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Mühles Rasierset ‚Hexagon‘ zum ‚Manufaktur-Produkt des Jahres 2017‘ gewählt

17. Mai 2017, Bremen. Die Form ist archaisch. Die Verarbeitung präzise und makellos. Die Faszination groß: Mühles neues Rasierset ‚Hexagon‘ aus der Zusammenarbeit mit dem Berliner Designer Mark Braun wurde in halb-anonymisierter schriftlicher Wahl von der Jury zum „Manufaktur-Produkt des Jahres 2017“ gewählt.

Das Produkt an sich hätte noch vor einigen Jahren so etwas wie Fragezeichen in den Gesichtern der Betrachter aufgeworfen – Rasierpinsel? Ein Nassrasierer mag ja noch vorstellbar sein… Aber Rasierpinsel? Gibt es nicht längst den günstigen Sprühschaum aus der Dose? 26 Jahre nach der Reprivatisierung Mühles von der Treuhand an die Gründerfamilie Müller erlebt Europa einen neuen Rasierkult. In den Metropolen entstehen wieder Rasiershops, in denen sich der Mann von heute verwöhnen lassen kann.

Die Jurymitglieder waren sich unabhängig voneinander alle einig: Das neue Rasierset von Mühle ist das Beste der eingereichten Produkte im Wettbewerb 2017.

Dr. Christopher Heinemann, Jurymitglied und Manufactum-Geschäftsführer und selbst bekennender Bartträger, sagte in seiner Laudation: „Es war ein solches Erlebnis, diese so genau gefertigten Dinge in die Hand zu nehmen, dass man selbst ins Überlegen kommt, warum man sich nicht täglich nass rasiert. So schön fühlen sie sich an und liegen so schmeichelnd in der Hand.“

Bei ‚Hexagon‘ handelt es sich um sechseckige Griffe aus Aluminium, die in drei Farben eloxiert erhältlich sind: Graphite, Bronze und einer grünmetallischen, als ‚Forest‘ bezeichneten, Farbe – alles Farben aus dem Erzgebirge, in dessen Rasurkultlern weltbekannten Dorf Stützengrün Mühle zu Hause ist.

Das Design erinnert an klassische Werkzeuge – und so hat man als kleinen Zusatz die Geodaten von Mühle in die Griffe graviert, so, wie halt Form- und Schnittwerkzeuge graviert werden.

Die Pinsel-Ausführungen sind – wie immer bei Mühles hochwertigen Linien – in klassischem Silberspitz-Dachszupf oder veganem Silvertip-Fibre, einer eigens von Mühle entwickelten Synthetikfaser, die den Qualitätseigenschaften des Dachshaares für den Rasierschaum in nichts nachsteht. Der Pinselkopf ist mit einem Gewinde verschraubt und austauschbar.

Das Set kostet EUR 149,00 uvp.

Weitere Informationen & Ansprechpartner

Wigmar Bressel, Verband Deutsche Manufakturen, Tel. 0421 – 55 90 6-20

www.deutsche-manufakturen.org

Jonas Rohrbach, blackbird/berlin Tel. 030 – 639 62 42 15

www.muehle-shaving.com

Die Plätze 2 und 3

2. Platz: Taschenkugelschreiber ‚Style.Us‘ mit Tablet- und Smartphone-Bedienkopf von e+m Holzprodukte aus Neumarkt in der Oberpfalz

Die Kugelschreiber in vier Holz-Arten sind mit nur acht Millimetern Durchmesser – bei einer Wechselmine! – ein kleines hölzernes Wunderwerk. Sie verfügen über eine Messing- oder Kupferkappe, die den Kugelschreiber von acht auf 13,5 Zentimeter Länge vergrößert. In die Kappe ist ein Messingring mit übergestülptem Stylus-Gummi eingearbeitet, mit dem sich Touch-Displays wunderbar bedienen lassen.

Technischer Kniff: Damit die Schreibpaste besser fließt, wurde ein winziges Ausgleichsloch in das Holz gebohrt, damit in Schaft und Mine kein Unterdruck entsteht.

Die Schreibgeräte kosten EUR 40,00 uvp.

www.em-holzprodukte.de

3. Platz: Schreibtisch ‚Denkplatz individuell‘ aus HPL der Möbelmanufaktur Tamesis aus Dessau

Das Material ist mit 13 Millimetern Stärke unglaublich dünn – und dazu noch aus den nachwachsenden Rohstoffen Papier und Harz. Die Möbel aus dem vor hundert Jahren für den Flugzeugbau entwickelten Material haben entsprechend eine ganz eigene Optik die aus der Oberfläche und der Schnittkante entsteht und so häufig zweifarbig akzentuiert eingesetzt wird.

HPL ist sehr fest, erst bei größeren Spannweiten bruchgefährdet – jedoch sehr schwer zu verarbeiten, da es Diamantsägeblättern bedarf, um das Material zuzuschneiden. Dafür erhält man Möbel, die im Labor zugelassen sind und auch gerne im Garten stehen können.

Tamesis präsentiert sich als Alternative zu renommierten Herstellern wie USM und Montana.

Der Schreibtisch kostet EUR 3500,00 uvp.

www.tamesis-design.de

Sonderpreise (Gewinner in drei Bewertungsgruppen)

 Design: Holzfassgereiftes Jahrgangsbier ‚Magnus 16‘ der BierManufaktur Riegele aus Augsburg – perfekt weiterentwickelter Trend der Craftbiere, tolle Umsetzung in einer eleganten, fastschwarzen 0,75-Liter-Flasche mit Kronkorken und Naturkorken in einer opulenten möbelartigen Verpackung, die dem Bier eine Bühne gibt und es gleichzeitig als besonders kostbar und wertvoll präsentiert, Limitierung auf 2016 Flaschen.

Das Bier kostet pro Flasche EUR 49,90 uvp.

www.riegele.de

Qualität & Wertigkeit: Ring ‚Elise‘ der Trauring-Manufaktur J. Fischer & Sohn KG aus Pforzheim – in den Platinring sind lavendelblaue Keramik-Intarsien eingearbeitet; 100 Brillianten bringen den Ring zum Funkeln. Die Besonderheit besteht im Verbund der drei Materialien: Platin, Keramik, Brillianten – hohe Wertigkeit und trotzdem handwerkliche Verarbeitung.

Der Ring kostet EUR 7459,00 uvp.

www.fischer-trauringe.de

Innovation & Funktionalität: Tischleuchte ‚Rima‘ von Holy Trinity aus Dresden – Die Leuchte verfügt über eine besondere Steuerung aus vier Ringen, die darüber entscheiden, wieviele der 56 in Reihe verbauten LEDs scheinen dürfen – und welche Stelle oder Stellen des Tisches sie in welcher Helligkeit beleuchten.

