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Orden, Anstecknadeln, Manschettenknöpfe – Deumer gibt die Antwort auf die Frage nach Manufaktur-Schmuck

29. November 2017, Lüdenscheid. Ich trage ja meistens Manschettenknöpfe. Kunststück – da ich wegen etwas längerer Arme sowieso nur Maßhemden von Campe & Ohff ordere, kann ich mir die Manschettenform für jedes Hemd aussuchen; preislich sind sie gleich, ob mit Umschlag für den Zierknopf, oder die Sportmanschette mit Kunststoff-Perlmutt-Imitat. Also bestelle ich oft „für Manschettenknöpfe“. Da im Knopf-Handel viel minderwertige Gussware angeboten wird, war es also „wenn, dann“ der Gang zum Goldschmied oder Juwelier. Vor einiger Zeit traf ich auf ein faszinierendes Paar in Sterlingsilber mit umlaufendem blauen Emaille-Band – von Deumer. Es wurde für mich Zeit, der Frage nachzugehen, wo serieller Manufaktur-Schmuck aus Deutschland seinen Platz hat, wenn auf der einen Seite billigerer Import aus Fernost drängt, auf der anderen Seite der Goldschmied mit Unikaten lockt. Ich fuhr ins Sauerland.

Lüdenscheid. Von einer Frau in einer Besprechung in Bochum wurde ich zuvor gewarnt, man wolle „dort nicht tot über dem Zaun hängen“. Und so präsentierte sich Lüdenscheid – immerhin oberhalb von 420 Metern über ‚Normal-Null‘ liegend – auch im November bei einem Grad Celsius und Schneefall grau. Deumers Adresse ‚Gartenstraße‘ hatte mich schon lange irritiert – Gewerbebau auf der „grünen Wiese“? Ja, aber irgendwie beruhigt stellte ich fest, dass es sich bei der heutigen Innenstadt-Lage um die namensgebenden Gärten zur Gründerzeit gehandelt haben muss, und mein Bild vom berühmten Produzenten nicht durch einen heutigen Trapezblechbau zu leiden braucht. Deumer produziert immer noch in einem schlichten, mehretagigen Fabrikbau mit Innenhof aus ebenjener Zeit. Innendrin die Faszination aus Altbau, Umbau, Anbau; Holzfußböden, grüne Maschinen, Mitarbeiter, die Raum für Raum an diesen klitzekleinen Anstecknadeln, Schmuckstücken, Orden, Medaillen, Manschettenknöpfen arbeiten. Werkzeuge bauen, vergolden, polieren, Emaille schmelzen, Metall mit dem Pinsel lackieren. Hochkonzentriert. Es duftet nach Schmieröl, es rumst, wenn die Spindelpresse losschlägt, die Stanze die Ronden aus den Blechen haut.

Johan Conze ist allein da. Sein Bruder und Mitgeschäftsführer Friedrich ist unterwegs. Den Conzes gehört das Unternehmen seit vier Generationen, seit ihr Urgroßonkel Wilhelm Conze vor hundert Jahren von der kinderlosen zweiten Deumer-Generation die Geschäftsanteile erwarb.

Manufakturen-Blog: Die Brüder Johan Conze und Friedrich Assmann leiten Deumer seit der Jahrtausendwende (Foto: Deumer)

Die Brüder Johan Conze und Friedrich Assmann (v. l.) leiten Deumer seit der Jahrtausendwende

Eigentlich wäre Wilhelm Deumer im Jahr 1863 auch mit Metallknöpfen für Uniformen gestartet. „In Lüdenscheid ist die Metallbearbeitung seit zweitausend Jahren nachgewiesen. Unsere Stadt war sogar einmal die Welthauptstadt der Metallknopf-Produktion – hier gab es 180 Firmen, die Knöpfe produzierten“, erzählt Johan Conze. Auf einmal hat Lüdenscheid mein Interesse. Und heute? „Gibt es nicht mehr. Wir bieten gerne noch Knöpfe für Smokinghemden an.“ Conze lacht. Es ist klar, dass man die 27 Mitarbeiter des Unternehmens damit nicht auslasten kann. Nicht einen, genaugenommen. Als hätte es Wilhelm Deumer – selbst gelerntet Metallbearbeiter und ursprünglich in der Knopfproduktion zu Hause – geahnt, hörte er von einem neuen Vergoldungverfahren und gewann einen Geschäftspartner zur Gründung seiner Fabrik mit dem Schwerpunkt Medaillen und Abzeichen.

Er bewarb sich erfolgreich um die Fertigung von Orden und Auszeichnungen – selbst heute macht ein ganz schöner Teil vom Umsatz die Fertigung von Schützenmedaillen aus. „Die sind immer noch häufig aus Silber.“ Obwohl selbst Lieferant von Auszeichungen für Armee und Politik zwischen 1933 und 1945, fertigt Deumer ab Kriegsende bis zum Abzug der britischen Truppen nach dem Mauerfall zahlreiche  Auszeichnungen der Britischen Rheinarmee. „Heute wächst der Umsatz mit hochwertigen Firmenauszeichnungen, Anstecknadeln… die können ruhig schon mal etwas kosten!“, Conze zeigt mir Beispiele, die gerade in Produktion sind: Echtgold, mit Brillianten besetzt, für die erfolgreichsten Vertriebsleute eines großen deutschen Mittelständlers. „Für solch eine Nadel brauchen wir schonmal 600 Euro.“ Und – wollen Männer so ausgezeichnet werden (es fehlt ja an Eichenlaub und Schwertern dazu)? „Also mir sagt der Einkäufer: unbedingt! Aber es liegt für die Ausgezeichneten ja auch immer noch ein großer Check für Boni dabei.“

Auf die Emaillewerkstatt ist man bei Deumer natürlich sehr stolz. Conze: „Wir sind die Einzigen in Deutschland, die das noch im seriellen Stil betreiben und können.“ Und so kommen zum Beispiel immer noch die Porsche-Embleme für alle, die sie sich zumeist für ihre historischen 911er leisten wollen und bestellen, von Deumer. Denn werkseitig werden heute in der Herstellung weniger aufwendige Deckelwappen verbaut.

Daher rührt auch die Deumer-typische Verbindung von Emaille und Manschettenknopf. Eigentlich ist dieses Schmelzglas nicht wertvoll – aber die Verarbeitung ist schwierig und aufwendig: Mit einer Flüssigkeit verbinden, schmelzen, Risse und Unebenheiten polieren, wieder überschmelzen, wieder polieren… Dabei ist Emaille schon lange bekannt: Die ältesten Funde stammen aus mykenischen Gräbern und seien 3500 Jahre alt, heißt es im firmeneigenen Blog.

Manufakturen-Blog: Schleifen und polierenen - bis alles schön glatt ist und glänzt (Foto: Wigmar Bressel)

Schleifen und polieren ist die wichtigste Handarbeit – bis alles schön glatt ist und glänzt, wie bei dieser Anstecknadel, die Dennis Busse poliert


Manufakturen-Blog: Manschettenknopf 'Blaues Band' mit blauem Knopf-Gegenstück (Foto: Deumer)

Manschettenknopf ‚Blaues Band‘ in Sterlingsilber mit blauem Knopf-Gegenstück

Der Aufwand, sehr gute Emaille zu erschaffen, ist der Grund, weshalb sie aus der Verarbeitung nahezu verschwunden ist. Der Industrie ist sie – außer als hauchdünne Industrie-Emaille beim Backblech – zu teuer; für Handwerker – wie Goldschmiede und Juweliere – ist sie kaum vorzuhalten: Schmelzofen, Energiebedarf, serielle Fertigung in Stückzahlen – das kann nur die Manufaktur noch leisten. Und da ist Deumer die Einzige. Und es beantwortet auch die Frage zur Notwendigkeit seriellen Manufakturschmucks – nur so können bestimmte kulturelle Handwerkstechniken, wie diese, erhalten bleiben.

Der theoretisch günstige Werkstoff Emaille ist also aufgrund seiner Seltenheit und seiner kulturellen Bedeutung wertvoll geworden – und so geht er bei Deumer eine schöne Symbiose mit Gold, Silber und anderen Metallen ein.

