-Serie) hat ihren Messestand neu in geschmackvollem Moosgrün eingerichtet – trotz blauschwarzen Mono-Logos (gut!). Und sich etwas Neues zum Thema Topfdeckel ausgetüftelt. Wohlgemerkt zum Deckel – denn „Mono steigt nicht in die Topfproduktion ein“, sagt Geschäftsführer Wilhelm Seibel.

Aber der neue Deckel kann etwas: Auf der Unterseite sind feine Silikonringe angebracht. Da der Deckel nach unten gewölbt ist, kann man ihn praktisch in jedem Winkel auf verschiedenste Töpfe aufsetzen – das Wasser tropft nach innen ab, er kommt danach auch tropffrei aus der Geschirrspülmaschine. Außerdem verfügt er über einen Kaltgriff und man kann auf ihm – besser: in ihm – den Kochlöffel ablegen sowie alternativ dort das Schnittgut aufbewahren, bis alles geschnippelt ist und in den Topf soll. Bezeichnend ist auch der Produktname: mono multitop. Verkaufspreise: 48 bzw. 58 Euro (22cm/26 cm).

Für den Handel gibt es eine raffinierte Kampagne unter wasistdas.mono.de, in der der Endverbraucher sich in der Zeit vom 24. April bis 26. Mai 2017 Gedanken machen soll, was das neue Teil wohl sei, seine Ideen dazu bei Mono einreichen und Einkaufsgutscheine gewinnen kann.

Marc Weyersberg mit seiner Kupfermanufaktur aus Starzach baut sein Sortiment weiter aus. Zu den induktionsherdgeeigneten und keramikbeschichteten Bratpfannen und Backformen gibt es weitere Größen, die Mini-Stielcasserole für die Vorspeisen, Tarteform, jetzt kommt ein sehr großer Bräter hinzu. „Ich habe inzwischen zwölf Töpfe und Pfannen zu einem Preis von mehr als 500 Euro Verkaufspreis im Handel – damit bin ich hier in der Halle 3.1 sicherlich einzigartig“, grübelt Weyersberg offen nach. Halle 3.1 – das ist die mit den großen deutschen und europäischen Koch-Marken. Teuer scheint kein Problem: Die Kupfermanufaktur Weyersberg hat den Stückumsatz bei diesen teuren Luxus-Geräten vervierfacht, hat überhaupt einen tollen Lauf.

Auch die Gehring-Brüder Hartmut und Volker aus Solingen haben sich dem Kochen verschrieben – genaugenommen dem Schneiden. 2000 verschiedene Kochmesser entstanden im Laufe der bisher 60jährigen Firmengeschichte. Ganz neu aus der Manufaktur, die ja in Deutschland der Vorreiter der Damaststahl-Messer ist: Messer aus Damaststahl mit teilgeprägten und polierten Klingen. Das Muster – eine Gras-Struktur – ist geschützt; eine andere, aussehend nach Hammerschlag (aber geprägt), wurden gerade mit dem Design-plus-Preis 2017 für Nachhaltigkeit ausgezeichnet, die Messer sind auch in der sogenannten ‚Galleria 1‘ ausgestellt.

Ein Arbeitsgang mehr – und das Interesse der großen Händler ist riesig. Solche Messer hat man noch nicht gesehen. Verkaufspreis ab 50 Euro.

Neuester Promi-Koch mit Gehring-Messern ist Johann Lafer.

Einen anderen Weg geht die ebenfalls Solinger Messermanufaktur Güde. Inhaber Dr. Peter Born treibt das ‚intellektuelle‘  Damastmesser weiter auf die Spitze. Deutscher Damaststahl in der Version ‚Wilder Damast‘ wird 300-lagig zwei Tage geschmiedet. Die Griffhölzer sind aus bis zu 1500 Jahre altem Wüsten-Eisenholz. Das Holz ist genauso toll strukturiert wie der ‚Wilde Damast‘, schwer zu bearbeiten, wie es der harte Name schon sagt, eine Kostbarkeit. Das neue Messer mit extrem breiter Klinge – eine Mischung aus chinesischem Kochmesser und Fleischerbeil – bleibt demensprechend etwas für den Liebhaber oder fanatischen Koch – es kostet 1800 Euro.

Dafür hat sich Peter Born einmal hingesetzt und die Geschichte des Messers aufgeschrieben – von der Steinzeit bis heute: Herstellung, Stahl, Holz, Messer, Pflege und Aufbewahrung. Zweisprachig deutsch-englisch: „Die Messer. The Knives.“ Bestellenswert!