Die Leuchte kostet EUR 1489,00 uvp.

www.holytrinity.de


Jury 2017

Ute Czeschka, manufakturhaus.com

Benedikt Freiherr Poschinger von Frauenau, Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur

Dr. Christopher Heinemann, Manufactum

Pascal Johanssen, Deutsche Manufakturenstraße

Franziska Klün, ysso.de

Christoph Krause, Kompetenzzentrum für Gestaltung, Fertigung und Kommunikation der Handwerkskammer Koblenz

Klaus-Peter Piontkowski, Genuss Pur und Genuss Professional

Bisherige Preisträger

Induktions-Keramik-Kupferpfanne der Kupfermanufaktur Weyersberg (2014)

Doppelhorn Nr. 103 in f/b der Gebr. Alexander Musikinstrumentenfabrik (2015, Konsumgüter), Gin Monkey 47 Distiller’s Cut (2015, Lebensmittel)

Taschenfüllfederhalter-Set Spatz & Kiebitz von Stefan Fink (2016)

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Einladung zum 9. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen

Herzliche Einladung zur Verleihung der Auszeichnungen
Manufaktur des Jahres 2017
Manufaktur-Produkt des Jahres 2017
am 11. Mai in Fürstenberg im Rahmen des 9. Zukunftsforums Deutsche Manufakturen

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Manufakteure,

wie fänden Sie es, wenn sich eine Möglichkeit auftäte, den Manufakturen-Begriff vor Missbrauch durch Dienstleister und Importeure, Handwerker und Hobbyaktivisten zu schützen – und Ihrer Manufaktur die besondere Stellung zurückzugeben, die sie verdient? Trauen Sie den deutschen Manufakturen einen eigenen Klang, eine ‚Soundmarke‘ zu? Fänden Sie es spannend, gemeinsam ein Shop-in-Shop-System zu entwickeln, um – zum Beispiel – dem Sterben Ihres Einzelhandels etwas entgegenzusetzen? Das sind Fragen, die wir gerne mit Ihnen diskutieren wollen…

Wir treffen uns zum 9. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen am 11. und 12. Mai 2017 in der Porzellanmanufaktur Fürstenberg im gleichnamigen Ort bei Höxter im Weserbergland. Die berühmte Manufaktur, gegründet im Jahr 1747 durch Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel – ist heute immer noch in niedersächsischem Staatsbesitz. Fürstenberg hat gerade seinen ‚Mitmach-Bereich‘ und den musealen Teil mit großem Aufwand auf den neuesten Stand gebracht. Auch Fürstenberg hat in den vergangenen Jahren die eigene ‚Aufstellung‘ verändert und sich Individualreisenden und Endverbraucher-Kunden weiter geöffnet. Geschäftsführerin Stephanie Saalfeld führt uns durch den Betrieb und erklärt die Konzeption.

Das Programm mit dem Anmeldeformular für das Zukunftsforum mit dem Titel

Projekte für Manufakturen

finden Sie auf unserer Homepage als PDF zum Herunterladen – nutzen Sie die Gelegenheit, sich Denkanstöße für Ihren Betrieb zu holen!

Wir laden Sie aber auch wieder ganz herzlich ein zur Verleihung der Auszeichnungen „Manufaktur des Jahres“ sowie „Manufaktur-Produkt des Jahres“. Die Verleihungen der Auszeichnungen des Wettbewerbs 2017 finden im Rahmen des Zukunftsforums am 11. Mai 2017 um 19.00 Uhr im Schloss Fürstenberg statt.
Die Teilnahme an der Abendveranstaltung mit den Preisverleihungen ist frei und unabhängig von der Teilnahme am Zukunftsforum.

Wir freuen uns schon auf Ihre Anmeldung für dieses traditionelle Treffen der Manufakturen-Branche und wünschen Ihnen eine gute Anreise!

Bremen, im April 2017

Wigmar Bressel
Hartmut Gehring
– Vorstand –

Deutsche Manufakturen e. V.   Kirchweg 200   28199 Bremen   Tel. 0421 – 55 90 6-20   Fax 55 90 6-55   VR 7441 HB   www.deutsche-manufakturen.org
Vorsitzender: Wigmar Bressel (Koch & Bergfeld Besteckmanufaktur) stellv. Vorsitzender: Hartmut Gehring (Gehring Schneidwaren)
Beirat: Lothar Göthel (SGT Spezial- und Gerätetaschen), Dr. Thomas Koy (Holzmanufaktur Liebich), Andreas Mann (SeitzMann), Elmar. J. Merget (Weigang), Wolfram Mümmler (e+m holzprodukte), Andreas Müller (Mühle Rasurkultur), Matthias Vickermann (Vickermann und Stoya)

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Noch mit Macken: RAL-Definition der Begriffe „Deutsche Wertarbeit“, „Handgefertigt in Deutschland“ und „Made in Germany“ liegt jetzt in der Endfassung vor

18. Januar 2017, Sankt Augustin. „Junge, das war noch deutsche Wertarbeit!“, sagt der Ältere zum Jüngeren. So hat man den Begriff „Deutsche Wertarbeit“ noch im Ohr. Jetzt hat sich Ulrich Welter, Inhaber der Welter Manufaktur für Wandunikate in Berlin, dahintergeklemmt und gleich drei Begriffs-Definitionen bei RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V. in Auftrag gegeben: „Deutsche Wertarbeit“, „Handgefertigt in Deutschland“ und „Made in Germany“. Die am 10. Januar 2017 vom Institut verschickte Endfassung wirft jedoch Fragen auf.

RAL wurde im Jahr 1925 gegründet – als „Reichsausschuss für Lieferbedingungen“. Inzwischen ist daraus ein interessanter Verein mit mehr als 120 korporierten Mitgliedern aus der Wirtschaft geworden, der sich um Begriffsdefinition und Gütezeichen, um die Definition von Farben (es gibt derzeit 2328 RAL-definierte Farben) und Umweltthemen (Zertifizierung mit dem Blauen Engel im Auftrag des Umweltbundesamtes) kümmert; im Kuratorium sitzen Vertreter dreier Bundesministerien und dreier Bundesämter, den Vorstand bilden Fachleute aus unterschiedlichsten Branchen und Verbänden.

Jetzt liegen also die RAL-Definitionen vor, nach denen in Zukunft abgemahnt und Protektion betrieben werden kann. Anders als bei der doch rein emotional-bewertenden Formulierung „Deutsche Wertarbeit“ spielen die Begriffe „Made in Germany“ und „Handgefertigt in Deutschland“ schon lange eine erhebliche Rolle.

