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Mitgliederversammlung wählt Bressel und Federhofer-Mümmler zum neuen Vorstandsteam im Verband Deutsche Manufakturen

20. Januar 2018, Bremen. Die  Mitglieder des Verbandes Deutsche Manufakturen e. V. haben gewählt – Wigmar Bressel (Silberwarenmanufaktur Koch & Bergfeld) bleibt für weitere zwei Jahre Vorsitzender; er erhält jedoch einen neuen Stellvertreter: Brigitte Federhofer-Mümmler von der Holzschreibgerätemanufaktur e+m Holzprodukte aus Neumarkt in der Oberpfalz. Hartmut Gehring (Gering Schneidwaren), der im Sommer 2017 an die Spitze des Industrieverbandes Schneid- und Haushaltswaren (IVSH) gewählt worden war, wechselt in den Beirat.

Auch der Beirat, der für die Aufnahme neuer Verbandsmitglieder zuständig ist, wurde teilweise neu besetzt – einstimmig gewählt wurden:

Johan Conze (Deumer)

Hartmut Gehring (Gehring Schneidwaren)

Lothar Göthel (Ars Galea / SGT Spezial- und Gerätetaschen)

Dr. Thomas Koy (Holzmanufaktur Liebich)

Annet Loibl (Tamesis Design)

Andreas Müller (Mühle Rasurkultur)

Gabriele Pötzsch (LMW Leuchten Manufactur Wurzen)

Foto: Volker Gehring

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Orden, Anstecknadeln, Manschettenknöpfe – Deumer gibt die Antwort auf die Frage nach Manufaktur-Schmuck

29. November 2017, Lüdenscheid. Ich trage ja meistens Manschettenknöpfe. Kunststück – da ich wegen etwas längerer Arme sowieso nur Maßhemden von Campe & Ohff ordere, kann ich mir die Manschettenform für jedes Hemd aussuchen; preislich sind sie gleich, ob mit Umschlag für den Zierknopf, oder die Sportmanschette mit Kunststoff-Perlmutt-Imitat. Also bestelle ich oft „für Manschettenknöpfe“. Da im Knopf-Handel viel minderwertige Gussware angeboten wird, war es also „wenn, dann“ der Gang zum Goldschmied oder Juwelier. Vor einiger Zeit traf ich auf ein faszinierendes Paar in Sterlingsilber mit umlaufendem blauen Emaille-Band – von Deumer. Es wurde für mich Zeit, der Frage nachzugehen, wo serieller Manufaktur-Schmuck aus Deutschland seinen Platz hat, wenn auf der einen Seite billigerer Import aus Fernost drängt, auf der anderen Seite der Goldschmied mit Unikaten lockt. Ich fuhr ins Sauerland.

Lüdenscheid. Von einer Frau in einer Besprechung in Bochum wurde ich zuvor gewarnt, man wolle „dort nicht tot über dem Zaun hängen“. Und so präsentierte sich Lüdenscheid – immerhin oberhalb von 420 Metern über ‚Normal-Null‘ liegend – auch im November bei einem Grad Celsius und Schneefall grau. Deumers Adresse ‚Gartenstraße‘ hatte mich schon lange irritiert – Gewerbebau auf der „grünen Wiese“? Ja, aber irgendwie beruhigt stellte ich fest, dass es sich bei der heutigen Innenstadt-Lage um die namensgebenden Gärten zur Gründerzeit gehandelt haben muss, und mein Bild vom berühmten Produzenten nicht durch einen heutigen Trapezblechbau zu leiden braucht. Deumer produziert immer noch in einem schlichten, mehretagigen Fabrikbau mit Innenhof aus ebenjener Zeit. Innendrin die Faszination aus Altbau, Umbau, Anbau; Holzfußböden, grüne Maschinen, Mitarbeiter, die Raum für Raum an diesen klitzekleinen Anstecknadeln, Schmuckstücken, Orden, Medaillen, Manschettenknöpfen arbeiten. Werkzeuge bauen, vergolden, polieren, Emaille schmelzen, Metall mit dem Pinsel lackieren. Hochkonzentriert. Es duftet nach Schmieröl, es rumst, wenn die Spindelpresse losschlägt, die Stanze die Ronden aus den Blechen haut.