Von der Herstellung zum Dinieren. Am Stand der Porzellanmanufaktur Dibbern aus Bargteheide in der Halle 4.1 ist immer was los. Dibbern geht nicht zur Messe ohne neue Vorschläge an Handel und Gastronomie. Ben Dibbern: „Wir haben Art déco im Angebot, skandinavisches Design und eine vielleicht als Retro empfundene neue Form mit dem Namen ‚Heritage‘.“ Alles aber in Fine Bone China, weiß und bunt natürlich zum Mixen.

Viele Händler waren überrascht – schon öfter war Dibbern seiner Zeit voraus. Manches Projekt wurde meiner Meinung nach zu schnell abgebrochen (ich sag nur: ‚Miami‘). Abwarten ist jedoch nicht die Art der drei Herren, die die Geschäfte sehr erfolgreich lenken. Vielleicht geben sie Handel und Kunden diesmal eine Chance, sich hinterher zu entwickeln. Oder auch wieder nicht.

Eine ganz andere Strategie verfolgt die Porzellanmanufaktur Fürstenberg im Parallelgang, im Jahr 1747 gegründet und in der gleichnamigen Burg oberhalb Höxters zu Hause. Mitte März 2017 eröffnet dort das neue Porzellanmuseum mit Mitmachbereich. Nachdem die Manufaktur im niedersächsischen Staatsbesitz (gehalten über die NordLB) sich über die Jahrhunderte ihren besonderen Ruf für ihre Porzellanmalerei erarbeitet hat, gibt es jetzt eine radikale Erweiterung: Mit der Beauftragung des argentinisch-schweizerischen Designers Alfredo Häberli gelangen weitere neue Formen, die nach meinem Eindruck noch mehr auf die Gastronomie abzielen. Unter dem Namen ‚Fluen‘ entstand echtes Gebrauchsporzellan. Gebrauchsporzellan auch deshalb, weil die Preise echt verträglich sind und gastronomiefähig. Auch die gedruckten Dekore als Alternative zum ewigen Weiß sind gut: Strahlenringe in Braun und Beige (Dekor ‚Fine Lines‘) oder geschwenkte Kreise in Mint und Gold und Blau auf dem Tellerrand – bei weißen Essflächen (Dekor ‚Shifting Colors‘) . Los geht’s bei untypischen 20 Euro.

Ich möchte Sie noch zu einem Gang in die Halle 11.1 animieren. Es hat sehr entfernt auch noch etwas mit essen und trinken zu tun. Dort möchte ich Ihnen einen Gang zur  renommierten Schreibgeräte-Manufaktur e+m holzprodukte aus Neumarkt in der Oberpfalz empfehlen. Wolfram Mümmler und seine Frau Brigitte leiten ein seit vier Familiengenerationen bestehendes Unternehmen, das die tollsten Schreibgeräte aus Holz drechselt. Hört sich nach ‚regional‘ an? Nein, hingehen! Neueste Kracher: Kugelschreiber aus dem Holz alter Weinreben gedrechselt (250 Euro). Oder aus dem Holz bisheriger Barrique-Fässer (190 Euro). Oder hauchdünne Kugelschreiber (1 cm Durchmesser) namens ‚Style‘ und ‚Style.us‘ aus Wildkirsche, Wenge, Zebrano oder Walnuss, mit deren Kappe man Handys bedienen kann (z. B. wenn man Handschuhe trägt oder das Gefühl hätte, man hätte zu dicke Finger) – ab 35 Euro.

Das mittelständische Unternehmen war mal der große deutsche Federhalter-Hersteller. Im Krieg schwerst getroffen, hatte es sich vierzig Jahre nach ’45 wieder so weltweit verbreitet, dass ein amerikanischer Präsident namens Ronald Reagan einen wichtigen Vertrag mit einem Holzschreibgerät der Familie Mümmler unterschrieb – und auf einem Foto reckte er den Kugelschreiber hinterher in die Kamera.

Die Ambiente 2017 geht noch bis zum 14. Februar, 17.00 Uhr, Tageskarte 37 Euro.

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Lebensmittel-Manufakturen nutzen die Messe „Fisch & Feines“ – und sind sehr zufrieden

5. November 2016, Bremen. Die Bremer Gourmet-Messe „Fisch & Feines“ (4.-6. November 2016) hat sich entwickelt… Ursprünglich mal als „SlowFisch“ und nördliche Partnerin der „SlowFood“ in Stuttgart gestartet, tat ihr die Trennung von der Genuss-Organisation SlowFood Deutschland als Messepartner offensichtlich ganz gut (SlowFood ist natürlich trotzdem auf der Messe vertreten). Inzwischen ist sie rund. Die Laune der Aussteller und Besucher prächtig – darunter einige, teilweise renommierte und prämierte Lebensmittel-Manufakturen. Vorweggenommen mein Fazit: Unbedingt hingehen!