Im Jahr 1887 hatten die Briten aus protektionistischen Gründen im sogenannten „Merchandise Marks Act“ die Deklaration „Made in…“ für ausländische Waren, die nach Großbritannien importiert wurden, eingeführt, im 1. Weltkrieg noch einmal für die Kriegsgegner verschärft, um der Bevölkerung einen besseren Boykott zu ermöglich. Ein Schuss, der vollkommen nach hinten losging – der Begriff wurde nach dem 2. Weltkrieg stattdessen zum Synonym für Qualität aus Deutschland.

Interessant ist, dass er bisher nicht definiert war und sich niemand so richtig für ihn verantwortlich fühlte.

Die Definition für „Made in Germany“ wurde bei RAL jetzt erstmals so hinterlegt:

„Der Hersteller muss im Familienbesitz in Deutschland sein. Maßgebliche Herstellung der Ware in Deutschland, entscheidender Wertschöpfungsanteil durch Zusammenbau in Deutschland, maßgebliche Veredelung des Produkts in Deutschland. Der Hersteller muss – wenn möglich – nachgewiesenermaßen alte Traditionen pflegen, die Produkte müssen – wenn möglich – regionale Kultur verkörpern.“

Wenn man sich allein den Tatbestand des Familienbesitzes betrachtet, sind Betriebe wie der Roboterspezialist Kuka aus Augsburg raus, Daimler und BMW, die Chemiekonzerne genauso wie die Pharmakonzerne, eigentlich alle Konzerne – zumal die Großen an der Börse.

Selbst solche Mittelständler wie der Kofferhersteller Rimowa aus Köln, der seit Januar 2017 als Mehrheitsgesellschafter den französischen Luxusgüter-Konzern LVMH hat (vermutlich eine gute neue „Heimat“ – auch wenn sie nicht deutsch ist).

Übrig bliebe „Made in Germany“ für Teile des Mittelstands. Wenn sie denn „nachgewiesener Maßen alte Traditionen pflegen“ und auch noch „regionale Kultur“ verkörpern.

Nachdenken über die Definition… Scheitert die Nutzung des Begriffs dann an zuviel Innovation? Was ist, wenn ich nicht mehr fräse, sondern erodiere? Wenn mein Prototypenbau auf 3-D-Druck umstellt? Ist das dann mangelnde Pflege der Tradition? Kann ein Koffer, ein Kochmesser, ein Silberbesteck, ein Auto überhaupt regional sein?

Und ist der Begriff „Made in Germany“ überhaupt noch werbewirksam, wenn ihn – relativ gesehen – kaum jemand benutzen darf? Wenn das in Deutschland zusammengebaute Auto sich nicht als „Made in Germany“ nennen darf? Welche Kraft wird der Begriff zukünftig haben, wenn bedeutende Teile der allgemein als deutschen Wirtschaft empfundenen Unternehmen ihn nicht mehr verwenden dürfen? Wenn der Begriff von den großen, aus Deutschland stammenden Massenprodukten, die überall auf der Welt zu finden sind, verschwindet?

Die Einschränkung auf „Familienbesitz“, „Tradition“ und „regionale Kultur“ halte ich für falsch. „Made“ und „in“ sollten sich auf „gefertigt“ und „in“ beziehen – sich also vor allem auf das wesentliche Fertigen sowie das geografische Merkmal Deutschland stützen. Die neue Begriffsbestimmung von RAL scheint mir auch der gängigen deutschen Rechtsprechung zuwiderzulaufen – ohne das auf die Schnelle überprüfen zu können (siehe auch Wikipedia zu „Made in Germany“). Letzteres ist aus meiner Sicht jedoch kein so gewichtiges Argument, denn sollten sich relevante Teile aus Wirtschaft und Gesellschaft auf eine veränderte Definiton verständigen, würden die Gerichte sicherlich einfach nachziehen.

Doch weiter, zu „Handgefertigt in Deutschland“. Der Begriff wurde nun so definiert, dass „die signifikanten Kernprozesse bei der Herstellung der Produkte von Hand ausgeführt werden“. Insbesondere soll eine „Kooperation/Zusammenarbeit verschiedener Berufe, soweit dies für die Herstellung des Produktes notwendig ist“, nachgewiesen werden. Und: „Die Individualisierung der Produkte darf nur durch Kleinserien erfolgen. Die Herstellung der Produkte muss mit über 60 % in Handarbeit erfolgen“.

Klar ist: Der Hobby-Künstler ohne spezifische Ausbildung darf seine Produkte fortan nicht mehr mit „Handgefertigt in Deutschland“ bewerben.

Sehr viel eingeschränkter wird der Kreis der zukünftigen Nutzer des Begriffs „Deutsche Wertarbeit“: „Die ‚Deutsche Wertarbeit‘ steht für Zuverlässigkeit, Funktionalität, Wertbeständigkeit, Know-how, Erfindergeist und Innovation.“ Ein Katalog benennt die Forderungen an die Nutzer. Interessant erscheint mir die Idee, den Nutzern den Einbau von „geplantem Verschleiß“ in die Produkte zu untersagen sowie die Austauschbarkeit von defekten Bauteilen mit Ersatzteilen vorzuschreiben.

Ich sage mal: Das neue Jahr begann interessant…

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Nachtrag vom 23. Januar 2017: Ach je – kaum ein paar kritische Nachfragen, schon zieht RAL die unter dem Datum des 10. Januar 2017 versandte sogenannte ‚Endfassung‘ zu den drei Begriffen wieder zurück. Sie sollen nun wieder bearbeitet werden… Wir bleiben gespannt!

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Von Weihnachtsmännern, Krippen und dem Christkind – Marolins Papiermaché aus dem Schiefergebirge

16. Dezember 2016, Steinach. Eine der faszinierendsten Manufakturen, die uns die deutsche Wiedervereinigung beschert hat, ist der Figuren-Hersteller Marolin aus dem thüringischen Steinach. Faszinierend, weil das Unternehmen seit dem Jahr 1900 Weihnachtsmänner, Osterhasen, Krippen aus der selbstentwickelten und markenrechtlich geschützten Marolin-Masse herstellt – einer Papiermaché, die ähnlich Porzellan entweder in Model gedrückt oder in Gipsformen gegossen wird; anschließend erfolgt das Bemalen von Hand.

Das Unternehmen wurde von Richard Mahr gegründet und gemeinsam mit seiner Frau Minna entwickelt. Mahr war figürlicher Porzellanmaler, hatte auch in einer Porzellanmanufaktur gearbeitet. Er beschloss sich jedoch auf Papiermaché zu konzentrieren – er vermutete einen Wettbewerbsvorteil bei den Kunden im Vergleich zum teureren Porzellan. Er tüftelte und probierte – irgendwann hatte er das passende Material, gab ihm die ersten beiden Buchstaben seines Namens. Und tatsächlich machte das Unternehmen seinen Weg, beschäftigte vor dem 2. Weltkrieg bis zu 150 Mitarbeiter. Im Jahr 1940 erfolgte die kriegsbedingte Einstellung der Produktion.

