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Leysieffers Kapselmaschine liefert Schaum aus frischer Milch kontakt- und reinigungslos

10. Juni 2017, Bremen. Kleine große Marke: Unter dem Lizenznamen von Deutschlands bekanntestem Manufaktur-Chocolatier – Leysieffer aus Osnabrück – ist seit einem Jahr die markeneigene „Premium-Kapselmaschine mit innovativem Milchschaumsystem“ auf dem Markt. Innovativ heißt: Der Milchschaum wird von der Maschine kontaktlos aus frischer Milch jeder Wahl erzeugt – ohne großen Reinigungsaufwand für den Nutzer. Ideal fürs Büro, wo sich vielleicht niemand so richtig für die Reinigung der herkömmlichen Aufschäumrüssel verantwortlich fühlt. Via Blogger soll jetzt in den ‚sozialen Netzwerken‘ nochmal die Bekanntheit erhöht werden. Ich bekam auch eine Maschine zum Testen zugeschickt.

Die Frage ist ja immer: Was will man – und was kann man? Leysieffer ist ein niedersächsisches Unternehmen, das mit rund 120 Mitarbeitern für Schokolade und Pralinen steht, die über eigene Geschäfte und den Einzelhandel sowie Konditoreien vertrieben werden. Klar, wer Schokolade sagt, der muss auch das korrespondierende Kaffee-Geschäft mitnehmen. Doch statt selbst das Kaffeerösten zu erlernen, hat Leysieffer das Geschäft lizensiert.

So kümmert sich die Hanseatische Kaffee GmbH aus Bremen um Leysieffers Kaffee. Der wird in Italien geröstet und verpackt. Seit einigen Jahren natürlich auch sehr wohlschmeckender Kapselkaffee, für den man ein eigenes Kapselsystem entwickeln ließ, das bewusst unkompatibel gestaltet wurde – dafür für den Kaffee perfektioniert in der Zubereitung sein soll (Leysieffer bietet parallel jedoch auch Kaffeekapseln für das Nespresso-System an – auf „vielfachen Kundenwunsch“, wie es heißt).

Aber nun hat das Leysieffer-System exklusiv die Besonderheit des „innovativem Milchschaumsystems“ bekommen und soll die Kunden animieren, doch auf das Leysieffer-perfekte System zu wechseln.

Die wichtigsten Fragen lauten: Und – funktioniert Milchschaum aus frischer Milch ohne Rüssel und Milchtank, ohne Reinigungsaufwand? Und wenn ja – wie?

Antwort: Ja, es funktioniert ganz gut. Wenn man ein paar kleine Dinge beachtet, die schon über das Ergebnis mitentscheiden. Hört sich das nach einem ‚Aber‘ an? Entscheiden Sie selbst…

Vielleicht zuerst einmal, wie das Aufschäumen funktioniert: Die kalte Milch – Vollmilch, Sojamilch, Mandelmilch, laktosefrei oder nicht – wird einfach in die Tasse gefüllt, 50 bis 60 ml werden empfohlen. Für mich passt das. Die Tasse stellt man an die erwartete Stelle an der Maschine.

Dann wird auf den Aufschäum-Knopf an der Maschine gedrückt – Wasser wird stark erhitzt und als sehr feiner Strahl mit hohem Druck in die kalte Milch eingespritzt; diese dehnt sich auf etwa das doppelte Volumen aus und bildet an der Oberfläche etwa zwei bis vier Zentimeter hohen Schaum aus.

Anschließend lässt man eine oder mehrere Kapseln Kaffee in die Tasse laufen.

Wichtige Erkenntnis: Der Schaum baut sich höher auf, wenn man eine engere Tasse wählt (ich – als Niedersachse – habe einen doppelwandigen Reliefbecher aus der Touché-Serie ‚unserer‘ Porzellanmanufaktur Fürstenberg gewählt) – außerdem spritzt es seltener über den Rand. Aber auch für Cappuchino in der breiten, offenen Tasse ist der Schaum akzeptabel. Man muss ja immer berücksichtigen: Der Reinigungsaufwand für den Milchaufschäumer entfällt – und bekanntlich entscheidet Aufwand doch in der Regel über verlässliche Ergebnisse im Leben. Bei Leysieffer gibt es also akzeptablen Schaum per Knopfdruck ohne weiteren Aufwand. Das ist schon gut.