Johan Conze ist allein da. Sein Bruder und Mitgeschäftsführer Friedrich ist unterwegs. Den Conzes gehört das Unternehmen seit vier Generationen, seit ihr Urgroßonkel Wilhelm Conze vor hundert Jahren von der kinderlosen zweiten Deumer-Generation die Geschäftsanteile erwarb.

Manufakturen-Blog: Die Brüder Johan Conze und Friedrich Assmann leiten Deumer seit der Jahrtausendwende (Foto: Deumer)

Die Brüder Johan Conze und Friedrich Assmann (v. l.) leiten Deumer seit der Jahrtausendwende

Eigentlich wäre Wilhelm Deumer im Jahr 1863 auch mit Metallknöpfen für Uniformen gestartet. „In Lüdenscheid ist die Metallbearbeitung seit zweitausend Jahren nachgewiesen. Unsere Stadt war sogar einmal die Welthauptstadt der Metallknopf-Produktion – hier gab es 180 Firmen, die Knöpfe produzierten“, erzählt Johan Conze. Auf einmal hat Lüdenscheid mein Interesse. Und heute? „Gibt es nicht mehr. Wir bieten gerne noch Knöpfe für Smokinghemden an.“ Conze lacht. Es ist klar, dass man die 27 Mitarbeiter des Unternehmens damit nicht auslasten kann. Nicht einen, genaugenommen. Als hätte es Wilhelm Deumer – selbst gelerntet Metallbearbeiter und ursprünglich in der Knopfproduktion zu Hause – geahnt, hörte er von einem neuen Vergoldungverfahren und gewann einen Geschäftspartner zur Gründung seiner Fabrik mit dem Schwerpunkt Medaillen und Abzeichen.

Er bewarb sich erfolgreich um die Fertigung von Orden und Auszeichnungen – selbst heute macht ein ganz schöner Teil vom Umsatz die Fertigung von Schützenmedaillen aus. „Die sind immer noch häufig aus Silber.“ Obwohl selbst Lieferant von Auszeichungen für Armee und Politik zwischen 1933 und 1945, fertigt Deumer ab Kriegsende bis zum Abzug der britischen Truppen nach dem Mauerfall zahlreiche  Auszeichnungen der Britischen Rheinarmee. „Heute wächst der Umsatz mit hochwertigen Firmenauszeichnungen, Anstecknadeln… die können ruhig schon mal etwas kosten!“, Conze zeigt mir Beispiele, die gerade in Produktion sind: Echtgold, mit Brillianten besetzt, für die erfolgreichsten Vertriebsleute eines großen deutschen Mittelständlers. „Für solch eine Nadel brauchen wir schonmal 600 Euro.“ Und – wollen Männer so ausgezeichnet werden (es fehlt ja an Eichenlaub und Schwertern dazu)? „Also mir sagt der Einkäufer: unbedingt! Aber es liegt für die Ausgezeichneten ja auch immer noch ein großer Check für Boni dabei.“

Auf die Emaillewerkstatt ist man bei Deumer natürlich sehr stolz. Conze: „Wir sind die Einzigen in Deutschland, die das noch im seriellen Stil betreiben und können.“ Und so kommen zum Beispiel immer noch die Porsche-Embleme für alle, die sie sich zumeist für ihre historischen 911er leisten wollen und bestellen, von Deumer. Denn werkseitig werden heute in der Herstellung weniger aufwendige Deckelwappen verbaut.