Nach dem Krieg der Neustart – aber mit der Block-Bildung und der Zugehörigkeit zum Ostblock das Aus für Krippen und Weihnachtsmänner, Osterhasen und anderen Schmuck aus Marolin für die Jahreszeitenfeste. Vorläufiger Tiefpunkt: Die Enteignung im Jahr 1974, die Überführung in einen  „Volkseigenen Betrieb“ („VEB“) und schließlich als Betriebsteil eines Kombinats. Was der Ostblock beim Betriebsteil „Marolin“ orderte, waren Plastik-Spielfiguren im Spritzgussverfahren. Und irgendwann auch der Westen: Vedes, Karstadt, ToysRus bestellten günstig in Steinach in der DDR.

Dann kam das Ende der DDR… Evelyn Forkel, Urenkelin des Firmengründers, studierte Bauingenieurin, wandte sich gemeinsam mit ihrem Vater, der im Außenhandel des Kombinates, das sich das elterliche Unternehmen einverleibt hatte, weitergearbeitet hatte, an die Treuhand, kaufte den früheren Familienbetrieb zurück. Es schwang Nostalgie mit – aber es war auch eine Flucht nach vorn: Das Geschäft mit den Kunststoff-Spielzeugtieren lief und hätte doch eine Zukunft auch nach der Wiedervereinigung bieten können… Bot es aber nicht. In kürzester Zeit waren die West-Kunden aufgrund steigender Löhne und Gehälter weg. Und guter Rat teuer.

Wirklich teuer. Denn das Marolin-Rezept war auch weg. Es galt schon lange als verloren. Weil sich zu DDR-Zeiten niemand mehr dafür interessiert hatte. Ein großer Brand hatte sich im Jahr 1958 durch die Fachwerkimmobilie gefressen, auch noch viele alte Formen vernichtet.

Beim großen Aufräumen gab es die Überraschung: Auf einer Kellertür stand das verlorengeglaubte Rezept geschrieben, hatte in der Unbeachtung überlebt – und das Unternehmen konnte zu seinen Wurzeln zurückkehren.

Unter der Bezeichnung Papiermaché wurden schon verschiedenste Massen angerührt – die von Marolin besteht aus Ton, Kaolin, Pflanzenleim – und eben Papierfasern. Hinzu kommen Skelettdrähte, die den größeren Figuren zusätzliche Stabilität verleihen. Die genaue Zusammensetzung ist natürlich ein Betriebsgeheimmnis.

Tja, handbemalte Papiermaché – ökologisches und nachhaltiges Material hin, modernste zertifizierte Acrylfarben her – braucht das irgendjemand im 21. Jahrhundert? Waren nicht die schwerverwüstlichen Kunststoffspritzguss-Spielzeugtiere genau das Richtige für Kinder?

Christian Forkel, Richard Mahrs Ururenkel, der Verkauf und Marketing von Marolin leitet, sieht das natürlich auch so: „Echte Marolin-Figuren sind eher empfindlich. Ähnlich Porzellan. Es kann etwas abbrechen – und sie dürfen besser nicht runterfallen. Obwohl wir Vieles reparieren können.“ Und sie wären auch teures Spielzeug: Kleine Figuren kosten schonmal dreißig Euro, große mehr als hundert und mehr.

„Es handelt sich auch im eigentlichen Sinn nicht um Spielzeug, sondern um Design und Kunsthandwerk.“ Vielleicht auch Kulthandwerk – seriell – aus der Manufaktur. Denn die Figuren haben einen ganz eigenen Charme. Ihnen fehlt die Lackiertheit von Porzellanfiguren. Sie sind angenehm leicht, wirken fast zerbrechlich. Die Gestaltung ist eher naturalistisch… – aber kann man das von einer Figur, wie dem Weihnachtsmann, überhaupt sagen?

Marolin fertigt rund 50 verschiedene Weihnachtsmänner – in verschiedenen Größen und Ausführungen – der Verrückteste sitzt in einer Art Seifenkiste aus einem großen Schuh, ein Anderer aus den 1950er Jahren trägt ein Kind – dem Christkind sehr ähnlich – auf seiner Schulter. Forkel: „Das kann man ironisch sehen – die Figur entstand unter dem Eindruck der jungen DDR.“

In Zeiten von Facebook werden Diskussionen dazu „socialnetworkend“ geführt. Eintrag auf der Marolin-Facebook-Seite: „Lasst doch diesen neumodischen Kram“ – gemeint ist der Weihnachtsmann.

Dabei ist der Weihnachtsmann eine der wirklich alten Figuren der Menschheit. An der Martin-Luther-Universität in Halle an der Saale sitzt ‚der‘ deutsche Spezialist für den Weihnachtsmann – der Ethnologe Professor Dr. Thomas Hauschild. Hauschild veröffentlichte im Jahr 2012 den 6000 Mal verkauften wissenschaftlichen Bestseller „Weihnachtsmann – die wahre Geschichte“ (S. Fischer Wissenschaft, ISBN 978-3-10-030063-8) – im Gespräch dazu sagte er mir: „Die Idee vom Weihnachtsmann entstand vermutlich zuerst in Asien. In China gibt es den Gott Shou Xing, den kann man seit etwa dreitausend Jahren nachweisen. Der sieht unserem heutigen westlichen Weihnachtsmann sehr ähnlich – roter Mantel, weißer Bart, individueller Helfer im kalten Winter und ansprechbar für ein langes Leben.“ Und: Shou Xing fährt im rentiergezogenen Schlitten über das Firmament. „Dann gibt es den ‚Weißen Alten‘, der aus dem Himalaya in die Mongolei hinabsteigt – der ist auch sehr alt, aber mangels schriftlicher Zeugnisse schwer zu datieren.“ Und um 600, 700 unserer Zeitrechnung taucht der Bischoff von Myra (heute: Demre) aus Kleinasien bei uns auf – Nikolaus. Hauschild: „Man muss die Seidenstraße mitdenken, den uralten Austausch. Die Chinesen tauchten um Fünfzehnhundert mit Schiffen, die dreimal so groß waren, wie die von Columbus, an der Ostküste Afrikas auf. Da war der Austausch um die Idee vom Weihnachtsmann längst in vollem Gang. Ich denke, seit dem frühen Mittelalter war der Weihnachtsmann bei uns in Europa ein Faktor. Aber ich spreche sowieso lieber von einem Geflecht, er ist heute überall auf der Welt anzutreffen – die Weihnachtsmann-Idee ist gut und groß. Sie gehört zur Menschheit. Kindern und Alten, Schwachen und Kranken in Dunkelheit und Kälte zu helfen und ihnen etwas zu schenken – das ist eine einfache und zugleich starke Idee. Man könnte auch sagen: Der Weihnachtsmann steht für die Menschenrechte.“