Die Maschine ist auch ganz schön designt: Es gibt sie in – die einen sagen: applefarbigem, die anderen: Startrooper-farbigem – Schwarz-Weiß oder Schwarz für 199,00 Euro uvp im Handel und im Internet.

Vom Hersteller wird empfohlen, Wasser- und Kapselbehälter nicht in den Geschirrspüler zu stellen – aus Angst vor Verfärbungen der schönen Kunststoffe.

Fazit: Frischmilchschaum auf Knopfdruck ohne Reingungsaufwand wird unter dem Namen Leysieffer erbracht – kann man also kaufen.

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Cornelia Dotschat: Die Unternehmerin bietet ihren Manufaktur-Kaffee jetzt auch in Kapseln für Nespresso-Maschinen an

23. November 2016, Lilienthal. Seit kurzem gibt es Manufakturkaffee aus Cornelia Dotschats Rösterei de koffiemann für das Nespresso-Kapsel-System. Ein Besuch bei der innovationsfreudigen Unternehmerin im niedersächsischen Lilienthal direkt vor den Toren Bremens.

Die Immobilie ist wirklich schmucklos-schlicht. Ein Zweckbau im Gewerbegebiet Moorhausen. Genaugenommen eine Produktionshalle mit eingeschobenen Büros und einem Besprechungsraum, Labor und Hochregallager. Aber der feine Röstgeruch verrät sofort: Hier ist man richtig auf der Suche nach dem prämierten Kaffeeröster de koffiemann – und Cornelia Dotschat, der Gründerin.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre, das weiß jeder. Und unter Lehrjahre kann man subsummieren, wenn ein Unternehmen erst sieben Jahre alt ist, sich kräftig entwickelt, derzeit schon 14 Mitarbeiter hat – und man noch nicht weiß, wo es die aufregende Reise einmal hinführt. Das Portfolio des eigenen Angebots schon groß ist – aber noch nicht vollständig. Wenn man zwar Träume hat, wie alles einmal aussehen soll – aber noch nicht weiß, ob der Standort dann richtig ist. Und dann investiert man eben schon gar nicht in Bauschmuck.

Cornelia Dotschat ist mit Kaffee aufgewachsen. Ihr Vater Helmut ist schon ewig selbständig im Kaffeehandel. Trotzdem ging sie erst einmal zur Kreissparkasse, wurde studierte Sparkassenfachwirtin in Hannover, stieg auf zur Geschäftsstellenleiterin im heimatlichen Lilienthal – und stieg im Jahr 2010 nach neun Jahren bereits wieder aus. Mit siebenundzwanzig.

Cornelia Dotschat zuckt mit den Schultern, sagt: „Das Leben ist so bunt. Die Kaffee-Leidenschaft war einfach zu groß. Und ich hatte schon begonnen, der Kreissparkasse Kaffee meines Vaters zu verkaufen…“

Der Kaffee trat wieder massiv in ihr Leben… Wenn man das Foyer von de koffiemann betritt, dann sieht man gleich den Kaffeebusch mit den roten Kirschen. Cornelia Dotschat lächelt: „Die reichen nur für eine Tasse.“ Für die braucht man sieben Gramm Kaffee. Die bekommt man gerade so aus den paar Früchten heraus, denn unter dem Fruchtfleisch warten nur zwei kleine grün-gräuliche Kerne – die „Bohnen“. Und um die geht es ja.

Man rechnet zweieinhalb Kilo Kaffeekirschen für ein Pfund Kaffee. Das Fruchtfleisch wird auf der Plantage beziehungsweise im Ursprungsland abgequetscht oder geschält – die Bohnen gehen auf die meist lange Reise und landen im Röster. Und hier trennen sich die Wege von Industrie- und Manufakturkaffee auch schon. Die Bohnen werden in der industriellen Kaffeeröstung nun bei bis zu 400 Grad Celsius etwa 90 Sekunden lang hocherhitzt, die Röstung anschließend durch Besprühen mit Wasser abgestoppt und der gemahlene Kaffee bisweilen auch noch mit unter anderem Maltodextrin und/oder Karamell – solange es deklariert wird – legal verschnitten (angeblich zur positiven geschmacklichen Beeinflussung – vor allem aber zur Verringerung der hohen Kaffeesteuer, wenn mehr als 11 % gestreckt und dann auch noch im Ausland produziert wird; Quelle: Mitteldeutscher Rundfunk, Archiv); die anderen Bohnen wandern zu in der Regel kleinen privaten Röstereien wie de koffiemann, die die Bohnen bei nur 200 Grad dafür bis zu 17 Minuten lang rösten, die Röstung danach mit Luft statt Wasser stoppen und in der Regel eben keinerlei Verschnitte mit Ergänzungs- oder Ersatzstoffen vornehmen.