Daher rührt auch die Deumer-typische Verbindung von Emaille und Manschettenknopf. Eigentlich ist dieses Schmelzglas nicht wertvoll – aber die Verarbeitung ist schwierig und aufwendig: Mit einer Flüssigkeit verbinden, schmelzen, Risse und Unebenheiten polieren, wieder überschmelzen, wieder polieren… Dabei ist Emaille schon lange bekannt: Die ältesten Funde stammen aus mykenischen Gräbern und seien 3500 Jahre alt, heißt es im firmeneigenen Blog.

Manufakturen-Blog: Schleifen und polierenen - bis alles schön glatt ist und glänzt (Foto: Wigmar Bressel)

Schleifen und polieren ist die wichtigste Handarbeit – bis alles schön glatt ist und glänzt, wie bei dieser Anstecknadel, die Dennis Busse poliert


Manufakturen-Blog: Manschettenknopf 'Blaues Band' mit blauem Knopf-Gegenstück (Foto: Deumer)

Manschettenknopf ‚Blaues Band‘ in Sterlingsilber mit blauem Knopf-Gegenstück

Der Aufwand, sehr gute Emaille zu erschaffen, ist der Grund, weshalb sie aus der Verarbeitung nahezu verschwunden ist. Der Industrie ist sie – außer als hauchdünne Industrie-Emaille beim Backblech – zu teuer; für Handwerker – wie Goldschmiede und Juweliere – ist sie kaum vorzuhalten: Schmelzofen, Energiebedarf, serielle Fertigung in Stückzahlen – das kann nur die Manufaktur noch leisten. Und da ist Deumer die Einzige. Und es beantwortet auch die Frage zur Notwendigkeit seriellen Manufakturschmucks – nur so können bestimmte kulturelle Handwerkstechniken, wie diese, erhalten bleiben.

Der theoretisch günstige Werkstoff Emaille ist also aufgrund seiner Seltenheit und seiner kulturellen Bedeutung wertvoll geworden – und so geht er bei Deumer eine schöne Symbiose mit Gold, Silber und anderen Metallen ein.

Meine ersten Manschettenknöpfe habe ich mir von meinem Vater geliehen, um im ersten Smoking meines Lebens zum Landespresseball gehen zu können. Es waren wunderbare, jedoch sehr einfach verarbeitet, Emaille-Silber-Knöpfe – eben aus der armen Nachkriegszeit. Ich war 21 Jahre alt. Zwei Jahre später nötigte ich auf Besuch bei meinem Onkel Arturo in Madrid diesen, mit mir in die Innenstadt zu fahren – ich habe mir bei einem Juwelier dann ‚Goldene‘ gekauft, die ich immer noch gerne trage (und an ihn denke). Bei Messeaufenthalten auf der ‚Ambiente‘ kamen Verschiedene aus Silber und Gold eines italienischen Anbieters hinzu. Dann kam der Mut, eigene Manschettenknöpfe zu entwerfen – sie sind gewölbt und rund oder gewölbt und quadratisch, aus Silberblechen ausgesägt und von Hand geschlagen. Hundert Stück mögen wir im Laufe einiger Jahre verkauft haben… Jetzt habe ich mir also nach langer Zeit wieder ein Paar gekauft – natürlich das mit dem blauen Band.

Ja, Manschettenknöpfe… man übersteht das Leben wahrscheinlich auch ohne – jedoch nicht so schön!

Fotos: Wigmar Bressel, Deumer (2)

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Zur Geschichte der Manschettenknöpfe ‚Blaues Band‘ im Unternehmens-Blog bei Deumer…

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ManufakturenForum 2018 wird die erste große Endverbraucher-Messe für Manufakturprodukte

23. November 2017, Bochum. Darauf hat die Manufakturen-Branche schon lange gewartet: Dass ein seriöser, öffentlicher Messeveranstalter sich traut, eine große Endverbraucher-Veranstaltung anzugehen. Nun macht die Bochumer Veranstaltungs-GmbH den Schritt, will mit einem Jahr Vorlauf mindestens 60 Manufakturen als Aussteller für ihre renommierte Jahrhunderthalle in Bochum gewinnen. Ideeller Träger des Projektes ManufakturenForum ist der Verband Deutsche Manufakturen.