Und das Christkind? Hauschild: „Das Christkind ist ja eine Idee der Reformation, von Martin Luther und der evangelischen Bewegung, sollte den Weihnachtsmann-Kult eindämmen und dem Christentum etwas für die kalten Tage und Nächte im Winter geben – es konnte sich jedoch nie durchsetzen. Kurioserweise ist es heute eher in katholischen Gegenden zu Hause. Aber es ist einfach nicht spannend genug.“

Heute fertigt Marolin – ganz korrekt: die Richard Mahr GmbH – wieder rund 1300 verschiedenste Figuren. Aus der selbstentwickelten Marolin-Masse. Nach den Entwürfen von Richard Mahr selbst, aber vor allem nach denen seines Mitarbeiters Julius Weigelt, inzwischen aber auch nach denen seines Ururenkels Christian Forkel. Wenn man Forkel folgenden Halbsatz hinwirft: „Das Weihnachtsgeschäft ist…“, dann beendet er ihn irgendwie seufzend so: „…dominierend. Wir machen 80 Prozent unseres Jahresumsatzes in dieser Zeit. Schöner wäre es, wenn es kontinuierlicher liefe – aber es ist eben so.“ Einzige Unterbrechung: die Osterzeit mit den Osterhasen – auch wieder so ein Marolin-Thema.

Marolin baut einstweilen Weihnachten weiter aus. Inzwischen hat man sich das Bemalen von Glas angeeignet, historische Formen für Weihnachtsbaumschmuck aus Thüringen aufgekauft. Forkel: „Viele Leute sind die modernen Farbvorgaben aus dem Handel – dieses Jahr pink, nächstes Jahr blau – leid. Sie wollen traditionellen Schmuck kaufen können. Das bieten wir jetzt auch.“ Gerade ging der neue Internet-Shop online.

Fotos: Christian Forkel, Wigmar Bressel

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Ausstellung „Die schönsten Manufaktur-Produkte – 45 neue Meisterstücke aus deutschen Manufakturen“ im Direktorenhaus in Berlin

9. Dezember 2016, Berlin. Die vorweihnachtliche Ausstellung im Direktorenhaus in Berlin zeigt 45 neue und wiederentdeckte Meisterstücke aus deutschen Manufakturen. Sie zeigt, dass auch Manufakturen ständig neue Produkte entwerfen, weiterentwickeln, modernisieren – für einen sich ständig weiterentwickelnden Markt.

Schön. Mit einem großen Anteil Handarbeit. Innovativ.

Vom feinen doppelwandigen Porzellan bis zur neuen Messerform. Von Globus bis Uhr. Von Maßschuh bis zum „unkaputtbaren“ Brillengestell. Alles Manufakturarbeit.

Von ALLGÄUER KERAMIK, BERLINER MESSINGLAMPEN, COLUMBUS VERLAG, KAFFEERÖSTEREI DE KOFFIEMANN, EMIL SCHEIBEL SCHWARZWALDBRENNEREI, FLAIR, FEINGERÄTEBAU K. FISCHER, GÜDE, MONO, PORZELLANMANUFAKTUR FÜRSTENBERG, STRICKMANUFAKTUR ZELLA, TUTIMA UHRENFABRIK, WALDMANN, WENDT & KÜHN, KUPFERMANUFAKTUR WEYERSBERG, MAROLIN, DIBBERN, LMW LEUCHTENMANUFACTUR WURZEN, GLASMANUFAKTUR VON POSCHINGER, GEHRING, MÜHLE SHAVINGS, SGT SPEZIAL- UND GERÄTETASCHEN, VICKERMANN & STOYA, TAMESIS DESIGN.

Begleitet wird die Ausstellung von Fotografien des Künstlers Stefan Berg. Durch die Beobachtung eines Schuhmachers hat Berg Sinn und Sinnlichkeit, Innovation und eine sehr am Menschen orientierte Arbeitsform neu entdeckt.

Vernissage: 9. Dezember 2016, 19.00 Uhr

Ausstellungslaufzeit: 12. – 19. Dezember 2016, Mo – Fr 9.00 – 17.00 Uhr, Sa 14.00 – 17.00 Uhr, So geschlossen

Eintritt frei

Direktorenhaus – Museum für Kunst Handwerk Design, Am Krögel 2, 10179 Berlin

Ein Gemeinschaftsprojekt von Direktorenhaus und Verband Deutsche Manufakturen e. V.

Foto: Deha Uzbas

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„Industrie 4.0 ist in der Manufaktur kein Widerspruch“

29. November 2016, Raubling. Die Wirtschaft steht an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution. Durch das Internet getrieben, wachsen reale und virtuelle Welt immer weiter zu einem Internet der Dinge zusammen. Die Kennzeichen der künftigen Form der Industrieproduktion sind die starke Individualisierung der Produkte unter den Bedingungen einer hoch flexibilisierten Produktion, die weitgehende Integration von Kundinnen und Kunden sowie Geschäftspartnerinnen und -partnern in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse und die Verkopplung von Produktion und hochwertigen Dienstleistungen, die in sogenannten hybriden Produkten mündet. Die deutsche Industrie hat jetzt die Chance, die vierte industrielle Revolution aktiv mitzugestalten. Mit dem Zukunftsprojekt Industrie 4.0 wollen wir diesen Prozess unterstützen.

Ist Industrie 4.0 in der Manufaktur ein Widerspruch? ‚Made in Germany‘ ist als Marke nicht mehr selbstverständlich ein Garant für die Zukunft Deutschlands als Technologiestandort. Nicht stehen bleiben, sondern sich weiter entwickeln heißt die Devise, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Industrie 4.0 stellt uns vor neue Herausforderungen, bietet aber auch enorme Chancen.

Wir von der IDE-Compressors Manufaktur haben uns zu allererst gefragt, ob Industrie 4.0 überhaupt ein Thema ist, das sich in einer Maschinenbaumanufaktur wirkungsvoll verwirklichen lässt – oder stellt es bei aller Prozessautomatisierung eher einen Hemmschuh dar?

Wie stellt man jedoch den eigenen Betrieb zukunftssicher auf, macht ihn „Industrie 4.0 ready“ und wappnet sich für die digitale Zukunft?

Im Austausch mit einigen Gesprächspartnern stellte ich immer wieder fest, dass oft der Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen wird und viele das Thema mit der alleinigen Digitalisierung der Produktion assoziieren.

Industrie 4.0 bietet jedoch sehr viel mehr Möglichkeiten.