Das Lob gebührt Jürgen Fricke und seinem Team von der Bremer Messe, das die Veranstaltung über die Jahre immer weiter verfeinert hat und inzwischen immer besser passende Aussteller akquiriert. Besser auch in dem Sinne, dass diese gut zueinander passen müssen. Sich ergänzen – und die Erwartungen eines verwöhnten Publikums erfüllen. Jürgen Fricke ist auch soweit zufrieden, wie es ein Messe-Verantwortlicher während der laufenden Veranstaltung sein kann: „Wir geben uns Mühe, aus unserer Sicht passende Aussteller anzusprechen, fahren dafür auch zu interessanten Unternehmen und schauen uns die an.“

Direkt neben einem Backwarenstand in der Halle 1 steht der Lilienthaler Kaffeeröster de koffiemann – Mitarbeiterin Janin Seidel verrät grinsend: „Am Nachmittag war unser Milchvorrat erschöpft – wir hatten nicht mit solch einem großen Interesse gerechnet.“ Na ja, Milch kann man schnell beschaffen. Schlechter war es, als die Profi-Kaffeemaschine von Cimbali plötzlich den Druck nicht mehr durch die Siebe leiten wollte, Café Crema ausfiel… In einer Nachtschicht soll die Maschine wieder voll einsatzfähig gemacht werden.

De koffiemann ist ein innovativer 14-Mitarbeiter-Betrieb, der mit dem langjährigen Background des väterlichen Kaffeehandels von Cornelia Dotschat im Jahr 2009 gegründet wurde. Privatrösterei kann ja theoretisch jeder – aber Innovation ist das Stichwort, das Cornelia Dotschat zur Unternehmerin macht. Obwohl ihre Rösterei noch so jung und klein ist, hat sie im Frühjahr 2016 eine wunderbare Filterkaffee-Idee entwickelt und umgesetzt: Manufakturkaffee im Filterbeutel für eine Tasse. Das Ergebnis unter dem Produktnamen „CupIn“ bietet den tollen Geschmack des langsam gerösteten Kaffees – in Kombination mit der ständigen Verfügbarkeit bei heißem Wasser (also auch auf dem Hotelzimmer und auf Reisen). Der Einzelhandel hat schon unglaubliche Mengen davon verkauft. Dafür wurde de koffiemann vom Verband Deutsche Manufakturen im Wettbewerb um das „Manufaktur-Produkt des Jahres 2016“ mit dem „Sonderpreis Beobachtung von Trends“ ausgezeichnet.

Im September hat Dotschat nun Kapseln für das Nespresso-System in den Markt gebracht – Manufakturkaffee für das beliebte System! Von solch einer kleinen Firma… Klasse!

Ein paar Meter entfernt steht die Natura Wild Gourmetmanufaktur aus dem niedersächsischen Merzen… Was macht diesen Hersteller von Wild-Delikatessen so besonders? Jendrik-Michael Bluhm: „Wir erlegen alles Wild selbst. In unseren eigenen Revieren.“ Wenn man das hört, rechnet man im Kopf und fragt sich, wie groß dann solch ein Betrieb wohl sein kann. Ein Mitarbeiter? Oder ist das Hobby? Aber da liegt man natürlich falsch… Bluhm – von der Ausbildung her Koch und natürlich selbst Jäger: „Wir verfügen über zehntausend Hektar eigene Reviere. Da haben wir natürlich auch Berufsjäger.“ Und der Abschussplan ist bei einer so großen Fläche ja auch entsprechend hoch. Aber auch der Arbeitsaufwand für alles, was damit einhergeht: Pflege des Reviers, Hege des Wilds im Winter.

Wildfleisch wird von Natura keines zugekauft. Trotzdem arbeiten zwölf Mitarbeiter allein in der Schlachterei. Bluhm: „Wir wollen wissen, was wir verarbeiten. Wir nehmen auch nichts aus Drückjagden oder anderen Gesellschaftsjagden. Denn man schmeckt es doch, wenn das Tier zuvor Stress ausgesetzt war.“ Das Unternehmen hat große Pläne, will nun auch noch beim Schweinefleisch „autark“ werden (Wildwürste werden praktisch immer mit Schwein kombiniert, da das Wildfleisch in der Regel zu trocken für die Verwurstung ist und das Fett des Hausschweins braucht): „Wir wollen uns auch da selbstversorgen. Das dient alles der weiteren Qualitätssteigerung“, sagt Jendrik-Michael Bluhm.

Das Land Niedersachen hat die Natura Wild Gourmetmanufaktur im Jahr 2015 zum Kulinarischen Botschafter Niedersachsens erhoben – dafür reiste extra Ministerpräsident Weil nach Bremen und Verlieh die Auszeichnung auf der Fisch & Feines.