Die Jahrhunderthalle in Bochum ist ein besonderer Veranstaltungsort: Sie wurde für das Jahr 1902 als Beitrag des Bochumer Vereins für die Industrie- und Gewerbeausstellung in Düsseldorf konzipiert. Klar war von vorneherein, dass die Halle nach der Ausstellung wieder abgebaut und nach Bochum auf das Vereinsgelände verlegt werden sollte. Also entschloss man sich für eine Stahlträgerkonstruktion. Da der erste erfolgreiche Guss des Bochumer Vereins Glocken waren, wurde die Halle in Form eines gotischen Kirchenschiffs entworfen – in Düsseldorf wurde sogar ein Glockenturm aufgestellt, auf dessen Umzug nach Bochum man jedoch verzichtete. Aus der Halle wurde nach der Ausstellung die neue Gaskraftzentrale des Vereins.

Manufakturen-Blog: Die Jahrhunderthalle, als sie noch mit allen Verzierungen und Glockenturm in Düsseldorf stand (Foto: Ausstellungskatalog)

Die Jahrhunderthalle, als sie noch mit allen Verzierungen und Glockenturm in Düsseldorf stand… (Foto: Ausstellungskatalog)

Manufakturen-Blog: Die Jahrhunderthalle steht seit 100 Jahren in Bochum - ein Schmuckstück von Veranstaltungshalle (Foto: Bochumer Veranstaltungs-GmbH)

…und wie sie heute in Bochum steht – ein Schmuckstück von Veranstaltungshalle (Foto: Bochumer Veranstaltungs-GmbH)

Nach dem Ende der Stahlproduktion am Standort Bochum-Stahlhausen transfomierte die Konstruktion zum Veranstaltungszentrum für die Ruhrtrienale – heute eine vielfach nutzbare Halle mit knapp 9000 Quadratmetern mit Millionen Besuchern jedes Jahr.

„Wir finden halt, dass Manufakturen und unser Industriedenkmal besonders gut zusammenpassen. Die Faszination der kathedralenartigen Industrie-Architektur auf der einen Seite – die mit einem hohen Anteil an Handarbeit sorgfältig und präzise gefertigten Produkte aus den Manufakturen auf der anderen Seite. Diesen wollen wir mit unserer Halle ein attraktives Podium bieten“, sagt Regina Scheffels, die Bereichsleiterin Strategie & Marketing der Bochumer Veranstaltungs-GmbH. Also wurde lange darüber nachgedacht, wie man eine repräsentative Ausstellung mit entsprechenden Ausstellern auf die Beine stellen kann. Eine Idee war, den Verband Deutsche Manufakturen einzubinden, um einen Partner zu haben, der bei der Auswahl der Aussteller berät und für das öffentliche Programm auf der Bühne zuständig ist. Verbandsvorsitzender Wigmar Bressel: „Wir können nur jedem Manufaktur-Unternehmer empfehlen, die Teilnahme an der Messe zu prüfen. Unser Einzelhandel ist vor allem in der Fläche stark rückläufig. Dies wird ein professionelles Schaufenster für Manufaktur-Produkte mit der Aussicht auf zehntausend Besucher oder mehr an zwei Tagen. Manufakturen können sich hier kostengünstig einem großen, interessierten Publikum zeigen, neue Kunden gewinnen und Bestandskunden aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland einladen.“

Mehr als sieben Millionen Menschen wohnen im Großraum. Über Plakate, Radiowerbung, Anzeigen, Internet und Social Media werden sie angesprochen. Sehr spezialisiert. Ganz auf den Begriff ‚Manufaktur‘ fokussiert. Geringer Streuverlust. Mit der Option, sich auch auf den Plakaten noch einmal zusätzlich zu präsentieren.