Es ist notwendig, Netzwerke zu schaffen, die unsere Manufaktur befähigen, überproportionale Auftragsvolumina so zu handhaben, dass am Ende auch noch ein Ertrag dasteht. Dies bedeutet, mit verlängerten Werkbänken zu arbeiten. Natürlich streben wir nach kontinuierlicher Auslastung, wir können sie jedoch nur bedingt steuern – und gegen Einbrüche im Auftragseingang ist man nicht gefeit. Dafür braucht es dann Ideen, um die Beschäftigung aufrecht zu erhalten.

Der Service ist im Bereich Maschinen- und Anlagenbau ein kontinuierlich wachsender Bereich. Über den Service hinaus sind wir dabei, eine Reihe von Dienstleistungen herauszuarbeiten. Wir sind im Bereich der vernetzten Kompressoren und Füllanlagen sicherlich Vordenker und in einigen Bereichen Technologieführer. Unser Angebot geht eher in Richtung Nullserienfertigung und Ablaufmanagement.

Das Leitmotto ‚Industrie 4.0‘ der Hannover Messe war genau der richtige Impuls. Jetzt gilt es, gemeinsam auch mit Marktbegleitern an definierten Schnittstellen zu arbeiten, um die Vernetzung von Maschinen und Anlagen – insbesondere in der Klein- und Nullserienfertigung – zu standardisieren. Wir werden hier unsere Kernkompetenz, die wir uns in der Entwicklung von Hard- und Softwareschnittstellen und Steuerungen erarbeitet haben, weiter ausbauen und uns als Problemlöser grundsätzlich für alle auf dem Atemluft- und Hochdruckkompressoren-Markt anbieten.

Wir haben 2015 entschieden, dass wir eine komplett neue modulare Digitale HMI-Steuerung und -Überwachung entwickeln werden. Mit diesen modularen Steuerungen werden am Ende mehrere Maschinen-Baureihen ausgestattet.

Damit wollen wir interessierte Kunden, die beispielsweise Anlagen benötigen, die mit einem digital vernetzten Rundum-Sorglos-Paket ausgerüstet sind, gewinnen und bedienen.

Das Gros unserer Wettbewerber ist auf Masse getrimmt. IDE-Compressors Manufaktur ist eine Ideenfabrik, ein Think Tank, – und eine Manufaktur, die kundenspezifische Probleme löst. Wenn es sein muss, bauen wir Maschinen in der Losgröße eins. Wir sind unsere eigene Prozesskette, da wir eine eigene Soft- und Hardwareentwicklung im Haus haben und in keinem Abhängigkeitsverhältnis stehen in Bezug auf die Antriebs- und Steuerungstechnik.

Wir werden auch in Zukunft verstärkt hoch spezialisiert und absolut kundenorientierte Lösungen anbieten, die unseren Kunden weltweit schnell und zuverlässig Vorteile und Kosteneinsparungen bringen. Um unsere Flexibilität zu bewahren, werden wir den Massenmarkt Anderen überlassen. Wir haben natürlich über die verlängerte Werkbank auch eine Serienfertigung. Diese ist notwendig, um dem Wettbewerb bei preissensiblen Produkten gerecht zu werden. So etwas lässt sich nicht auf der Manufaktur-Basis machen.

Wir gehen in der Zukunft den Weg des Ausbaus der eigenen Infrastruktur, für uns ist das Gebot der Stunde, die bisherigen Investitionen zu schützen und neue Dienste für ihre Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter zu entwickeln, um diese an uns zu binden. Denn das erhöht die Zufriedenheit aller Beteiligten und schafft mehr Visibilität. Wir entwickeln Technologien zur Integration der IT-gestützten Steuerungen, Produktions- und Qualitätsüberwachungs-Systeme und die Überwachung der dazugehörigen Prozesse und „Service Levels“.

Somit haben wir uns die Basis für weitere Schritte in der Zukunft geschaffen.

Mein Fazit: Industrie 4.0 ist in der Manufaktur kein Widerspruch.

Foto: IDE-Compressors Manufaktur GmbH / Gabriele Adam

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Dr. Birgit Bornemeier: „Kaum jemand hat bereits deutsche Whiskys probiert oder weiß von der Vielfalt an Angeboten“

17. November 2016, Detmold. Auf dem 1. Brandenburger Manufakturentag habe ich Single Malt Whisky mit dem schönen Namen „Der Kolonist“ von der Burger Hofbrennerei  getrunken. Eindeutig ein Single Malt – aber doch ganz anders, als die bekannten Schotten. Welche Chance hat wohl ein dreijähriger Brandenburger Whisky auf dem Markt, zumal mit einem Preis von EUR 48,00?  Jetzt naht die Messe ‚Bottle Market‘ (18.-20. November 2016) in Bremen. Vor einem Jahr habe ich Dr. Birgit Bornemeier auf dieser Messe kennengelernt – eine der Fachleute in Deutschland für Whisky. Denn die promovierte Geographin aus Detmold führt seit vielen Jahren erfolgreich ihr Reiseunternehmen ‚Reisekultouren‘, das sie gründete, um Whisky-Genießer quer durch Schottland und die Welt zu lotsen. Ich habe sie angerufen und zu deutschem Whisky interviewt.

Frau Dr. Bornemeier, ist deutscher Whisky inzwischen für den erfahrenen Whiskytrinker ‚interessant‘?

Dr. Bornemeier: Das Spannende am Whisky ist die extreme Vielfalt. Wer „nur“ schottisch trinkt, der verpasst etwas.

Wir sind als Reiseveranstalter auf Whiskyreisen spezialisiert. Qualität und Geschmack der Destillate sind für unsere Arbeit natürlich wichtig, denn sie sind der Dreh- und Angelpunkt, an dem sich das Interesse der Genießer verankert. Für mich zählt jedoch insbesondere der Erlebniswert: Wer sind die Macher? Wie kommen sie dazu, ausgerechnet Whisky herzustellen und wie genau wird produziert? Was ist das Besondere der jeweiligen Destillerie? Das ist für mich als Reiseveranstalter wichtiger als eine tasting note, denn Aromen kann man auch zuhause auf dem Sofa entdecken, dafür braucht es keine Reise. Viele deutsche Brenner sind sehr kreativ, experimentieren mit Getreide, mit Torf oder legen den Whisky einfach mal im Watt vor Sylt in den Schlick.

Ich komme aus der Geographie und erlebe Whisky als ‚Landeskunde im Glas‘. Whisky spiegelt ein Stück weit die Region, aus der er stammt. Deutschland ist meines Erachtens im Zusammenhang mit Österreich, Liechtenstein und der Schweiz zu sehen. In diesen Ländern gibt es eine lange Tradition speziell für Obstbrände, die ein sehr sauberes Verfahren und viel Expertise voraussetzen. Unsere Brenner steigen also auf einem hohen Level in die Whiskyproduktion ein. Zudem ist die Brenntechnik eine andere und dies bedingt andere Geschmacksnoten und Charakteristika. Es geht nicht darum, einen schottischen Whisky zu kopieren. Wer das erkennt und offen für Neues und Anderes ist, kann im deutschsprachigen Raum viel Interessantes entdecken.