Veggie und vegan gibt es auf der Messe natürlich auch. Zum Beispiel um Obst geht es einige Stände weiter bei Elbler. Das Hamburger Unternehmen wurde im Jahr 2012 gegründet – es ging wie so oft um eine Lücke: Nach Meinung der Gründer Jan Ockert und Stefan Wächter fehlte dem deutschen Getränkemarkt dringend Deutscher Cidre. Inzwischen hat das Unternehmen mit seinen Lieferanten aus dem Alten Land (also zwischen dem niedersächsischen Stade und Hamburg-Finkenwerder gelegen) eine ganze Palette aus Cidre und Glühwein mit und ohne Alkohol aufgebaut. Christoph Marnitz erzählt am Messestand: „Alle Äpfel sind Bio, es gibt keinen Zusatz von Zucker und anderen zulässigen Dreingaben.“

Elbler hat sich rasant entwickelt, hat inzwischen zehn Mitarbeiter – und ist weltweit unterwegs. Zum Beispiel mit der „Handmade in Germany Worldtour“ des Berliner Direktorenhauses – einer Ausstellungs-Weltreise von 150 deutschen Manufakturen, Kunsthandwerkern und Designern. Nächster Stopp der Ausstellung: im chinesischen Szenzhen.

Noch ein paar Stände weiter präsentiert sich Schamel, Deutschlands berühmter Meerrettich-Verarbeiter aus dem bayrischen Baiersdorf (mehrfach ausgezeichnet als „Marke des Jahrhunderts“), ein im Jahr 1846 gegründeter Familienbetrieb mit 50 Mitarbeitern, der sich zwar nicht als Manufaktur sieht, aber trotzdem für Manufaktur-Kunden interessant ist: Neu ist Senf von Schamel, im Jahr 2015 auf den Markt gebracht. Es wäre vermutlich kein Schamel-Produkt, wenn der Senf nicht Meerrettich enthielte. Das gibt dem von mir favorisierten „Süßen Senf“ eine wunderbar pikante Note. Das Glas kostet EUR 1,50 am Messestand. Einfach mitnehmen.

Auf dem Rückweg durch Halle 2 sehe ich den Stand von Birgitta Schulze van Loon, Bremens einzige Brennerei mit dem Namen BR Piekfeine Brände, im vergangenen Jahr Drittplazierte mit ihrem Gin Tripple Peak (mit Earl Grey Tee als Botanical, und dann dreifach destilliert) beim „Manufaktur-Produkt des Jahres 2015“. In der Hand hält sie ihren neuen Rum – es ist ein Vorabzug mit handgemachtem Etikett. Schulze van Loon: „Die bestellten Etiketten sind noch nicht da. Hoffentlich kommen sie bis zum Bottle Market Bremen im Dezember.“

Der Rum ist noch jung – dafür nicht mit Zuckerkulör gefärbt. Und er hat einen schönen Namen: „Alma Norte“ – nordische Seele. Übrigens im 50-Liter-Fass der Bremer Fassfabrik Alfred Krogemann –  auch eine traditionsreiche Manufaktur – gelagert.

Ich hatte das Fazit schon vorweg geschrieben: Fisch & Feines 2016 – hingehen!

Messe-Eintritt EUR 9,00 (ermäßigt EUR 7,50)

Fotos: Wigmar Bressel

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Nachtrag 07.11.2016:

Laut Messegesellschaft hatte die „Fisch & Feines 2016“ 221 Aussteller und 37.476 Besucher; die „Fisch & Feines 2017“ ist für den 3. – 5. November 2017 angekündigt.

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„Makers Market“ in Bremen – das Missverständnis mit dem Begriff „Manufaktur“

31. Oktober 2016, Bremen. Angekündigt war es als Verkaufsveranstaltung von „21 Manufakturen“ – aber dann war es doch nur ein Hobbykünstler- und Kunsthandwerkermarkt, den das sich selbst auch etwas arg großspurig nennende Ladengeschäft „NurManufaktur“ von Vanessa Just als „NurManufaktur Makers Market“ angekündigt hatte. Besucher waren da. Im zum Abriss stehenden „Lloydhof“ fanden Geschäfte statt. Manufakturen als Aussteller fehlten jedoch.

Eigentlich sollte an dieser Stelle längst eine weitere – irgendwie doch belanglose – EWE-Passage stehen, so wie in anderen Großstädten auch. Das Konzept scheint gescheitert – nun findet in dieser Gebäudehülle einer Einkaufspassage eine Zwischennutzung namens „Citylab“ statt. Leerstand nutzen für phantasievolle Projekte – das ist der bereits mehrfach praktizierte Umgang des Bremer Wirtschaftssenators mit der Realität von gescheiteren Immobilienprojekten.

Und da wäre auch eine Chance für Manufakturen und Manufakturprodukte… Na, der erste Versuch ist aus Manufakturensicht an der Konzeption beziehungsweise am mangelnden Verständnis dafür, was eigentlich eine Manufaktur ist, gescheitert – obwohl viele Besucher wegen des verkaufsoffenen Sonntags da waren und die Aussteller sich auch nicht über mangelndes Besucherinteresse beklagen.