Meine ersten Manschettenknöpfe habe ich mir von meinem Vater geliehen, um im ersten Smoking meines Lebens zum Landespresseball gehen zu können. Es waren wunderbare, jedoch sehr einfach verarbeitet, Emaille-Silber-Knöpfe – eben aus der armen Nachkriegszeit. Ich war 21 Jahre alt. Zwei Jahre später nötigte ich auf Besuch bei meinem Onkel Arturo in Madrid diesen, mit mir in die Innenstadt zu fahren – ich habe mir bei einem Juwelier dann ‚Goldene‘ gekauft, die ich immer noch gerne trage (und an ihn denke). Bei Messeaufenthalten auf der ‚Ambiente‘ kamen Verschiedene aus Silber und Gold eines italienischen Anbieters hinzu. Dann kam der Mut, eigene Manschettenknöpfe zu entwerfen – sie sind gewölbt und rund oder gewölbt und quadratisch, aus Silberblechen ausgesägt und von Hand geschlagen. Hundert Stück mögen wir im Laufe einiger Jahre verkauft haben… Jetzt habe ich mir also nach langer Zeit wieder ein Paar gekauft – natürlich das mit dem blauen Band.

Ja, Manschettenknöpfe… man übersteht das Leben wahrscheinlich auch ohne – jedoch nicht so schön!

Fotos: Wigmar Bressel, Deumer (2)

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Zur Geschichte der Manschettenknöpfe ‚Blaues Band‘ im Unternehmens-Blog bei Deumer…

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‚Style‘ und ‚Style.us‘ – die fantastischen Schreibgeräte der Familie Mümmler

14. November 2017, Neumarkt. Sie sind so filigran. So schön. So praktisch mitzunehmen. Und mit ihnen schreibt sich so geschmeidig… Ich stelle fest, ich schwärme für die nur acht Millimeter dünnen Holzkugelschreiber der im Jahr 1899 gegründeten Holzschreibgerätemanufaktur e+m Holzprodukte aus dem oberpfälzischen Neumarkt!

Zuerst gesehen habe ich die Kugelschreiber aus den Hölzern Wildkirsche, Wenge, Zebrano oder Walnuss als Neuheit auf der Frankfurter Messe ‚Ambiente 2017‘ in Frankfurt. Wieder aufgetaucht sind sie dann mit dem Stylus-Gummi an der Kappe zum Bedienen von Tablets und Smartphones im Wettbewerb um das ‚Manufaktur-Produkt des Jahres 2017‘ – und dort eroberten sie sofort den 2. Platz im Hauptwettbewerb (in der Jury war u. a. Manufactum-Chef Dr. Christopher Heinemann und der ‚Digital-Papst des deutschen Handwerks‘ Christoph Krause).

Holz ist ‚das‘ Gen des Unternehmens der Familie Mümmler: Vor 118 Jahren von Konrad Ehmann gegründet, ging es damals um den perfekten Federhalter – eines der wichtigen Schreibgeräte der Zeit. Und Ehmann entwickelte und tüftelte… Bald hatte er 10 000 verschiedene Federhalter in Form und Farbe im Angebot, wurde der größte Federhalter-Fabrikant des Deutschen Reiches. Es kamen die Kriege, im zweiten wurden die Produktionshallen komplett zerstört… In vierter Familiengeneration trat Wolfram Mümmler in der 1980er Jahren in das von seinem Urgroßvater gegründete Familienunternehmen ein, erwarb nach und nach alle Gesellschaftsanteile von den anderen Familienmitgliedern, aus Ehmann wurde Ehmann + Mümmler, wurde die e+m Holzprodukte GmbH & Co. KG. Seine Frau Brigitte kam hinzu… Jetzt die Töchter, von denen Leonie in Hamburg studierte und in einer Kommunikationsagentur arbeitet, und Dorothee, die inzwischen Produktdesign an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein studiert; beide haben schon am Messestand gejobbt, die Eltern ab und an vertreten und sich der Frage stellen müssen, ob sie einzeln oder gemeinsam die fünfte Familiengeneration im Unternehmen werden möchten…

Manufakturen-Blog: Brigitte Federhofer-Mümmler und Wolfram Mümmler in ihrem Betrieb - seit vielen Jahren denken sie sich immer neue Schreibgeräte aus Holz aus (Foto: e+m Holzprodukte)

Brigitte Federhofer-Mümmler und Wolfram Mümmler in ihrem Betrieb – seit vielen Jahren denken sie sich immer neue Schreibgeräte aus Holz aus (Foto: e+m Holzprodukte)

Manufakturen-Blog: Dorothee und Leonie Mümmler nehmen von Hartmut Gehring auf dem 9. Zukunftsforum Deutsche Mnaufakturen die Urkunde für Style.us entgegen (Foto: Deutsche Manufakturen e. V. / Martin Specht)

Dorothee und Leonie Mümmler nehmen von Hartmut Gehring auf dem 9. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen die Urkunde für Style.us entgegen (Foto: Deutsche Manufakturen e. V. / Martin Specht)

Noch heute werden laut Produktkatalog von e+m Holzprodukte „alle Produkte nach alter Tradition auf klassischen Drechslereimaschinen hergestellt. Ein besonderes Anliegen“ sei „die Bewahrung der alten handwerklichen Traditionen“ sowie deren „Umsetzung in neue Produktionsschritte“.

Mümmlers stehen für Nachhaltigkeit. Die Manufaktur-Mitarbeiter begeistern sich für einheimische Hölzer. Der Betrieb ist seit dem Jahr 2007 FSC-zertifiziert: „Die Zertifizierungskette erstreckt sich vom Wald über das Sägewerk bis hin in die Manufaktur.“

Natürlich ist bei soviel Verständnis für Holz auch eine große Faszination für alle Hölzer dieser Erde da – und so wurden ‚Style‘ und ‚Style.us‘ mit Wenge und Zebrano geadelt. Hauchdünnes Holz mit Wechselminen, deren Schreibpaste besonders gut fließt, da an ein Mini-Lüftungsloch im Griff gedacht wurde, das einen Unterdruck verhindert. Hinzu kommt die stylische Metallkappe aus Messing oder Kupfer, mit oder ohne Stylus-Gummi, die – hinten aufgesteckt -, das Schreibgerät auf gute dreizehneinhalb Zentimeter verlängert und für die meisten Hände ausreichend groß macht. Faszination für EUR 35,00 – 40,00 uvp im guten Schreibwarenhandel oder bei e+m im Onlineshop.

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Name versus Marke: Immer mehr junge Menschen skeptisch gegenüber Marken

8. Oktober 2017, Bremen. Die Marke sinkt im Ansehen. Der Name des Herstellers wird wieder wichtiger – und wer sein Produkt empfiehlt.

Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens A. T. Kearney, das 7000 junge Menschen weltweit nach ihrem Vertrauen in Marken und Konzerne befragt hat. Im Vergleich mit der gleichen Befragung vor fünf Jahren ist die Skepsis in Deutschland Marken und Konzernen gegenüber von 33 auf 55 Prozent gestiegen. In anderen Regionen der Erde noch stärker. Dafür ist der Name des Herstellers (wieder) und der externe ‚Bürge‘ für ein Produkt – zum Beispiel ein bekannter Blogger oder sogenannter ‚Influencer‘ – stark im Kommen, also: Wer steckt hinter einem Produkt, wer hat es geprüft – und wer empfiehlt es?

Meiner Meinung nach ist das eine gute Nachricht für Manufakturen (und alle anderen Mittelständler und ‚Einzelkämpfer‘). Ich lese aus den Untersuchungsergebnissen heraus, dass es eine empfehlenswerte Strategie für Manufakturen ist, die Kraft weiter in die Qualität des Produkts und danach in das Polieren des eigenen Namens zu stecken; durch Transparenz und Verlässlichkeit an der Glaubwürdigkeit zu arbeiten – statt an der bloßen Bekanntheit – weil sich die zukünftigen Erwachsenen als potentielle Kunden dafür interessieren.

Nun kann man natürlich darüber diskutieren, ob nicht jeder Name auch immer gleichzeitig Marke sei – heruntergebrochen bis auf jeden einzelnen Menschen als Marke seiner selbst (ich erinnere mal an Jon Christoph Berndt auf dem 2. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen mit seinem Buchbestseller ‚Die stärkste Marke sind Sie selbst!‘).

So, wie das Deutsche Marken-Lexikon es seinerzeit ablehnte, Namen-Marken – wie die unserer Silberwarenmanufaktur Koch & Bergfeld im Gegensatz zu den Kunst-Markennamen, wie Haribo – aufzunehmen, kann man auch leicht die unterschiedliche Ausrichtung erkennen: Die ‚Namen‘ verfügen über ihren individuellen Bekanntheitsgrad hinaus über eine besondere Aufladung durch die Namensgeber – in der Regel die Firmengründer.