Cornelia Dotschat: „Das ist auch der Grund, weshalb unser Kaffee immer teurer sein muss, als der günstige Kaffee der großen Konzerne – der Kunde bekommt halt auch etwas Anderes.“

Kaffeerösten ist nicht unbedingt Hexenwerk. Die Erstausstattung für eine professionelle Rösterei beträgt keine hunderttausend Euro. Das Rösten kann man lernen. Früher gab es angeblich allein in Bremen und Umland 700 Röstereien.

Heute gibt es mit Jacobs und Melitta zwei Große – und inzwischen schon wieder zwei Handvoll Kleine, Private, Mittelständische, Manufakturartige. Das macht klar, weshalb es nicht ausreicht, sorgfältig Rohkaffee irgendwo auf der Welt einzukaufen (die anbaustärksten Länder sind übrigens der Reihe nach Brasilien, Vietnam, Indonesien, Kolumbien und Indien, China liegt auch schon auf Platz 11) und weitere Bohnen für den Handel zu produzieren – sondern es muss Innovation her, wenn man von diesem gelistet werden will.

De koffiemann ist im Handel gelistet. Dazu beigetragen hat CupIn – ein System, das Dotschat und ihr Team mit einem Maschinenbauer entwickelt hat: Filterkaffee für eine Tasse. Es hört sich irgendwie überflüssig und nach Verpackungsmüll an, ist jedoch – wenn man der einzige Kaffeetrinker im Raum ist oder auf Reisen – sehr praktisch und schmeckt super. Und die Filter sind kompostierbar.

CupIn funktioniert so: Der Filter ist mit gemahlenem Kaffee gefüllt. Diesen reißt man oben auf und spannt ihn mit Papphaken über den Tassenrand. Heißes Wasser hineingießen, durchlaufen lassen – fertig.

Obwohl zehn Tassen 5,29 Euro kosten, wurden in den ersten acht Monaten nach der Markteinführung mehr als hunderttausend Einheiten in den Handel geliefert… Diese Innovation wurde bereits drei Monate nach Markteinführung bei der Wahl zum „Manufaktur-Produkt des Jahres 2016“ mit dem Sonderpreis „Beobachtung von Trends“ ausgezeichnet.

Und seit acht Wochen gibt es nun Kapseln mit Dotschats Manufakturkaffee für die Nespresso-Maschine: „Das war ehrlichgesagt jedoch ein langer Weg. Wir haben anderthalb Jahre daran getüftelt.“

Zunächst musste einmal Nespresso gerichtlich gezwungen werden, Wettbewerber überhaupt zuzulassen. Die kleine Kapsel war mit rund 200 Patenten und Geschmacksmustern geschützt. Diesen Kampf kämpften für Dotschat Andere, die auch auf den Kapselmarkt wollten. Deutsche Gerichte entschieden schließlich: Die Marktmacht von Nespresso ist so stark, dass sie mit ihren Patenten und Mustern Wettbewerb verhindert. Und kippten einen Teil des Schutzes.

Nun konnte es an das Entwickeln eigener Kapseln gehen. Dotschat: „Kapselwerke schossen aus dem Boden, man bewarb sich bei uns, wir haben kräftig gegoogelt – aber die Produkte waren nicht ausgereift.“ Kapseln fielen durch die Halterungen in den Maschinen, der Kunststoffbecher ließ zuviel Luft durch und der Kaffee in der Kapsel alterte zu schnell. „Die einfachste Frage war, wieviel und welcher Kaffee in die Kapsel hineinmuss. Und zwar nur Kaffee – sonst nichts.“ Vor einiger Zeit kam ein Abfüller auf Dotschat zu, dessen Kapsel wirklich funktioniert.