Trotzdem waren unter all den Nicht-Manufaktur-Ausstellern auch „Trüffel“ aufzuspüren, Firmen, die vor dem Sprung in die Manufakturen-Liga stehen… Was heißt nochmal Manufaktur? Arbeitsteiliges, handwerkliches Arbeiten, natürlich mehrerer hauptberuflicher Mitarbeiter, unterschiedliche Ausbildungsgänge, serielle Fertigung – alles in Deutschland in der eigenen Produktion, selbstverständlich. So ein kleines Unternehmen in der Größe zwischen der Silberwarenmanufaktur Koch & Bergfeld (25 Mitarbeiter) und der Porzellanmanufaktur Dibbern (135 Mitarbeiter) – wohl so stellt es sich der Kunde in Deutschland vor.

Der Verband Deutsche Manufakturen definiert eine Untergrenze von fünf Mitarbeiten – denn irgendwo muss mal Schluss nach unten sein, finden die rund 30 Mitglieder. Denn Einzelkämpfer, Halbtagsenthusiasten und Kunsthandwerker sind halt etwas Anderes, als eine Manufaktur mit ihren gutausgebildeten, langjährigen Mitarbeitern, ihren Produktlinien und der seriellen Fertigung.

Aber zu den beiden „Trüffeln“: Da ist zum Einen die Goldcorn GmbH. Gründer und Geschäftsführer Thorsten Hobein produziert mit zwei Mitarbeitern in Bremen ein buchstäblich und tatsächlich ausgezeichnetes Popcorn („Chrispy PopRock Caramel“ – prämiert von den Feinkost- und Delikatessenhändlern aus Deutschland und Luxemburg, 3. Platz „Produkt des Jahres 2012“). Wer auf karamellisiertes Popcorn steht, das seriell (also nicht frisch vor den eigenen Augen, wie auf dem Jahrmarkt oder im Kino) gefertigt und akkurat in schönen schwarz-karamellenen Verpackungen im Handel angeboten wird, erreicht hier den 7. Himmel der klebrigen Dekadenz: White Chocolate, Chocolate Cookie, Caramel Almond, Caramel Peanut oder Spekulatius, Caramel Seasalt und, und, und – im Übrigen glutenfrei.

Das eine Geheimnis hinter GoldCorn ist der garantiert nicht genveränderte französische Mushroom-Mais (sieht nach dem Rösten aufgepilzst aus). Hobein: „Wir entfernen jedoch die Stiele, damit der Großteil der Hülsen ab ist.“ Das andere ‚Geheimnis‘ ist der Roh-Rohrzucker von der Insel Mauritius, der den wunderbaren süß-bitteren Caramel erzeugt.

Wenn Sie süßes Popcorn in Zimmertemperatur mögen – kaufen Sie dieses! Die Preise sind moderat für solche Delikatessen: ab ca. EUR 4,00 (110 g) im Handel oder am Messestand, portofrei ab

Werk in der 1,9-Liter-Dose ab EUR 16,00 (man klicke auf den Popcorn-Konfigurator); die Lieferung erfolgt portofrei in ganz Deutschland. Nächste Verkostungsmöglichkeit ist auf der Messe ‚Fisch & Feines‘ in Bremen vom 4. – 6. November 2016 (Messehallen).

Zweiter Glücksfall: Timo Koschnick und Hauke Eimann betreiben gemeinsam die erfolgreiche ‚Agentur für Markenkommunikation‘ mit dem küstennahen Namen Springflut GmbH. Aber sie haben noch andere Leidenschaften, sonst würden sie ja hier auch nicht erwähnt. Die Leidenschaften heißen ‚Güldenhaus‘ und ‚Oxhoft‘.

Güldenhaus ist eine im Jahr 1999 nach knapp 100 Jahren eingestellte Schnapsbrennerei aus Bremen. Die Marke wurde aufgegeben – Koschnick hat sie neu geschützt. Das Oxhoft ist ein Bremer Fass – die Größen variierten in der Geschichte seit dem Mittelalter zwischen 217 Litern und 750 Litern, sagt der bekannte Bremer Fassbauer Alfred Krogemann (Bremen treibt auch heute noch viel Handel mit Bordeaux-Weinen und kennt sich in diesem Metier aus). Nun, Koschnick und Eimann favorisieren das 217-Liter-Fass (ein etwas kleineres Barrique) und haben danach ihren Rotwein „Oxhoft 217“ benannt. Der kommt natürlich nicht aus Bremen, sondern aus dem seit längerem aufstrebenden Rheinhessen, denn da hat Hauke Eimann BWL studiert, hat zehn Meter entfernt zum Weingut Cleres in Abenheim gewohnt – der Weingutpartner.