Offensichtlich ist es den Kunden wichtig, bei uns Herrn Koch oder Herrn Bergfeld kennenzulernen – und ich muss sie dann leider immer enttäuschen, dass ich weder der Eine, noch der Andere sei. Ich erkenne darin den Wunsch, sich mit demjenigen zu unterhalten, der für das Produkt steht.

Bei den reinen Produktmarken verhält es sich anders. Ich habe kaum jemanden getroffen, der wirklich gerne den regulären Preis uvp bezahlt – es ist gar nicht mal der Wunsch, unbedingt Geld zu sparen, sondern die oft geäußerte Skepsis, dass man viel zu viel für das Marken-Marketing mitbezahlen müsse – „Mindestens die Hälfte des Preises ist reine Luft!“, sagen viele. Sehr viele Menschen entscheiden also genau zwischen Herstellername in Verbindung mit dem Produkt und der Produktmarke aus dem Konzern.

Coca-Cola ist ja wahrscheinlich immer noch die bekannteste Produktmarke der Welt, weil sie mit ihren Dosen und Flaschen ‚analog‘ ist und vielen Menschen, die zu arm für die digitale Welt sind, bekannter ist, als die ‚Digital‘-Marken Microsoft, Alphabet (Google) und Facebook. Und welcher Manufakturunternehmer träumt nicht auch einmal davon, dass sein Produkt genau so berühmt, so bekannt werde? Mich hat es auf meiner Reise mit einem Privatjet eines Auftraggebers durch Afrika sehr beeindruckt, dass die Flughafenbediensteten bei der Betankung in allen Ländern, in denen wir landeten, – vor die Wahl gestellt – jeder Einzelne statt Trinkgelds lieber eine kalte Dose Coca-Cola aus der Flugzeugnase haben wollte. Man könnte jetzt natürlich darüber spekulieren, ob die Marke ‚US-Dollar‘ einfach im Verhältnis zu ‚Coca-Cola‘ gesunken sei – aber es führt uns auch immer weiter weg vom Thema…

Junge Leute interessiert also stärker, als ihre Altersgenossen zuvor, von wem und wie ein Produkt erzeugt wird. Sie verstehen, dass die Marke in der Regel überhaupt nichts über vertretbare Produktionsbedingungen (besonders eklatant in der Mode und bei der Produktion von Lebensmitteln), ethisches Handeln der weltweit agierenden Multi-Konzerne – und noch nicht einmal über perfekte Qualität aussagt, da insbesondere weltweit tätige Einkaufsabteilungen dazu neigen, traditionelle Zutaten des Ursprungsprodukts durch Ähnliche – aber vor allem Günstigere, wie Palmöl und Soja – zu ersetzen und so das Produkt in der Marge für den Konzern immer weiter zu optimieren.

Sie sind offensichtlich nicht bereit, zu glauben, dass das bekanntere Markenprodukt automatisch das Bessere sei. Und wo auf einmal Qualitätsfragen wieder interessieren – da schlägt die Stunde der Argumente. Und wenn es um Argumente geht, dann können auch kleine Hersteller wieder zum Zuge kommen. Denn der interessierte Kunde recherchiert selbst, liest und interessiert sich für Vor- und Nachteile der jeweiligen Fertigungsart, die Eigenschaften des Produkts. Er bildet sich seine eigene Meinung und überlegt, mit wem er das Tauschgeschäft Geld gegen Ware eingeht.

„Wir erleben zurzeit eine radikale Verschiebung der Marktmechanismen hin zu einer Welt, in der Vertrauen, Personalisierung und einzelne Influencer den Ausschlag geben“, analysiert Dr. Mirko Warschun, Handels- und Konsumgüterexperte bei A.T. Kearney, die eigenen Untersuchungsdaten für die Pressemitteilung des Unternehmens. Die zentrale Botschaft sei, dass die großen Player eklatanten Nachholbedarf beim Zukunftsthema ‚Vertrauen‘ hätten. Außerdem seien die meisten Kunden digital vernetzt, an Nachhaltigkeit interessiert – und wollten immer öfter personalisierte Angebote, also Angebote, die direkt auf sie als einzelne Kunden zugeschnitten seien.

Gerade personalisierte Angebote bedeuten Aufwand – aber der ist immerhin für alle Hersteller (und auch Händler), für Konzerne und Manufakturen, unabhängig von der Größe gleich: Daten erfassen, in Kontakt bleiben, Angebote machen, Fans einbinden, mit Bloggern ins Gespräch kommen…

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Dr. Thomas Koy: „Rückverfolgung ist eine Frage der Authentizität“

30. September 2017, Zwiesel. Wie weit treiben wir in der Nachhaltigkeit die Transparenz? Sehr weit… Die Holzmanufaktur Liebich – der bekannte Holzverpackungshersteller aus Zwiesel – teilte jetzt mit, dass ab sofort alle Kunden automatisch erfahren, woher ihr Holz im Bayerischen Wald genau stammt. Allemal Grund genug, um mit dem Inhabergeschäftsführer Thomas Koy darüber zu sprechen, warum er die GPS-Daten zum Holz auf jede Verpackung druckt.

Die Rückverfolgung – das Tracking – des Holzes bis zurück zum einzelnen Baumstumpf im Wald – wofür ist das wichtig?

Rückverfolgung ist eine Frage der Authentizität. Die Marketingbegriffe dazu sind Traceability – Rückverfolgbarkeit – und Sustainability – Nachhaltigkeit. Die kann man im Marketing gut formulieren – aber wenn man das am Gegenstand nachweisen kann, und zwar nicht bloß bis ins Bundesland, sondern bis in den Wald, ist es eben eine Art der Ehrlichkeit, die man uns als Manufaktur unheimlich abnimmt. Wir haben das für den japanischen Markt angefangen, weil die Japaner großen Wert auf die deutsche Qualitätsarbeit legen – das war für uns ein Versuch und Test, ob es funktioniert und ob es wirklich jemanden interessiert. Dann haben wir das auf die Produkte für Dubai ausgeweitet, dann auf Iran – und schließlich nun für alle. Wir staunen, aber wir kriegen eMails, in denen steht, dass die Kunden sich das tatsächlich auf Google Earth anschauen, den Wald erkunden und sich darüber freuen, dass eine weitere Beziehung zu unseren Produkten entsteht. Sie sehen München, kennen das Hofbräuhaus… und dann ist da dieser riesige schwarze Fleck daneben – das ist der Bayerische Wald, das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas. Und da gibt es dann diesen Punkt – da stand wirklich dieser Baum, aus dem dann die Verpackung ist, die sie in der Hand halten.

Kam die Idee aus den einzelnen Märkten? Wollten die Kunden das wirklich wissen?

Nein, denk mal andersherum. Wir wollten mit unserer Manufaktur – sie war ja früher einmal eine Holzwarenfabrik, die sogar Tropenholz mit verbaut hat – ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten. Wir verarbeiten nur Massivholz aus Bayern. Und wenn man diesen Anspruch nicht nur behaupten will, dann muss man die Aussage auch nachweisen können. Selbst bei Verpackungen schaut heute Foodwatch drauf und kuckt, ob sie IPPC-getrocknet sind oder ob es nach Chemie riecht und aus China kommt.

Und da haben wir also gesagt – um uns vom Wettbewerb abzugrenzen – wir werden nur heimisches Holz verwenden.

Spielt der Holzpreis keine Rolle? Ich kann mir vorstellen, dass der Wildeinschlag in Rumänien oder Weißrussland doch viel günstiger auf den Markt kommen kann…

Ja, das ist so. Das nehmen wir in Kauf. Da wir aber unser Holz auch LKW-Zugweise kaufen, reden wir vielleicht über sechs Prozent beim Rohholz. Das ist nicht so entscheidend, wie die sonstigen höheren Produktionskosten aus Personal und deutschen Löhnen, Behördenauflagen, Steuern und Overhead.

Aber du machst es, weil du die Garantien geben willst und die Kunden drauf stehen.

So ist es. Die Kunden finden ‚made in Germany‘ gut. Aber ‚made in Bavaria‘ noch besser. Und noch besser: ‚product of a German manufactory‘. Eine deutsche Manufaktur – das ist das, auf was die Kunden stehen. Und wenn die Kunden dann zu uns kommen, wie zum Beispiel Japaner, und unsere 15 000 Quadratmeter Holzgebäude sehen, sehen die hundert Hände, die mit ihren Produkten zu tun haben, die sie so oft in die Hand nehmen, bis sie perfekt und fertig sind, wie es auch nicht vollautomatisiert sein kann, wie sie durch die Handarbeitsanteile ihre Wertsteigerung erfahren – dann sind sie erst richtig glücklich und zufrieden mit ihrer Bestellung.