Wie sehen Sie den Whisky-Produktionsstandort Deutschland – im Vergleich zu Schottland, den USA oder Japan?

Deutschland hat sich als Whisky-Produktionsstandort in den letzten Jahren zunehmend etabliert. Als ich vor 10 Jahren begann, Whiskyreisen anzubieten, da war deutscher Whisky auf Fachmessen kaum ein Thema. Konnte jemand fünf Brennereien benennen, dann war das viel. Hatte tatsächlich jemand probiert, dann tendierte das Feedback oft in Richtung „untrinkbar“. Dabei klangen noch viele Vorurteile durch. 2013 präsentierte der Kartenverlag Alba Collection dann seine erste „D-A-CH“-Whiskykarte und visualisierte damit eine unglaubliche Zahl von zunächst 161 Whisky produzierenden Betrieben. Auf der Karte, auf Messen und in den Medien wurde deutscher Whisky sichtbar und das Interesse nahm in der Folge spürbar zu. Inzwischen sind auf dieser Whiskykarte 260 Betriebe verzeichnet, davon allein 170 in Deutschland.

Manufakturen-Blog: die Whisky-Destillen-Karte für Deutschland, Österreich und die Schweiz von Alba Collection (Foto: Alba Collection)

Manufakturen-Blog: die Whisky-Destillen-Karte für Deutschland, Österreich und die Schweiz von Alba Collection (Foto: Alba Collection)

Mittlerweile ist deutscher Whisky in der mental map der deutschen Whiskyenthusiasten, auf Whiskyfestivals, in Bars und heimischen Barschränken angekommen. Dahinter steckt mächtig viel Engagement seitens der Macher, die notwendige Zeit zur Reife der Destillate, natürlich viel Marketing und Öffentlichkeitsarbeit – aber auch ein „drink local“ und die Neugierde der Konsumenten. Dabei darf man die Größe der Betriebe nicht außer Acht lassen: Im Vergleich von D-A-CH mit Schottland tritt David gegen Goliath an. Ich habe in der Schweiz Brennereien gesehen, wo zwei Fässer Whisky neben einer Kiste Cola und den Nutella-Gläsern der Familie lagern. Ich war im Fasslager des größten deutschen Whiskyproduzenten, in dem noch eine Extra-Balkenlage direkt unter dem Dach eingezogen wurde, um den nötigen Platz für Emmer- und Dinkel-Whisky zu schaffen. Gegen Giganten wie Glenfiddich oder Glenlivet ist das alles „micro“ und oft experimentell. Gerade das macht den besonderen Reiz aus. Die Stärke des deutschsprachigen Raumes sehe ich in der Brenntradition, die in Familien seit Generationen gepflegt wird. Das ist etwas Besonderes.

Hervorragender, guter und weniger guter Whisky wird mittlerweile in unzähligen Ländern produziert. In Schottland produzieren im Moment 115 Betriebe, in Irland 18. Beide Länder werden i.d.R. an vorderster Stelle genannt, wenn es um Whisky geht. Dann folgen USA und Japan.

Kürzlich ist eine USA-Whiskykarte erschienen. Dass es dort viele Produzenten gibt, ist bekannt, doch eine Zahl von über 800 Brennereien erstaunt dennoch. Japanischer Whisky erlebte im Herbst 2014 einen überraschenden Hype. Internationale Medien

hatten eine Pressemitteilung des Whiskyexperten Jim Murray aufgriffen, der ein spezielles Bottling von Yamazaki als weltbesten Whisky auszeichnete. ZEIT- wie BILD-Leser wussten plötzlich, dass japanischer Whisky viel besser sei als schottische Brände – und generalisierten. Whiskyshops wurden daraufhin über Nacht mit sprunghaft gestiegener Nachfrage konfrontiert und Japan war in aller Munde. Dass auch in Indien und Taiwan sehr viel beziehungsweise guter Whisky hergestellt wird, damit kann man selbst Besucher von Fachveranstaltungen, wie den einschlägigen Whiskyfestivals, immer noch überraschen.

Wir haben für unsere Reisegäste einmal ein Tasting mit Jim Murray arrangiert, für das Whiskykenner und Enthusiasten aus ganz Deutschland den weiten Weg zu uns in den Teutoburger Wald reisten. Es war ein blind tasting. Von 100 Gästen hatte niemand zwölf Richtige. Wir fragten lediglich nach Produktionsländern, nicht nach Whisky-Destillerien! Die meisten tippten im Zweifelsfall auf Schottland. Peated Malt muss von Islay sein und wenn ihn ein Jim Murray präsentiert, dann ist es bestimmt ein Ardbeg… Was beeinflusst den individuellen Geschmack? Die romantisierte Fasslagerung im Warehouse am Meer oder Wasser, das durch Islay-Torf sickerte? Die Grenzen sind in den Köpfen.

Ist Whisky Ihrer Meinung nach ein kurzeitiger Hype? Oder ist das Entstehen von immer mehr Destillen nachhaltig?

Für einen Hype hält die Nachfrage schon zu lange an und das rasante Wachstum von neuen Destillen und Erweiterungen geht weiter. Das Rechercheteam von Alba Collection meldete gerade für Schottland 37 und für Irland 23 Neubauprojekte. Auch neue Whiskyevents und Messen entstehen überall und es ist kein Ende in Sicht. Auf der anderen Seite hört man in der Szene längst Stimmen, dass es nicht ewig so weiter gehen kann und sehr bald ein Kollaps einsetzen wird.

Es gibt sicherlich einen breiten Markt von Whiskykonsumenten, die Whisky trinken, weil es gerade ‚in‘ ist oder mal reinschnuppern, weil sie darauf aufmerksam wurden. Andere sammeln – entweder aus Passion oder als Geldanlage. Für die Mehrzahl unserer Gäste ist Whisky jedoch viel mehr, als nur ein Hobby. Es ist ein genussvoller Lebensstil. Das Thema ist ziemlich komplex und wer sich auskennen möchte, der wird viel lesen, viel fragen und eine Menge Zeit und Geld investieren.

Welche Anforderungen müssten deutsche Whisky-Destillen erfüllen, damit es für ein professionelles Reiseunternehmen wie Reisekultouren interessant wird, diese „anzusteuern“?