Mit „Oxhoft“ ging es vor drei Jahren auch los – nun steht die Rotwein-Cuvee aus fünf Reben (darunter Spätburgunder, Regent und Merlot) als Edition Nummer 2 für EUR 15,00 bei den ersten Händlern, ein Sommerwein namens „Sömmertied“ aus der Weißburgunder-Rebe zum freundlichen Preis von EUR 7,00 vom selben Partner hat sich hinzugesellt.

Vermarktet wird alles unter Güldenhaus – und der Name stand natürlich für Schnaps, ob „Alter Senator“ (früher 1,2 Mio. Flaschen im Jahr) oder „Eiswett-Korn“. Aber damit hat das neue Güldenhaus von Koschnick und Eimann eher weniger zu tun. Obwohl man inzwischen den früheren Güldenhaus-Brennmeister aufgespürt hat, entsteht der neue Güldenhaus-Korn in der renommierten Dampfkornbrennerei R. Lüning (die sich derzeit zur ‚Ritterguts-Manufaktur Lüning‘ verändert) in Sulingen, die schon seit dem Jahr 1779 Korn brennt und auch früher ein Partner von Güldenhaus war. Von der eigenen Brennblase wird einstweilen nur geträumt.

Was ist das Geheimnis hinter dem neuen Korn? Hauke Eimann: „Weizen und Wasser – sonst nichts.“ Zweimal gebrannt, in die Flasche dann mit 32 % abgefüllt. Aber es gibt doch eine weitere relative Besonderheit: mindestens acht Wochen Lagerung zuvor in 150-Liter-Feinsteinzeug-Gefäßen (das machen angeblich überhaupt nur noch drei Kornbrennereien in Deutschland) – und na ja, da ist natürlich die designige neue Flasche.

Und wie schmeckt der neue Korn? Ich sage: Fein nach Weizen, wie es eigentlich immer sein sollte. Der Alkohol ist gut eingebunden und mild – also perfekt.  Alles zusammen zum Preis von EUR 14,00. Sorgfältig und fein gemacht, ist er eine wahre Ergänzung zu Wodka und Aquavit.

Zu erwarten ist, dass sich beide Projekte gut entwickeln und wachsen – und vielleicht wird man später einmal im Rückblick mit der milden Verklärung der Vergangenheit über den „Makers Market“ sagen, dass immerhin zwei Manufakturen dort ausgestellt hätten…

Fotos: Stefanie Bressel, Wigmar Bressel

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„Manufaktur 4.0“ – Überlegungen nach der ersten Podiumsdiskussion

21. Oktober 2016, Potsdam. Am 16. September 2016 fand der 1. Brandenburger Manufakturentag im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam statt. Organisiert von der Deutschen Manufakturenstraße e. V. sowie der Kulturland Brandenburg Gesellschaft – eine Auftaktveranstaltung für die Manufakturenstraße in Brandenburg. Gezeigt wurde eine kleine, feine Ausstellung von 20 Brandenburger Manufakturen und manufakturartig arbeitenden Designern, Handwerkern und Herstellern von Konsumgütern, Baustoffen und Lebensmitteln – die Hersteller für die Besucher zum Anfassen, die Geschäftsführer als Gesprächspartner.
Im Rahmen der Ausstellung fand eine Podiumsdiskussion zu Überlegungen nach der „Manufaktur 4.0“ statt, die natürlich auch für die Fachhochschule Potsdam und ihre Absolventen interessant ist. „4.0“ steht in der Industrie für Software-Einsatz in der gesamten Produktionskette vom Designer über den Hersteller bis zum Händler und dem Endkunden, aber auch Beteiligung der Kunden am Design, Transparenz bei den Materialien, Herkunft und Arbeitsbedingungen. Das wird von der Bundesregierung großzügig gefördert. Was könnte analog die förderfähige „Manufaktur 4.0“ werden?

Auf dem Podium saßen neben den Moderatoren Pascal Johanssen und Brigitte Faber-Schmidt drei Hochschulprofessoren der Fachhochschule Potsdam – Prof. Dr. Rainer Funke (Designtheorie), Prof. Alexandra Martini (Gestaltungsgrundlagen), Prof. Hermann Weizenegger (Industrial Design) -, Necdet Yildirim von Carta Forma (Hersteller von Papierwaren aus Oberkrämer), sowie ich als Vorsitzender des Verbandes Deutsche Manufakturen und Silberwarenhersteller (Koch & Bergfeld) aus Bremen.
Ehrlichgesagt warf die Diskussion noch mehr Fragen auf, als sie Antworten ergab – aber vielleicht liegt das auch in der Natur der Sache, wenn es sich um eine Auftaktdiskussion handelt.