Gibt es auch Kunden oder Lieferanten, die es als ‚überdreht‘ empfinden, den Baumstumpf der einzelnen Tanne im Wald aufspüren zu können? Ist es für die Holzlieferanten ein Mehraufwand?

Wir haben drei Sägewerke als Holzlieferanten. Wenn sie Waren anliefern, dann müssen sie mir heute die Koordinaten jedes Einschlaggebietes geben. Da das Holz oft aus den Bayerischen Staatsforsten stammt, gibt es diese Daten dort schon, denn die brauchen das aufgrund ihrer Zertifizierung und für ihre Statistiken und die Landesämter. Die müssen sowieso nachweisen, woher das Holz, das sie verkaufen, ganz genau stammt. Der Mehraufwand für die Lieferanten besteht nur darin, mir diese Daten zu organisieren und weiterzuleiten.

Buche, Esche, Erle und Eiche kommen zu uns aus dem Spessart oder dem Main-Franken-Gebiet. Die Fichte kommt hier aus dem Bayerischen Wald aus einem maximalen Radius von 20 Kilometern rund um unsere Manufaktur. Das ist doch toll, oder? Und bei der Fichte exerzieren wir es soweit durch, dass wir mit den Kunden in ‚ihr‘ Waldstück fahren.

Aber das ist ja – in Anführungsstrichen – eine Show. Andererseits ist es aber auch ein starker Nachweis und eine Zusicherung, oder? Wenn man einen Augenblick nachdenkt, dann ist es doch nicht so albern, wie es im ersten Moment klingt.

Danke. Wir hatten amerikanische Kunden zu Gast. Mit denen bin ich in den Wald gefahren: Der Förster hat mit Hund und Stock schon auf uns gewartet. Das Waldstück wurde vorgestellt, alle Fragen beantwortet – dann sind wir zwei Kilometer gewandert, haben in einer Waldhütte gegessen und getrunken, alle haben sich nach und nach auf diesen Wald eingelassen. Sowas ist eine Geschäftsverhandlung in einer ganz anderen Stimmung. Die Kunden arbeiten ja meistens in Industriezentren – die sind schon sehr beeindruckt, die kennen doch sowas gar nicht. Wir haben dann endlich die Chance, die Stereotype wie ‚made in Bavaria‘ und ‚Manufaktur‘ mit Leben zu erfüllen.

Es gab ja mal den Werbespruch einer Bank: „Vertrauen ist der Anfang von allem“. Würdest Du eher dem Satz zustimmen: „Am Ende steht Vertrauen“?

Zutreffend ist doch auch der Klassiker: „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser“.

Lenin. Aber da ist auch viel Wahres dran. Unsere Geschäftspartner vertrauen ja darauf, dass wir auch nach vielen Jahren unsere Produkte immer noch in ihrem Sinne für sie produzieren. Deshalb ist es für Manufakturen doch viel wichtiger, dass sie sich einen guten Namen erarbeiten, dass die handelnden Personen eine starke Glaubwürdigkeit haben, damit die Geschäftsbeziehungen laufen – statt zuviel Kraft in eine Marke zu stecken…

Hervorragend formuliert. Wenn man sich das Vertrauen erarbeitet hat, dann braucht man auch nicht wegen einer Preiserhöhung von 3 Prozent miteinander diskutieren. Weil der Kunde unseren Aufwand kennt, es versteht. Unsere Firma hat seit anderthalb Jahren keine einzige Reklamation – und das beim Naturprodukt Holz! Das arbeitet doch immer weiter… Das ist doch der Hammer!

Und das mit dem Namen ist genau richtig. Der Geschäftspartner muss blind wissen, dass er sich auf uns und mich verlassen kann. Diese Rückverfolgbarkeit des Holzes bis in den Wald halte ich für keine Überhöhung des Themas, sondern das ist ein Öffnen des Unternehmens hin zu Kunden und ein Werben um das Vertrauen. Und um die Geschäftsbeziehung weiterzuentwickeln, die nicht mehr auf Preisverhandlungen basiert.

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Der Berliner Thomas Koy, Jahrgang 1964, ist seit sieben Jahren Inhaber des traditionsreichen Holzpackungsherstellers Liebich im Bayerischen Wald. Der promovierte Journalist aus dem „Roten Kloster“ – so nannte man die DDR-Journalistenschule an der Universität Leipzig – änderte aufgrund der Wende-Erlebnisse seine Weltsicht radikal, geriet Anfang der 1990er Jahre in die Getränkeindustrie, hatte ein ganze Reihe von internationalen Jobs, zuletzt als Europa-Vertriebschef in Genf für einen amerikanischen Konzern.

Vor sieben Jahren stieg er aus – zog mit seiner Familie in den Bayerischen Wald nach Regen und trat per Kauf die Unternehmernachfolge an. Seitdem blüht Holz-Liebich wieder richtig auf: 50 feste Mitarbeiter, weltweite Aktivitäten bis Japan und Iran; das alte Werk wurde zu klein – Koy baute im benachbarten Zwiesel das größte Werk in Holzbauweise in Deutschland (15 000 Quadratmeter); gerade wurde die Baugenehmigung zur Erweiterung erteilt. Die Marke heißt nun auch ‚HOLZ.LIEB.ICH‘. Inzwischen ist er ‚Botschafter Niederbayerns‘, darf mit auf die großen wirtschaftspolitischen Podien…

Als CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer seinen Betrieb besuchte, hatte er einen Mitgliedsantrag für die CSU dabei. Koy: „Sie wissen schon, dass ich als Stundent Mitglied in der SED war?“ Scheuer: „Frühere Kommunisten werbe ich am Liebsten!“

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Flair Modellbrillen / Dr. Eugen Beck GmbH & Co. KG als ‚Manufaktur des Jahres 2017‘ ausgezeichnet

19. Mai 2017, Bremen. Der Verband Deutsche Manufakturen hat wieder die „Manufaktur des Jahres“ gewählt. Ausgezeichnet wird im Jahr 2017 die Flair Modellbrillen / Dr. Eugen Beck GmbH & Co. KG aus Oelde/Westfalen. Die Begründung für die Auszeichnung ist die vor 50 Jahren erfolgte erfolgreiche Einführung des Markennamens ‚Flair‘ und das Lebenswerk des Unternehmers Gunter Fink, der mit zahlreichen Innovationen und Ideen die 120-Mitarbeiter-Manufaktur zum Global Player weiterentwickelt hat. Flair-Brillen erhalten Brillenträger heute in 60 Ländern.

Eigentlich wollte Eugen Beck im Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs Plastikkämme herstellen – ein frisch eingestellter Mitarbeiter, der durch die Kriegswirren aus Brandenburg nach Oelde gelangt war, überzeugte ihn jedoch beharrlich, es mit Brillengestellen aus Plastik zu versuchen. Aus Plastik wurde Acetat. Aus Acetat wurde Metall. Aus Metall wurde schon in den 1970er Jahren ‚rahmenlos‘. Die Idee hinter allem: Die leichteste Brille der Welt zu fertigen. Und dem Brillenträger einen höchstmöglichen Tragekomfort zu ermöglichen.

So ähnlich kam es auch zum Markennamen Flair: Dem Unternehmen wurde als Standort die alte Funkstation auf dem 174 Meter hohen Mackenberg – der höchsten Erhebung im östlichen Münsterland – zugewiesen. Die Funkstation ist immer noch als eines von mehreren Gebäuden Werksbestandteil. Aber das Gelände um sie herum ist heute ein Naturschutzgebiet. Und auch die Teilnehmer des denkwürdigen Brainstormings im Jahr 1967 empfanden, Ort und Lage schon als Luxus. Überliefert ist aus diesem der Ausspruch, man produzieren doch „in einem tollen Flair“ – so entstanden früher Markennamen bei Mittelständlern.

In Gunter Finks Zeit kamen die rasanten Innovationen: Brillengestelle, die unzerbrechlich wurden, Brillengestelle ohne Schrauben in den Bügeln, rahmenlose Gestelle, deren Gläser mit Nylonfäden verbunden statt geschraubt wurden. Brillengestelle, die aus Naturfasern gefertigt werden. Garantiert Nickelfrei. Oder aus reinem Gold. Manchmal entwickelt mit führenden japanischen Technologieunternehmen. Designed von Collani oder praktisch unbekannten Industriedesignern oder Mitarbeitern. Inhouse in 3-D-Simulationen zur Produktentwicklung umgesetzt, außerhalb des Naturschutzgebietes – wie behördlich vorgeschrieben – lackiert. Akribisch mit selbstentwickelten Maschinen auf Bruchfestigkeit getestet – und doch alles mit sehr viel Handarbeit im Detail gefertigt.