Die Bochumer Veranstaltungs-GmbH bietet an, jeden Aussteller umfangreich auf Facebook und im Internet zu vorzustellen – eine frühe Entscheidung zur Ausstellungsteilnahme ermöglicht also zusätzliche hohe Medien-Reichweiten.

Ein Highlight soll ein neuer Publikumspreis werden: Alle Besucher des Messe-Samstags können über ihr Lieblingsprodukt auf der Messe abstimmen. Die Preisverleihung an die Aussteller (1.-3. Platz) erfolgt am Sonntagmittag.

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Direkt zur Projektleiterin für das ManufakturenForum, Mona Kienitz: Tel. 0234 – 36 93-213

Zur Internetseite ManufakturenForum sowie direkt zu den Aussteller-Konditionen der Bochumer Veranstaltungs-GmbH

Zur Internetseite des Verbandes Deutsche Manufakturen e. V.

Zur Begriffsdefinition ‚Manufaktur‘ für Aussteller und Besucher

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Manufakturen-Blog: Website zum ManufakturenForum 2018 (Foto: Wigmar Bressel)

Die Website zum ManufakturenForum 2018 (Foto: Wigmar Bressel)

‚Style‘ und ‚Style.us‘ – die fantastischen Schreibgeräte der Familie Mümmler

14. November 2017, Neumarkt. Sie sind so filigran. So schön. So praktisch mitzunehmen. Und mit ihnen schreibt sich so geschmeidig… Ich stelle fest, ich schwärme für die nur acht Millimeter dünnen Holzkugelschreiber der im Jahr 1899 gegründeten Holzschreibgerätemanufaktur e+m Holzprodukte aus dem oberpfälzischen Neumarkt!

Zuerst gesehen habe ich die Kugelschreiber aus den Hölzern Wildkirsche, Wenge, Zebrano oder Walnuss als Neuheit auf der Frankfurter Messe ‚Ambiente 2017‘ in Frankfurt. Wieder aufgetaucht sind sie dann mit dem Stylus-Gummi an der Kappe zum Bedienen von Tablets und Smartphones im Wettbewerb um das ‚Manufaktur-Produkt des Jahres 2017‘ – und dort eroberten sie sofort den 2. Platz im Hauptwettbewerb (in der Jury war u. a. Manufactum-Chef Dr. Christopher Heinemann und der ‚Digital-Papst des deutschen Handwerks‘ Christoph Krause).

Holz ist ‚das‘ Gen des Unternehmens der Familie Mümmler: Vor 118 Jahren von Konrad Ehmann gegründet, ging es damals um den perfekten Federhalter – eines der wichtigen Schreibgeräte der Zeit. Und Ehmann entwickelte und tüftelte… Bald hatte er 10 000 verschiedene Federhalter in Form und Farbe im Angebot, wurde der größte Federhalter-Fabrikant des Deutschen Reiches. Es kamen die Kriege, im zweiten wurden die Produktionshallen komplett zerstört… In vierter Familiengeneration trat Wolfram Mümmler in der 1980er Jahren in das von seinem Urgroßvater gegründete Familienunternehmen ein, erwarb nach und nach alle Gesellschaftsanteile von den anderen Familienmitgliedern, aus Ehmann wurde Ehmann + Mümmler, wurde die e+m Holzprodukte GmbH & Co. KG. Seine Frau Brigitte kam hinzu… Jetzt die Töchter, von denen Leonie in Hamburg studierte und in einer Kommunikationsagentur arbeitet, und Dorothee, die inzwischen Produktdesign an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein studiert; beide haben schon am Messestand gejobbt, die Eltern ab und an vertreten und sich der Frage stellen müssen, ob sie einzeln oder gemeinsam die fünfte Familiengeneration im Unternehmen werden möchten…

Manufakturen-Blog: Brigitte Federhofer-Mümmler und Wolfram Mümmler in ihrem Betrieb - seit vielen Jahren denken sie sich immer neue Schreibgeräte aus Holz aus (Foto: e+m Holzprodukte)