Klar ist: Es gab in den vergangenen Jahren wieder große technische Fortschritte. Theoretisch können sich Kunden, Lieferanten, Zulieferer und Hersteller über Software verknüpfen – jeder könnte Einblick in den Produktionsprozess nehmen. Maschinen aus aktuellen Baujahren haben oft eine Computerschnittstelle. Die Frage ist nur: Interessiert das irgendjemanden in der Manufakturenbranche? Die Antwort lautet vermutlich: eigentlich nein. Eigentlich. Und zwar nicht, weil man technikfeindlich wäre – sondern weil häufig schlicht die Anwendbarkeit fehlt.

Man braucht sich nur die Grundsatzfrage zu stellen: Was ist der größte Unterschied zwischen Industrie und Manufaktur? Das ist neben der geringen Mitarbeiterzahl bei Manufakturen auch die geringe Losgröße in der Produktion. Gerade die Losgröße 1 (Sonderanfertigung) stellt die Frage nach der Amortisation jedes Investitionsschrittes.

Geht man einmal optimistisch von einer industriellen Soft- und Hardware-Lebenszeit von zehn Jahren aus (bei Apple- oder Microsoft-Produkten reden wir erfahrungsgemäß von einem Jahr), so bedeutet dies, dass mit der Investition in eine Soft- und Hardware diese sich in diesen zehn Jahren bezahlt gemacht haben muss. Denn dann ist der Fortschritt drum herum so groß, dass neue Investitionen erfolgen müssen.

Nehme ich unseren eigenen Betrieb als Beispiel – die Silberbesteckproduktion -, so rede ich über vermutlich 250 000 bis 400 000 produzierte Besteckteile in zehn Jahren – allerdings aus einer Palette von rund 1500 verschiedenen Stücken (das wäre schon der Optimalfall – insgesamt haben wir rund 15 000 verschiedene Besteckteile seit Bestehen unseres Unternehmens entworfen und gefertigt). Von dem einen Löffel werden mehr gefertigt, von dem anderen sehr viel weniger. Das heißt, mein Aufwand muss für viele unterschiedliche Produkte mit teilweise sehr geringen Stückzahlen passen. Ist das realistisch? Wohl eher nicht. Wir reden ja nicht von einem Warenwirtschaftssystem (haben wir), Internetseite, eMail und Facebook (haben wir), Smartphones und Automobile haben wir natürlich auch schon – also stellt sich die Frage, worauf die Veränderung „4.0“ abzielen könnte.

Auf den Händler-Kontakt? Der Händler ruft an, benötigt die Gravur-Kombination „F“ und „D“ für seinen Kunden, der gerade im Geschäft beraten wird. Schnellste Lösung: drei Seiten Gravur-Kombination aufs Fax gelegt, er kann diese dem Kunden zeigen und nach zehn Minuten ist das Rückfax da – eine Kombination in einer Zierschrift ist angekreuzt. Fertig.

Ich frage mich: Wäre er besser dran, wenn er die Kombinationen im Internet hätte abrufen können, während er den Kunden im Geschäft berät? Ich frage mich mal zurück: Hat der Händler seinen Acrobat Reader für PDFs aktuell – oder macht er jetzt vor den Kunden-Augen erstmal ein Update, damit er nach zwanzig Minuten (Java war auch veraltet und aktualisiert sich schnell noch mit) dann auch noch die richtige Kombination aus den etwa 500 Seiten mit jeweils 20 bis 50 Möglichkeiten herausgesucht hat, endlich etwas vorzeigen kann? Oder will er das doch lieber dem Fachmann – hier: seinem Lieferanten, der sich längst den Ladenöffnungszeiten im Büro angepasst hat – mit der veraltet scheinenden, aber fehlergeringen Fax-Technik überlassen?

Zielt die Veränderung vielleicht auf die Lieferanten-Kommunikation? Gegenfrage: Wieviel Material benötigt wohl eine Manufaktur so im Monat? Reicht die Bestellung per eMail oder Fax (wegen der geforderten Unterschrift) nicht aus?

Bleibt der Endkunde… Der Endkunde ist überglücklich mal alle seine Fragen an den Hersteller stellen zu dürfen. Benötigt der Endkunde einen Zugang in die Produktion der Manufaktur? Nein, benötigt er wohl kaum, da den meisten Endkunden eh die Vorstellungskraft für Produktionsprozesse und die Menge der Möglichkeiten fehlt, es die allermeisten auch nicht interessiert.