Das Unternehmen verlassen heute täglich 500 Brillengestelle in alle Welt. Bereits mit echtem, entspiegelten Brillenglas versehen – der Kunde soll schließlich sofort wissen, dass irgendetwas ‚anders‘ ist.

„Am Beispiel Flair können andere Manufakturen viel lernen. Verbesserung, Verbesserung, und noch einmal Verbesserung des Produkts – darum muss es Manufakturen gehen. Das ist das, was der Kunde am Ende fühlt und spürt. Das möchte er haben, dafür ist er bereit den Produktionsstandort Deutschland zu bezahlen. Wir sind froh, mit unserer Auszeichnung auf diese Vorzeige-Manufaktur hinweisen zu können“, sagte Wigmar Bressel, Vorsitzender des Verbandes deutsche Manufakturen, in seiner Laudatio.

Weitere Informationen & Ansprechpartner:

Wigmar Bressel, Verband Deutsche Manufakturen, Tel. 0421 – 55 90 6-20

www.deutsche-manufakturen.org

Letta Siebert-Daniel, Flair, Tel. 0 25 21 – 84 00 48

www.flair.de

Manufakturen-Blog: Flair wude als ‚Manufaktur des Jahres 2017‘ ausgezeichnet – v. l. Verbandsvorsitzender Wigmar Bressel, von Flair Sven Reiß, Magida Sahli, Ralf Bode und Verbandsvize Hartmut Gehring (Foto: Martin Specht)

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SZ-Magazin lässt sechs Künstler Porzellan als Unikat bemalen – eine Benefiz-Aktion

29. April 2017, München. Das SZ-Magazin – die Magazin-Beilage der Süddeutschen Zeitung am Freitag – hat eine Kooperation für den ‚guten Zweck‘ geschmiedet: Sechs internationale Künstler und Illustratoren bemalen ausgesuchte Einzelteile von deutschen Porzellanherstellern. Die Manufakturen Dibbern, Fürstenberg, KPM, Meissen und Nymphenburg – sowie Rosenthal als eher industrieller Betrieb – haben bei der Aktion mitgemacht. Jetzt kann man sich mit Spenden um die Zulosung der Kunstwerke bewerben.

Dibbern (‚Manufaktur des Jahres 2015‘) hat die Titelseite des SZ-Magazins vom 28. April 2017 abbekommen: Der Pariser Künstler Jean Jullien durfte sechs weiße Schalen und Teller aus der Form ‚Motion‘ mit naiv gezeichneten Elefanten (wie für ein Kinderbuch) gestalten – einfach bemalt mit einem Porzellanmalstift mit schwarzer Farbe. Bettina Göttsch, die das Projekt bei Dibbern betreut hat, sagt: „Wir hatten erst überlegt, ob wir echte Porzellanfarbe schicken. Dann, ob der Künstler nicht besser zu uns kommt und von uns angeleitet wird. Schließlich, ob wir ihn Grafiken entwerfen lassen und wir diese dann selbst drucken lassen und einbrennen – aber dafür reichte die Zeit nicht, der Vorlauf war einfach zu kurz. Das macht aber letztenendes auch nichts.“ Der Künstler erhielt den Pozellan-Malstift, auf die Schnelle aufgetrieben in London.

Nun sind Julliens Dibbern-Ideen auf dem SZ-Magazin-Titel, versehen mit einer knackigen, SZ-Magazin-typischen Überschrift: „Elefant im Porzellanladen“. Dibbern-Geschäftsführer Ben Dibbern freut sich über den Coup, der ihn genaugenommen nur ein bisschen Zeit und ein paar weiße Porzellanteile plus Farbe und Versand gekostet hat: „Das ist eine super Aktion.“

Auch in der niedersächsischen Porzellanmanufaktur Fürstenberg (dort findet am 11.-12. Mai 2017 das 9. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen statt) herrscht gute Laune. Andreas Blumberg, Leiter Marketing & Kommunikation des im Jahr 1747 gegründeten Unternehmens, erzählt: „Wir haben mit Geoff McFetridge in Los Angeles zwar nur telefonieren können, hatten aber trotzdem einen intensiven Austausch.

Wir haben ihn beraten, wie er mit der Farbe umgehen muss, dass sie im Backofen ‚gebrannt‘ werden kann – allerdings auch nur als Verzierung hält und nicht spülmaschinenfest sein kann. Und wie man die Kunstwerke heil aus Kalifornien zum Fotoshooting zurückbekommt.“

Dann ging die Reise von vier Teilen der neuen Form ‚Fluen‘ (gerade von Alfredo Häberli für Fürstenberg entworfen) auf die Reise nach Kalifornien.

Auch die anderen Porzellane wurden interessant verändert, denn die Form tritt bei jedem neuen Design hinter die Bemalung zurück: ‚Kurland‘ von KPM comicartig von Stefan Marx, MeissensNeuer Ausschnitt‘ von Serge Bloch mit orangegewandeten naiven Figuren; der US-Illustrator Andy Rementer malte zwei Porträts auf die ‚Suomi‘-Kannen von Rosenthal, ein großes Karo-Muster erhielten zwei Teile aus Nymphenburgs Form ‚Lotos‘ von der New Yorkerin Leanne Shapton.

Die Zulosung eines der Porzellane erfolgt so: Man soll mindestens fünf Euro für den ‚SZ-Adventskalender‘ oder ‚Ärzte ohne Grenzen‘ spenden. Auf dem Überweisungsträger soll man den Namen eines der Porzellane (präzise: Porzellan + Künstlername) eintragen. Eine von der Bank gestempelte Kopie des Überweisungsträger soll man dann bis zum 24. Mai 2017 an das SZ-Magazin schicken oder faxen. Daraus generiert das SZ-Magazin dann pro fünf Euro ein Los. Klingt möglicherweise etwas kompliziert? Man wird es ja lesen, ob die Porzellane verlost wurden.

Foto: Wigmar Bressel (Ausschnitt eines Fotos von Rafael Krötz auf der Titelseite des SZ-Magazins vom 28.04.2017)

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Einladung zum 9. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen

Herzliche Einladung zur Verleihung der Auszeichnungen
Manufaktur des Jahres 2017
Manufaktur-Produkt des Jahres 2017
am 11. Mai in Fürstenberg im Rahmen des 9. Zukunftsforums Deutsche Manufakturen

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Manufakteure,

wie fänden Sie es, wenn sich eine Möglichkeit auftäte, den Manufakturen-Begriff vor Missbrauch durch Dienstleister und Importeure, Handwerker und Hobbyaktivisten zu schützen – und Ihrer Manufaktur die besondere Stellung zurückzugeben, die sie verdient? Trauen Sie den deutschen Manufakturen einen eigenen Klang, eine ‚Soundmarke‘ zu? Fänden Sie es spannend, gemeinsam ein Shop-in-Shop-System zu entwickeln, um – zum Beispiel – dem Sterben Ihres Einzelhandels etwas entgegenzusetzen? Das sind Fragen, die wir gerne mit Ihnen diskutieren wollen…

Wir treffen uns zum 9. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen am 11. und 12. Mai 2017 in der Porzellanmanufaktur Fürstenberg im gleichnamigen Ort bei Höxter im Weserbergland. Die berühmte Manufaktur, gegründet im Jahr 1747 durch Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel – ist heute immer noch in niedersächsischem Staatsbesitz. Fürstenberg hat gerade seinen ‚Mitmach-Bereich‘ und den musealen Teil mit großem Aufwand auf den neuesten Stand gebracht. Auch Fürstenberg hat in den vergangenen Jahren die eigene ‚Aufstellung‘ verändert und sich Individualreisenden und Endverbraucher-Kunden weiter geöffnet. Geschäftsführerin Stephanie Saalfeld führt uns durch den Betrieb und erklärt die Konzeption.

Das Programm mit dem Anmeldeformular für das Zukunftsforum mit dem Titel

Projekte für Manufakturen

finden Sie auf unserer Homepage als PDF zum Herunterladen – nutzen Sie die Gelegenheit, sich Denkanstöße für Ihren Betrieb zu holen!

Wir laden Sie aber auch wieder ganz herzlich ein zur Verleihung der Auszeichnungen „Manufaktur des Jahres“ sowie „Manufaktur-Produkt des Jahres“. Die Verleihungen der Auszeichnungen des Wettbewerbs 2017 finden im Rahmen des Zukunftsforums am 11. Mai 2017 um 19.00 Uhr im Schloss Fürstenberg statt.
Die Teilnahme an der Abendveranstaltung mit den Preisverleihungen ist frei und unabhängig von der Teilnahme am Zukunftsforum.