Erlebniswert und Exklusivität. Eine einzelne Destillerie mit Besucherzentrum und zwei bis drei Tastingvarianten ist im Rahmen einer klassischen Busrundreise ein Programmbaustein oder ein Schwerpunktbesuch. Das gilt in Schottland wie in Deutschland, doch das ist nicht unser Markt. Unsere REISEKULTOUREN-Signature-Tours gehen das Thema Whisky sehr viel spezieller an. Für die Reisetechnik ist wichtig, dass sich mehrere Betriebe zu einer inhaltlich interessanten und abwechslungsreichen Tour vernetzen lassen, ohne dass allzu große Distanzen überbrückt werden müssen. Insbesondere in Süddeutschland wäre das möglich. Es gibt bereits Wanderungen, die mehrere Destillerien als Tagesprogramm gemeinsam auflegen. Das ist eine prima Idee, doch hierfür braucht man keinen Reiseveranstalter wie uns. Solche Angebote werden in der Regel von Gästen direkt gebucht, zumal wir in Deutschland keine Hemmschwelle wie Sprachbarrieren oder das Fahren auf der vermeintlich falschen Straßenseite haben.

Der Erlebniswert ist wichtig und da sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Doch ohne eine Exklusivität im Produkt werden wir von Direktbuchern kopiert. Interessant wären für uns also Angebote, die sich exakt am Interesse unserer sehr interessierten Gäste orientieren und die tatsächlich ausschließlich über uns buchbar sind.

Können sich deutsche Destillen bei Ihnen darum bewerben, als Reiseziele aufgenommen zu werden? Wäre das nicht für ausländische Whisky-Fans spannend? Kurz: Wann nimmt Reisekultouren die erste geführte Reise zu deutschen Destillen ins Programm auf?

Gegenfrage: Sind Sie der Meinung, dass deutscher Whisky im Ausland bereits ausreichend bekannt ist, um ein thematisches Reiseinteresse auszulösen? Ich habe oft Samples von D-A-CH-Whisky- bzw. deutsche Whiskykarten bei mir, wenn ich in Schottland reise. Damit kann man stundenlange Gespräche anzetteln, denn kaum jemand hat bereits deutsche Whiskys probiert oder weiß von der Vielfalt an Angeboten. Wenn eine Flasche in einem spezialisierten Pub oder einer Bar steht, dann hat sie meist ein Gast mitgebracht. Ich werde dann oft geneckt, ich würde Eulen nach Athen tragen oder, wie man in Schottland sagt, Kohlen nach Newcastle.

‚Reisekultouren‘ ist Fördermitglied im Verband Deutscher Whiskybrenner und ich freue mich sehr über Kooperationsinteresse von Seiten der deutschen Whiskyszene, zumal auch bereits viele Destillateure eine meiner Studien- und Fachstudienreisen wahrgenommen haben. Wir sind durchaus schon im deutschsprachigen Raum aktiv und bieten Reisen zu den deutschen Whiskyfestivals an, auf denen immer mehr deutsche Brennereien ausstellen. Ergänzend haben wir einen Whisky- und Gin-Destillationsworkshop im Oberrheintal im Programm. Eine PKW-Rundreise zum Thema Alpine Whisky haben wir bereits 2012 entwickelt, noch bevor die Whiskys aus der Schweiz und Österreich Importeure in Deutschland hatten. Mittlerweile ist sie allerdings wieder offline gesetzt, da es gar keine Nachfrage gab.

Für eine geführte Reise zu den Destillerien im deutschsprachigen Raum habe ich bereits eine konkrete Idee zum Tourverlauf und kann versprechen, dass es ‚Landeskunde im Glas‘ sein wird, bei der wir die besonderen Facetten des deutschen Whiskys herausarbeiten werden. Doch noch ist es nicht so weit.

Danke für das Gespräch!

Frau Dr. Bornemeier ist auch in 2016 wieder auf dem ‚Bottle Market‚ – wenn Sie auch gerne einmal mit ihr fachsimpeln und sich über die Reisemöglichkeiten zu schottisschen Destillen informieren möchten: Halle 7 Stand C 46  ‚Reisekultouren‘

Fotos: Reisekultouren, Alba Collection

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Pascal Johanssen: „Die Worldtour bekommt eine zusätzliche Ausstellung in Berlin“

5. Februar 2016, Berlin. Eines der größten derzeit laufenden Projekte in der deutschen Manufakturenwelt ist die „Worldtour Handmade in Germany“: 150 Manufakturen, Kunsthandwerker und Designer haben vor zwei Jahren wichtige Produkte auf eine Ausstellungsreise rund um den Globus geschickt – sie wurden bisher in Ausstellungshäusern und Designmuseen von Sankt Petersburg bis Shanghai gezeigt. Mit großem Erfolg: Tausende Besucher haben sich an jedem Standort mit deutschem Design und den Produkten auseinandergesetzt. In diesem Jahr eröffnen die Ausstellungen in Zhengzhou, Katar und Macao. Die Macher der Ausstellung sind Pascal Johanssen und Katja Kleiss vom Direktorenhaus in Berlin.

Pascal JohanssenJetzt kommt die Überraschung: Parallel zur Tour soll eine Zweitausstellung am 8. September 2016 in Berlin eröffnen. Pascal Johanssen: „Wir hatten das Gefühl, dass die Worldtour eine Basis braucht. Außerdem gibt es viele Besucher, die die ursprüngliche Ausstellung im Direktorenhaus im Jahr 2012 gesehen haben – und sich fragen, was ist eigentlich daraus geworden? Das Interesse ist unheimlich groß; aber die wenigstens Interessenten reisen nach China, um sich dort die Produkte aus deutschen Manufakturen anzusehen. Es wird von ihnen erwartet, dass sich deutsche Manufakturen auch irgendwo in Deutschland präsentieren.“

Das heißt natürlich auch: Eine zweite Ausstellung muss bestückt und aufgebaut werden. Johanssen: „Das ist richtig. Wir können die Ausstellung nicht einfach so von der anderen Seite der Erde zwischendurch zurückholen. Die Aussteller müssen also eine zweite Ausrüstung für diese Ausstellung vornehmen. Dafür wird sie die Aussteller jedoch auch nichts darüber hinaus kosten. Wir machen das als Zugabe.“

Und können sich weitere interessierte Aussteller in die Berliner Ausstellung ‚einkaufen‘? Pascal Johanssen: „Nein, das wird exklusiv für die Teilnehmer der Worldtour sein. Wir werden unsere Ausstellungsflächen im Direktorenhaus auf weitere Gebäudeteile ausweiten, damit wir für alle genügend Platz haben.“

Geplant ist zur Ausstellungseröffnung in Berlin auch ein Workshop zum Thema China, denn die Direktorenhaus-Mannschaft will ihre Erfahrungen gerne weitergeben. Johanssen: „China ist ein riesiger Markt. Aber kaum ein kleiner deutscher Mittelständler ist da – denn es ist ehrlich gesagt auch kompliziert, dorthin zu kommen. Wir wollen berichten, wie das gehen kann, haben ja auch einen chinesischen Webshop in Vorbereitung.“

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Fotos und Video von der Ausstellung in Shanghai: Direktorenhaus

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