Geht es um einen Konfigurator für Bestellungen? Nach meiner bald 20jährigen Tätigkeit für Manufakturen, denke ich: nicht. Denn: Vom Typ her möchte der Endkunde ein bisschen fachsimpeln, feststellen, ob er bei genau diesem Hersteller ‚richtig‘ ist, dort seinen Kauf nach reiflicher Überlegung und Beschäftigung zu tätigen. Er möchte nochmal von einem Menschen am anderen Ende der Telefonleitung versichert bekommen, dass das Bestellte zum gewünschten Termin geliefert wird. Er liebt einfach den Kontakt mit den Menschen ‚dahinter‘, mit den Menschen, die die Produkte herstellen und alles so genau wissen…

Die Diskussion verlief an diesem Nachmittag in Potsdam an der Diskussionsfront 3-D-Druck versus Handarbeit.

3-D-Druck ist faszinierend. Aber relativ langsam. Und hängt von der Qualität der Programmierung ab. Zeit ist Geld. Programmierung kostet Geld. Und es gibt da den zusätzlichen entscheidenden Unterschied: Der Schmied verformt manuell und erhält am Ende einen Stahl mit besonderer Schnitthaltigkeit – der Drucker verschweißt oder verklebt Pulver. Heraus kommt so etwas wie: Eisen, nicht so sehr schnitthaltig. Das ist zwar nur ein Bild – aber es scheint mit irgendwie passend.

Die Bremerhavener Biozoon Food Innovations GmbH wurde gerade mit dem Schütting-Preis, dem Innovationspreis der Bremer Handelskammer, ausgezeichnet für sein Spezialessen aus dem 3-D-Drucker – ein geliertes Lebensmittel, dass Menschen mit Kau- und Schluckstörungen helfen soll: Bohnen im Speckmantel an Lammrücken? Schmeckt so, ist aber Gel. Das Unternehmen hat 24 Mitarbeiter und macht 1,2 Millionen Euro Umsatz. Haken an der Sache: Das Essen ist relativ teuer, denn es muss auf den jeweiligen Patienten und seine Kau- und Schluckfähigkeiten zugeschnitten sein. Da haben wir wieder die Losgröße 1… Und die Frage, warum wir Manufakturen eben doch eher mit Slowfood harmonieren und in einem Boot sitzen, als mit ‚Smoothfood 1.0‘, wie der derzeitige Fachbegriff für das Gel-Essen derzeit ist.

Das größte Problem der „4“ vor der „0“ ist jedoch, dass es die Manufakturen von ihrer DNS wegführt – der Handarbeit und dem Menschen, der im Manufakturprodukt zu finden ist und vom Kunden gesucht wird. Denn die Renaissance der Manufakturen begann vor 20 Jahren nicht in der Faszination der Betreiber für immer vertieftere Technik – sondern in der Begeisterung der Kunden für die Handarbeit, für den Menschen, der trotz seriellen Fertigung im einzelnen Produkt zu finden ist.

Der Mensch – und seine Kompetenz. Seine Meisterschaft in vielen Dingen, vor allem in seiner Urteilskraft. Wann ist ein Produkt ‚gut‘? Kann das ein Roboter entscheiden?

Das unterscheidet Manufaktur und Industrie. Serielle Fertigung – jedoch in Verantwortung des Menschen und nicht der Vorgabe. Nicht das Fließband, das unnachgiebig weiterläuft. Sondern das Auge und die Entscheidung des Mitarbeiters. Und das ist auch das, was der Kunde will – es sei denn, eine Maschine könnte es besser. Dann wäre der Arbeitsplatz futsch, das ist klar.
Kurzes Fazit: Der Charme der Manufakturen liegt gerade in der arbeitsteiligen Handarbeit und im Erkennen der Handarbeit und des Menschen im Produkt. Das Programmieren von Software kostet noch zuviel Zeit und damit Geld, Drucker sind zu langsam und scheinen – wenn überhaupt – im Prototypenbau interessant. Neue Techniken sind dann interessant, wenn sie neue Möglichkeiten und neue Produkte für die Hersteller eröffnen, das ist klar. Reine Automatisationen laufen dem Manufakturgedanken zuwider und bringen noch nicht mal die körperlichen Entlastungen, die dem Außenstehenden interessant erscheinen (Betriebssport und -yoga erübrigt sich beim Konsumgüterhersteller möglicherweise, wenn man eh körperlich arbeitet und ab und an mal die Halbfertigteile zum Kollegen bringt und die Muskulatur ‚abweichend‘ durchblutet wird). Auch digitale Kundennähe ist beim doch recht häufigen Endkunden-Kontakt in der Regel eher ein Wunsch der Hersteller als der Kunden…
Trotzdem finde ich die Diskussion und die Gedankenspiele interessant. Und auch deshalb veranstaltet der Verband Deutsche Manufakturen alljährlich das „Zukunftsforum Deutsche Manufakturen“… Wer eine Idee zur weiteren Zukunft der Manufaktur-Idee hat, bringe sich ein!

Fotos: Deutsche Manufakturenstraße e. V.

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Hier einige Eindrücke vom 1. Brandenburger Manufakturentag:

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