Wir freuen uns schon auf Ihre Anmeldung für dieses traditionelle Treffen der Manufakturen-Branche und wünschen Ihnen eine gute Anreise!

Bremen, im April 2017

Wigmar Bressel
Hartmut Gehring
– Vorstand –

Deutsche Manufakturen e. V.   Kirchweg 200   28199 Bremen   Tel. 0421 – 55 90 6-20   Fax 55 90 6-55   VR 7441 HB   www.deutsche-manufakturen.org
Vorsitzender: Wigmar Bressel (Koch & Bergfeld Besteckmanufaktur) stellv. Vorsitzender: Hartmut Gehring (Gehring Schneidwaren)
Beirat: Lothar Göthel (SGT Spezial- und Gerätetaschen), Dr. Thomas Koy (Holzmanufaktur Liebich), Andreas Mann (SeitzMann), Elmar. J. Merget (Weigang), Wolfram Mümmler (e+m holzprodukte), Andreas Müller (Mühle Rasurkultur), Matthias Vickermann (Vickermann und Stoya)

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Game of Gnomes

13. April 2017, Gräfenroda. Reinhard Griebel führt in Gräfenroda die letzte Manufaktur für Gartenzwerge – vor allem Deutsche und Amerikaner lieben sie noch. Ein Werkstattbericht.

Den Handschlag zur Begrüßung gibt Reinhard Griebel direkt durchs Fenster, hinein in den Märchen-Hof. Dort steht man also und realisiert nur langsam die Unwirklichkeit dieser Gegenwart, sie wirkt wie getuscht von ein paar Pixar-Zeichnern. Die reale Begrüßungshand von Griebel führt zu einem kleinen Männerkörper, darauf ein knubbelrundes Gesicht, so pudermatt und sanft wie der gebrannte Ton Tausender Zwerge, die hier wohnen. Griebel lächelt, kommen Sie doch herein, und während dies geschieht, denkt man an diesen Spruch von den Herrchen und ihren Tieren, die einander mit den Jahren immer ähnlicher würden und vielleicht ja nicht nur die.

Schon auf dem Papier hatte alles ja geklungen wie gemalt. Es war, nein, es ist einmal: Reinhard Griebel aus Gräfenroda in Thüringen, Betreiber der letzten deutschen Manufaktur für Gartenzwerge. Das Märchen ist also echt, und es verliert nicht dadurch, dass sein Beginn und sein Ende im Reich des Ungewissen liegen.

Es war einmal, nein, es könnte einmal so gewesen sein, dass die Wiege aller Gartenzwerge in Gräfenroda stand. Reinhard Griebel hat praktischerweise gleich selbst eine Chronik für sein Gartenzwergmuseum zusammengetragen. Sie nimmt ihren Anfang Mitte des 19. Jahrhunderts bei Heinrich Dornheim, der in Gräfenroda mit seiner „Thierköpferei“, so schreibt es Griebel, „eine Tradition begründen würde, die sich bis heute trotz vieler Hindernisse und Anfeindungen erhalten hat.“ Bei ihm gelernt haben soll auch Philipp Griebel, ein Vorfahr, der Dornheim 14 Jahre lang diente und schließlich seine eigene Manufaktur eröffnete.

Die Bergleute waren seinerzeit wegen ihres Arbeitsumfeldes „von kleinem Wuchs“ und der alte Griebel soll bei Begegnungen mit ihnen auf die Idee mit den Zwergen gekommen sein. Sein Urgroßvater Philipp habe damit Mut und Fleiß der Bergleute würdigen wollen, sagt Griebel und das mache ihn zu einem der „Väter der Gnome“.

Reinhard Griebel hat viel getan, damit diesen Anschein wirklich niemand als trügerisch empfinden muss, sogar Postkarten hat er drucken lassen: Gräfenroda, „birth place of the garden gnome“.

Von „Hindernissen und Anfeindungen“ in der Folge dieser Geburt gäbe es nun mehr Geschichten zu erzählen, als man so denkt. Hier nur die jüngeren: Bald nach dem Zweiten Weltkrieg verbot ein Ministerium Familie Griebel, ihre Produkte im eigenen Land zu verkaufen. Der Zwerg sollte als Ausfuhrware Devisen bringen, „für den einfachen Bürger hier waren nur Zwerge zweiter Wahl und Exportüberhang vorgesehen“, sagt Reinhard Griebel, aber er weiß auch, dass ein solcher Überhang mit etwas Findigkeit letztlich immer irgendwie organisiert werden konnte. 1985 teilte die DDR Griebels Vater schließlich mit, er möge seinen Betrieb doch bitte ganz schließen und sich wie seine Mitbewerber der neu zu schaffenden „Gräfenroda-Keramik“ anschließen. Nachdem der Scheinriese DDR wenig später gefallen war, erkämpfte sich Familie Griebel den Betrieb zurück und erlebte gute Jahre.

Mehr zu erzählen gäbe es auch von den realen „Zwergenkongressen“ und den Zweifeln, die es dort an der Person Griebel (Selbstdarsteller!) und seiner Version der Genesis des Gartenzwerges gibt – manche sagen etwa, der Ur-Zwerg komme aus Drawno in Polen, und darüber dürfte man sich noch ewig streiten können. Faktisch aber bleibt es so, dass Reinhard Griebel und seine Frau als Letzte in diesem Land in nennenswertem Umfang und von Hand Zwerge produzieren, während andere nur darüber reden. Und wenn die Griebels schon derart emsig ihren Betrieb führen, dann darf man bei allen Zweifeln auch mal eine alte Weisheit aus dem Habitat der Zwerge hervorkramen: Ohne Arbeit, früh bis spät, kann dir nichts geraten / Der Neid sieht nur das Blumenbeet, aber nicht den Spaten.

Reinhard Griebel produziert heute an 200 Tagen im Jahr 4000 bis 5000 Zwerge, ein Drittel bleibt in Deutschland, ein weiteres geht in die USA, ein letztes ins europäische Ausland. In Deutschland heißen die Zwerge noch immer Fritz oder Gustav oder Herbert, in Frankreich verkaufen sie sich besser als: Jacques. Das Geschäft ist also international, das ist gut, weil neue Märkte erschlossen wurden, das ist aber auch schlecht, weil Deutschland keine heißherzige Nation der Gartenzwergfans mehr ist.

Und Internationalisierung ist ja selten eine Einbahnstraße. In China, sagt Griebel ohne Groll, gießen die Hersteller in großen Fabriken aus einer Plastikform bis zu 100 000 Zwerge, das macht dann einen Euro Stückkosten in der Produktion. Griebel hingegen verwendet Gipsformen, er kann ihnen mal 40, mal 45 Zwerge abringen, „dann verschwindet das Gesicht“. Bei anspruchsvollen Modellen kommen nicht selten mehr als zehn verschiedene Formen für Einzelteile zum Einsatz, wenn ein Zwerg zum Beispiel Pfeife raucht, dann braucht es allein dafür schon zwei Güsse.

Es ist eine gewisse Übersichtlichkeit, die Griebels Werkstatt in Gräfenroda auszeichnet, und es herrscht in ihr exakt jene nur minimale Unordnung, ohne die es keine echte Gemütlichkeit geben kann. Die Werkstatt ist das, was Olli Dittrichs Dittsche muggelig nennen würde, und sie ist auch eine Sturmhütte gegen die Massenware und ein Lazarett für Reinhard Griebels eigenes, letztes Aufgebot – die gebrannten Zwerge liegen auch mal flach darnieder und herum, ohne Füße oder mit abgeplatzten Fingern. Sie sind Helden der Handarbeit.

„Wir sind keine Politiker, wir arbeiten mit der Hand“, sagt auch Reinhard Griebel, das ist ihm wichtig. Er hat sich, weit mehr im Guten als im Schlechten, eingefunden in und abgefunden mit der Rolle des Mohikaners, des bis zum möglichen Schluss treuen Handwerktätigen.