Brigitte Federhofer-Mümmler und Wolfram Mümmler in ihrem Betrieb – seit vielen Jahren denken sie sich immer neue Schreibgeräte aus Holz aus (Foto: e+m Holzprodukte)

Manufakturen-Blog: Dorothee und Leonie Mümmler nehmen von Hartmut Gehring auf dem 9. Zukunftsforum Deutsche Mnaufakturen die Urkunde für Style.us entgegen (Foto: Deutsche Manufakturen e. V. / Martin Specht)

Dorothee und Leonie Mümmler nehmen von Hartmut Gehring auf dem 9. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen die Urkunde für Style.us entgegen (Foto: Deutsche Manufakturen e. V. / Martin Specht)

Noch heute werden laut Produktkatalog von e+m Holzprodukte „alle Produkte nach alter Tradition auf klassischen Drechslereimaschinen hergestellt. Ein besonderes Anliegen“ sei „die Bewahrung der alten handwerklichen Traditionen“ sowie deren „Umsetzung in neue Produktionsschritte“.

Mümmlers stehen für Nachhaltigkeit. Die Manufaktur-Mitarbeiter begeistern sich für einheimische Hölzer. Der Betrieb ist seit dem Jahr 2007 FSC-zertifiziert: „Die Zertifizierungskette erstreckt sich vom Wald über das Sägewerk bis hin in die Manufaktur.“

Natürlich ist bei soviel Verständnis für Holz auch eine große Faszination für alle Hölzer dieser Erde da – und so wurden ‚Style‘ und ‚Style.us‘ mit Wenge und Zebrano geadelt. Hauchdünnes Holz mit Wechselminen, deren Schreibpaste besonders gut fließt, da an ein Mini-Lüftungsloch im Griff gedacht wurde, das einen Unterdruck verhindert. Hinzu kommt die stylische Metallkappe aus Messing oder Kupfer, mit oder ohne Stylus-Gummi, die – hinten aufgesteckt -, das Schreibgerät auf gute dreizehneinhalb Zentimeter verlängert und für die meisten Hände ausreichend groß macht. Faszination für EUR 35,00 – 40,00 uvp im guten Schreibwarenhandel oder bei e+m im Onlineshop.

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Der Verband Deutsche Manufakturen stellt die neue Begriffsdefinition ‚Manufaktur‘ vor

21. Oktober 2017, Bremen. Schon lange schwelt die Frage, wie der Begriff ‚Manufaktur‘ für heutige Unternehmen definiert werden kann – zeitgemäß, anwendbar, authentisch und überprüfbar. Nicht als bloße werbliche Idee und Verbrauchertäuschung. Klar ist: Der Begriff macht nur Sinn, wenn er nicht Synonym mit Handwerk ist. Er macht nur Sinn, wenn die Unternehmen, die ihn für sich verwenden, auch unterscheidbar von Unternehmen sind, die in der gleichen Branche tätig sind – aber eben anders, eben nicht als ‚Manufaktur‘. Der Verband Deutsche Manufakturen e. V. hat in einem umfangreichen Abstimmungsprozess den Begriff ‚Manufaktur‘ neu definiert.

Zur leichteren Auffindung wurde für die Definition eine eigene Mikroseite eingerichtet. Auf dieser können sich Unternehmen zu dieser Verwendung des Manufaktur-Begriffs bekennen und dessen Verwendung als Subskribent unterstützen.

Durch die Veröffentlichung soll auch überprüft werden, ob die Definition ‚allumfassend‘ ist – Manufaktur-Unternehmer und Öffentlichkeit sind herzlich eingeladen, sich mit ihr zu beschäftigen und gegebenenfalls Veränderungs- oder Ergänzungsvorschläge zu machen.