Bedarf wird gesehen: In den paar Wochen seit Markteinführung im September 2016 wurden die Kapseln schon von 30 Lebensmittelhändlern gelistet. Zehn Kapseln kosten 3,29 Euro.

Derzeit gibt es von de koffiemann einen ‚Lungo‘ aus der populären, fruchtigen Arabica-Bohne und ‚Espresso‘ aus Arabica mit 30 Prozent Anteil der Fülle und Kraft gebenden Robusta-Bohne. Dotschat: „Die Italiener machen ihren Espresso oft sogar nur aus Robusta, denn der gibt aufgrund der Inhaltsstoffe dieser Sorte die schöne Crema, den standfesten karamellfarbenen Schaum – und den Wumms.“

Fotos: Wigmar Bressel

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Kaffeeröster – Was macht die Qualität aus?

5. Februar 2016, Emmerich. Kleine private Kaffeeröstereien waren seit den 1970er Jahren fast völlig von der Bildfläche verschwunden. Doch heute erfreuen sie sich wieder großer Beliebtheit. Die Branche boomt. Noch in den Nachkriegsjahren waren es bestimmt 6.000, 7.000 Kaffeeröstereien, die unsere Städte mit frischem Kaffeeduft aromatisiert haben. Mit dem Aufkommen der großen Kaffeekonzerne war damit aber erst mal Schluss. Doch inzwischen gibt es immer mehr Kaffeetrinker, die eine gute Bohne, sorgfältige Röstung und das duftgeschwängerte Ambiente einer Rösterei für ihren Kaffeegenuss  zu schätzen wissen. An die 1.000 private Kaffeeröstereien soll es inzwischen in Deutschland wieder geben.

Peter C. von Gimborn in seinem Metier

Peter C. von Gimborn in seinem Metier

Aber was macht eigentlich eine gute Kaffeeröstmaschine aus? Ich habe mich bei einem erkundigt, der es wissen muss: Peter C. von Gimborn. Urgroßvater Theodor von Gimborn hatte die Emmericher Maschinenfabrik und Eisengiesserei mitgegründet und unter dem Markennamen „Probat“ Kaffeeröster gebaut. Weltweit ist wohl keine andere Kaffeeröstmaschine so erfolgreich verkauft worden. Sein halbes Leben hat Peter C. von Gimborn im Familienunternehmen verbracht. Heute betreibt er in Emmerich am Rhein eine eigene Manufaktur unter dem schlichten Namen „Semper P.C. von Gimborn“.

„Wir bauen nur kleine Röster, für Chargen von bis zu 45 Kilogramm, so wie sie bei uns als Modell schon in den 1950er Jahren hergestellt wurden“, erzählt von Gimborn. „Und es gibt eine zunehmende Nachfrage nach echten Oldtimern, also nach alten Maschinen, die wir dann generalüberholen. Aber das wird immer schwieriger, solche Maschinen noch zu finden.“ Urgroßvater Theodor hatte sich die ersten Kugelröster patentieren lassen. Aber als die Mengen zum Rösten größer wurden, war die Kugel nicht mehr so geeignet und wurde durch Trommelröster abgelöst. „In der Wärmeübertragung, da liegt das Geheimnis einer wirklich guten Kaffeeröstmaschine“, sagt von Gimborn. „Dabei kommt es vor allem auf den Anteil des Gusseisens an. Nur das Gusseisen garantiert ein gutes Verhältnis von Strahlungswärme und durchgehender Wärme. Kaffeeröster, die nur aus Stahl gebaut werden, erreichen niemals diese Qualität.“

Und eine hochwertige Kaffeebohne ist für den Genuss natürlich auch nicht unwichtig. Hat der Röstexperte von Gimborn eigentlich einen Lieblingskaffee? „Ich mag besonders die Kaffees von Bella Vista aus Costa Rica, die sind nicht so bekannt, aber von ebenso überzeugender Qualität wie der viel bekanntere Yirgacheffe aus Äthiopien.“

Wo gibt es Kaffeeröstereien in Deutschland? Informationen dazu finden Sie hier:

www.kaffeetraditionsverein.de

Fotos: Kaffeetechnik

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