Griebel sagt, er sei mit den Zwergen groß geworden, und das ist eine so schöne Formulierung, dass man sie eigentlich nicht mit Erläuterungen verunreinigen möchte. Aber: Reinhard Griebel meint damit, dass die Zwerge für ihn an erster Stelle nie Kunst waren oder Kitsch, sondern stets ehrlicher Täglichbrot-Erwerb. Deswegen befragt er sich auch mit 63 Jahren nicht, ob ihn die Allgegenwart der Gnome auch einmal ermüden könnte. Deswegen erzählt er mit glaubwürdiger Überzeugung davon, dass es auf der Welt doch im Grunde kein besseres Kollegium geben könne als seine Zwerge: „Die schimpfen nicht, die sprechen nicht und die lächeln den ganzen Tag, was will ich denn mehr?“

Ein wenig mehr Anerkennung, das wäre schon was, nicht für ihn, aber für die Zwerge. Der Gartenzwerg gilt als Schutzheiliger des deutschen Spießertums, und wenn ein junger Mensch sich heute damit eindeckt, dann steht er unter dem ernsten Verdacht zwanghaften Ironisierens. Dabei ist das Handwerk von Reinhard Griebel ein filigran-anspruchsvolles wie andere auch und objektiv betrachtet nicht minder von Wert. Subjektiv betrachtet dürften einem als Zwerg die Nasen anderer in der Regel gerümpft erscheinen.

Griebel hat sich eine schöne kleine Verbalskizze für diese Ungerechtigkeit der Welt zurechtgelegt, sie geht so: „Wenn ich zum Beispiel eine Schiller-Büste mache, dann kostet es 4000 bis 5000 Euro, die so zu modellieren, dass die Leute sagen: Ja, das ist Schiller. Wenn ich Schiller dann aber eine Zipfelmütze aufsetze, dann darf er plötzlich nur noch ein Zehntel kosten, weil dann ist es ja Kitsch.“

Nur, warum ist das so? „Man braucht die Zwerge erst mal nicht. Ein Leben ohne Gartenzwerge ist für viele nichts Besonderes“, sagt Griebel, was eine noch höfliche Formulierung für jene altbekannte Grausamkeit ist, dernach Kleine schon deswegen gern geschubst werden, weil sie es mit sich machen lassen. Griebel macht sich über diese seine kleine Welt wie auch über die große vor dem Tore so seine Gedanken, sie sind frei, auch während der Arbeit, „und das Schöne ist ja, man kann den Zwergen viel erzählen und sie erzählen es nicht weiter.“

Manchmal, sagt Griebel, ist es auch andersherum. „1999 war das, da hatte doch jeder auf der Welt einen Wunsch, wie es im neuen Jahrtausend weitergehen solle, und da haben mir die Zwerge erzählt: Wir wollen eine Frau.“ Ein so nachvollziehbarer wie eigener Wunsch, waren die Zwerge doch aus den Gnomen hervorgegangen und die Gnome wie beschrieben inspiriert von den Bergleuten, in deren Stollen wiederum keine Frauen hatten arbeiten dürfen. Griebel entschied sich für die Moderne, er schuf die „Gräfin Roda“ und er landete dafür, kein Scherz: vor Gericht.

Die Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge lud Griebel vor das Zwergengericht in Basel. Worauf lautete die Anklage? „Nicht statutengerecht, weil kein Bart“, sagt Griebel, er wurde dann tatsächlich verurteilt, wobei er strafmildernd in eigener Sache nicht unerwähnt lassen möchte, dass es schon auch lustig gewesen sei, „die Richter trugen ja alle Zipfelmützen. Aber es war gleichzeitig sehr ernst, schließlich ging es um eine Frau, und da war ja auch die Frage, was passiert, wenn bei den Zwergen die Frauen und die Männer mal zusammen im Ofen sind.“

Das Zwergengericht jedenfalls erlegte Griebel auf, die Produktion der Gräfin einzustellen und nur noch Restbestände zu verkaufen. Die Restbestände halten sich auf wundersame Weise bis heute, immer wieder tauchen irgendwo ein paar neue Gräfinnen auf, und wer weiß, vielleicht passiert ja wirklich etwas in den Öfen, die nachts im Schutz der Dunkelheit ziemlich ordentliche Betriebstemperaturen erreichen. Offiziell brennt Griebel nachts, weil da der Strom günstiger ist, aber nicht nur er weiß, was sich auf Munkeln reimt.

Um den Zwergennachwuchs ist es auf längere Sicht trotzdem nicht gut bestellt. Griebel wird nicht bis zu seinem Jüngsten Tage in der Werkstatt stehen, seine beiden Kinder haben sogenannte ordentliche Berufe ergriffen – und auf den dauerhaften Bestand der Nachfrage würde selbst der Hausherr keine Wette abgeben. Griebel schwankt zwischen sanftmütigem Fatalismus und zarter Hoffnung, wenn er über die Zukunft der Zwerge nachdenkt, mal formuliert er ein Stellenprofil für seinen möglichen Nachfolger (kein Manager-Typ!), mal kommt er wieder auf die Chinesen zu sprechen, die ja eben auch nicht doof seien und die oberflächlichen Interessen auch des hiesigen Marktes am Ende besser bedienen könnten.

Womöglich ist es so, dass der Zwerg demnächst ein weiteres Mal zu einer deutschen Symbolfigur wird. In Thüringen diskutiert die Landespolitik gerade heftig eine Verwaltungs- und Gebietsreform, die helfen soll, den Bevölkerungsrückgang und das Ausglühen vor allem kleinerer Orte aufzufangen. Auch um Gräfenroda wickelte die Treuhand nach der Wiedervereinigung das Abenteuerland ab, nur etwas mehr als 3000 Einwohner sind geblieben, und wenn man den Märchenhof der Griebels verlässt und über die Autobahn davonrauscht, dann kann man eine Weile auf dem schönen Wort Jing-Jin-Ji herumkauen, von dem im Radio die Rede ist, dieser geplanten chinesischen Metropolregion mit ihren vermutlich 130 Millionen Einwohnern.

Im Film war es einst auch so, dass dem handgeschaffenen Gartenzwerg das Ende drohte. In Go Trabi Go 2 – Das war der wilde Osten reiste Udo Strutz in die USA, rumpelstilzte einen Millionen-Investor herbei und kehrte als Held zurück. Nur war das eben kein reales Märchen, und in der Realität ist es leider so, dass der Präsident der USA angekündigt hat, seinem Land zu neuer Größe zu verhelfen. Der Zeitgeist, er sprach sich auch in dieser Ankündigung mal wieder deutlich gegen die Zwerge aus.

Lizensierter Nachdruck des Artikels in der Süddeutschen Zeitung vom 8./9. April 2017. Dank an den Fotografen Moritz Frankenberg für die Erlaubnis zur kostenfreien Nutzung seiner wunderbaren Fotos!

Fotos: Moritz Frankenberg

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Handschuh-Hersteller Roeckl versucht Insolvenz in Eigenverantwortung in den Griff zu kriegen

7. April 2017, München. Deutschlands traditionsreiche Handschuhmanufaktur Roeckl ist in Insolvenz: 290 000 Euro Verlust bei 18 Millionen Euro Umsatz in 2016 brachten die Roeckl Handschuhe & Accessoires GmbH & Co. KG derart in Schieflage, dass der Gang zum Gericht beschritten werden musste, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Lichtblick: Die Insolvenz soll in Eigenverantwortung abgewickelt und selbst Lösungen mit den Gläubigern gefunden werden.

Das im Jahr 1839 gegründete Unternehmen Roeckl befindet sich seit einiger Zeit im ‚Umbau‘: Eine sportliche Linie wurde entwickelt, das Sortiment wurde breiter gemacht. Zu den berühmten und von Vielen geschätzten feinen Handschuhen kamen zahlreiche weitere Accessoires hinzu.

Das war auch eine sinnvolle Entscheidung der geschäftsführenden Gesellschafterin Annette Roeckl, die das Unternehmen in sechster Generation führt, – denn der traditionelle Handschuh für die kalte Jahreszeit benötigt ebendiese – Kälte.

Wenn die Erderwärmung die Kälte jedoch immer öfter ausfallen lässt und die Mode nicht so sehr auf die behandschuhte Hand drängt, dann hilft perspektivisch nur die Erweiterung auf Accessoires, die auch tauglich für weniger tiefe Temperaturen sind.

Einstweilen soll laut Süddeutscher Zeitung 45 Mitarbeitern gekündigt worden sein, sieben Standorte (wie das Geschäft in der Bremer Katharinenklosterhof-Passage auf den Fotos) wurden geschlossen.

Annette Roeckl wurde im Jahr 2014 im Handelsblatt zitiert: „Das Unternehmen ist jetzt 175 Jahre alt… Jede meiner Entscheidungen soll so sein, dass die Firma nochmal so lange bestehen kann.“

Ich drücke die Daumen für gute Entscheidungen!

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Döttling-Tresore: Wenn alle Versuche der Serie von Kunden zu Einzelstücken gemacht werden

14. März 2017, Sindelfingen. Allgemeine Tresor-Definition: Ein Tresor ist ein schwerer Schrank, an dem sich der Einbrecher die Zähne ausbeißt. Döttlings Definition: Der Tresor ist ein Wohnmöbel, das seinen Besitzer glücklich macht, und an dem sich jeder Unbefugte die Zähne ausbeißt.

Im baden-württembergischen Sindelfingen wurde im Jahr 1919 die berühmte Schlosserei gegründet – nur dass man dort den Begriff ‚Schlosserei‘ eben etwas wörtlicher nimmt: Die Tresor-Manufaktur Döttling baut weltbekannte Tresore, restauriert alte ‚Sicherheitsmöbel‘ und entwickelte einen einzigartigen ‚Uhrenbeweger‘, der die teuren Armbanduhren seiner Eigentümer am Laufen hält, da die oft vielen Uhren nicht alle gleichzeitig getragen werden können. Interesseant ist sicherlich auch eine Partnerschaft mit Karl Lagerfeld beim Luxus-Tresor Narcissus.

Die neun Mitarbeiter arbeiten inzwischen in einem hochmodernen Gebäude. Die Geschäfte werden weltweit getätigt – es wird viel gereist. Und die PR-Frau sitzt in der englischen Grafschaft Kent.

Ein Gespräch mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Andreas Schlittenhardt.

Herr Schlittenhardt, was ist das Geheimnis Ihrer Tresore?

Ich glaube, das Besondere ist sicherlich, dass jedes unserer Stücke immer ein individuelles Einzelstück ist, gefertigt nach den persönlichen Vorstellungen seines zukünftigen Besitzers. Es gibt bei uns keine Serienfertigung, kein Lager. Kein Döttling-Tresor ist wie der andere, jeder ein Unikat. Das gibt es auf dem Markt nicht noch einmal. Dazu kommt der ausgeprägte Innovationsgeist, der fester Bestandteil der Döttling-DNA ist. Wir haben beispielsweise den ersten und einzigen Reisesafe der Welt entwickelt (The Guardian), den ersten Tresor mit einer transparenten Türe aus Panzerglas (The Gallery), den ersten Uhrenbeweger, der sich nach dem Zufallsprinzip und über Kopf bewegt (Gyrowinder) oder den ersten Safe mit hinter dem Innenraum einschwingenden, sprich im geöffneten Zustand unsichtbaren Türen (The Chameleon).

Ihre Tresore zeichnen sich neben der ausgefeilten Mechanik durch ihre luxuriöse ‚Verpackung‘ aus – Zebrafell, eingebaute Uhrenbeweger, Holz jeder Art… wie wichtig ist der ‚Innenausstattungs-Anteil‘, der ‚Tresor als Möbel‘, für Ihre Kunden?

Extrem wichtig! Wir sagen immer: Wir bauen die einzigen Safes, die der Kunde nicht hinter einem Bild oder im Keller versteckt, sondern ins Wohnzimmer stellt, am liebsten offen. Unsere Tresore sind am Ende Stück für Stück die ganz persönliche Projektionsfläche für die Wünsche und den Stil unserer Kunden. Von pinkfarbenem Rochenleder über das Lieblings-Segel eines Yachtliebhabers bis zum Fell von Rindern aus der eigenen Rinderzucht eines Farmbesitzers, von Schuhregalen über Uhrenbeweger, Humidore und Cognac Bars bis hin zu Waffenhalterungen – es gibt fast nichts, was wir nicht schon verarbeitet hätten. Im Innenraum wie auf der Außenfläche.

Manufakturen-Blog: Andreas Schlittenhardt (Foto: Döttling)

Andreas Schlittenhardt ist bei Döttling Geschäftsführer für Controlling und Marketing (Foto: Döttling)

Ist Ihren Kunden die mechanische Technik, das Geräusch, das solch ein Tresor beim Aufschließen macht, wichtig?

Absolut. Viele unserer Kunden sind begeisterte Automobilbesitzer oder Uhrensammler und schätzen ,höchste Ingenieurkunst‘ per se. Die Begeisterung für einen Döttling-Tresor kommt nicht alleine durch das Erscheinungsbild, sondern vor allem durch die eingebaute Technik – ganz egal ob diese 200 Jahre alt ist oder hochmodern. Da kommt bei vielen Kunden der Entdeckergeist durch.

Was denken Sie – was bewahren Ihre Kunden in Ihren Tresoren auf?

Das kommt ganz auf die Ausstattung des Tresors an. Alle unsere Tresore sind maßgeschneidert, um den Ansprüchen des Kunden entgegenzukommen. Viele unserer Kunden wollen ihre Uhrensammlung sicher aufbewahren. Dazu lassen wir Uhrenbeweger einbauen. Andere verwahren klassisch ihren Schmuck oder Dokumente auf. Aber es gibt auch Kunden, die ihren Tresor als Waffenschrank nutzen oder ihre Zigarren in einem speziell eingebauten Humidor lagern. Wir haben vor Jahren einen Safe für eine Dame in New York gebaut, die ihre Lieblings-Schuhe von Louboutin darin aufbewahrt. Es gibt kaum etwas, das wir nicht schon gesehen hätten.

Da sich Ihre Tresore bei Ihren Kunden vermutlich in modernen und sowieso gesicherten Immobilien aufhalten – glauben Sie, dass sich Ihre Sicherheitsschränke eher gegen das persönliche Umfeld Ihrer Kunden denn gegen Einbrecher richten?

Ein Kunde aus Mexiko hat einmal zu mir gesagt: „Mein Safe bleibt immer offen. Wer es lebend in mein Wohnzimmer schafft, hat es verdient, ihn leer zu machen.“ Tatsächlich sind die Grundstücke und Immobilien unserer Kunden so gesichert, dass viele den Safe nur schließen, wenn sie sich in einen längeren Urlaub begeben.

Sie haben sich mit Ihrer Firma auch noch ein zweites Feld begeben – das der mechanischen ‚Uhrenbeweger‘. Wie kam es dazu?

Viele unserer Kunden sind Uhrensammler von handgefertigten Chronographen, die im Idealfall ständig in Bewegung sein sollten. Da reicht es natürlich nicht aus, die Uhr „einfach nur“ in eine Schmuckschublade zu legen. Aus diesem Grund bieten wir mechanische Uhrenbeweger als Modul an, die die Chronographen aufgezogen halten.

Was zeichnet Ihre Uhrenbeweger aus?

Hier möchte ich speziell auf unseren Gyrowinder eingehen, der ein einzigartiges Ingenieurskunstwerk ist: Das hochpräzise Instrument ermöglicht ein vollkommen freies Drehen der Uhr in alle Richtungen – also inklusive Totalüberschlag – was dem Tragen der Uhr am Handgelenk am nächsten kommt. Bereits dadurch hebt sich der Gyrowinder markant von herkömmlichen Uhrenbewegern ab, die eine Uhr lediglich auf einer festen Achse entweder nach links oder nach rechts drehen.

Wie groß ist die Konkurrenz auf solch einem Spezialgebiet?

Es gibt natürlich auch andere Tresorhersteller weltweit und viele werben damit vermeintlich individuelle Stücke zu produzieren. Da wird dann eine einfache Sonderlackierung plötzlich zur Individualisierung. Am Ende merkt der Kunde schnell, dass die Meisten an ihre Grenzen stoßen, wenn es um wirklich Maßgeschneidertes geht. Was Döttling neben der absoluten Individualfertigung abhebt, ist unsere Expertise auf dem Gebiet der antiken Tresorrestauration. Da sind wir weltweit die einzige Manufaktur, die sich darauf spezialisiert hat. Und unser Expertenteam an Restaurateuren ist absolut einzigartig.

Macht Sie die Bearbeitung und immer weitere Verfeinerung der Lösungen dieser an Sie gestellten Aufgaben zufrieden – mit anderen Worten: Befriedigt Sie Ihre Arbeit?

Über alle Maßen! Jeder neue Auftrag ist eine Herausforderung und eine kleine Abenteuerreise. Besonders spannend ist die Restauration antiker Tresore. Darin besteht ein besonderer Reiz, diese Zeitzeugen alter Handwerkskunst zu bewahren und mit modernster Sicherheitstechnologie zu kombinieren. Dieser Arbeitsprozess ist äußert befriedigend. Es gibt kaum einen Wunsch, den wir dem Kunden nicht erfüllen können. Wenn sie am Ende jemandem, der wirklich schon alles gesehen hat und besitzt, seinen Safe ausliefern und der bekommt fast feuchte Augen vor Begeisterung – das ist unbezahlbar.

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