Bewusst wurde auf das Adjektiv ‚Deutsche‘ verzichtet, da der Begriff ‚Manufaktur‘ zwar eine besondere Produktions- und Organisationsform beschreibt, aber nicht an besondere Länder gebunden ist – Manufakturen gibt es auf der ganzen Welt.

Definition des Begriffs ‚Manufaktur‘

1. Die Manufaktur ist ein Vollproduktionsbetrieb von Konsumgütern, technischen Gütern oder Lebensmitteln – in jedem Fall physischen Produkten.

2. In Abgrenzung zu Handwerksbetrieben fertigt die Manufaktur Produkte in Serien, d. h. diese sind über einen längeren Zeitraum und mehrfach beziehbar. Sie ergeben ein Sortiment dieses Herstellers. Die Produkte der Manufaktur zeichnen sich durch eine hohe Fertigungstiefe aus – in der Regel vom Rohstoff den gesamten Produktionsweg zum fertigen Produkt unter einem Dach für den Handel oder Auftraggeber; die Manufaktur ist im Kerngeschäft weder Zulieferbetrieb von Halbfertigteilen für die Industrie noch reiner Dienstleister, der nur nach Kundenauftrag fertigt oder nur kundenspezifizierte Produkte herstellt.

3. In der Produktion der Manufaktur entscheidet der Mensch über die Fertigstellung der einzelnen Arbeitsschritte; verfolgt wird das Ziel der Perfektion des Produkts, über die der Mensch entscheidet. Im Gegensatz zur Industrie, in der die Vorgaben durch den industriellen Zeittakt das Arbeiten prägt und es um das Erreichen einer preis-optimalen Relativ-Perfektion eines unbedingten Massen-Produkts geht. Die Handarbeit bzw. der Anteil des Menschen an der Produktion nimmt in der manufakturellen Fertigung einen hohen Anteil ein. Der Einsatz von Maschinen ist in einer Manufaktur seit je her gebräuchlich und wird auch für eine moderne Manufaktur in Zukunft unumgänglich bleiben, dies schließt aber eine Vollautomation allgemein gesehen aus.

4. Die Manufaktur zeichnet sich dadurch aus, dass in ihrer Produktion verschiedene Gewerke – also mehrere Mitarbeiter mit unterschiedlichen Berufsausbildungen – zusammenarbeiten, damit die Produkte hergestellt werden können. Die Manufaktur verfügt in Abgrenzung zum Kunsthandwerker über mehrere Mitarbeiter, in der Regel mehr als fünf.

Diskussionsstand: 2. Mai 2017

Der Diskussionsstand vom 2. Mai 2017 ist auch der, der auf dem 9. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen in Fürstenberg besprochen und diskutiert wurde – er wurde seitdem nicht mehr verändert.

Links zum Thema ‚Manufaktur-Definition‘:

Mikroseite mit der Definition des Begriffs ‚Manufaktur‘ des Verbandes Deutsche Manufakturen

Wikipedia

Gabler Wirtschaftslexikon

Duden

Foto: Benzinger Uhrenunikate

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Sie haben eine Idee, sehen noch eine Präzisierungsmöglichkeit oder möchten eine Idee zur Diskussion beitragen? Bitte gehen Sie über die Mikroseite und verwenden Sie die angegebene eMail-Adresse oder tragen Sie ihren Kommentar hier auf dieser Seite ‚öffentlich‘ vor

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Dr. Thomas Koy: „Rückverfolgung ist eine Frage der Authentizität“

30. September 2017, Zwiesel. Wie weit treiben wir in der Nachhaltigkeit die Transparenz? Sehr weit… Die Holzmanufaktur Liebich – der bekannte Holzverpackungshersteller aus Zwiesel – teilte jetzt mit, dass ab sofort alle Kunden automatisch erfahren, woher ihr Holz im Bayerischen Wald genau stammt. Allemal Grund genug, um mit dem Inhabergeschäftsführer Thomas Koy darüber zu sprechen, warum er die GPS-Daten zum Holz auf jede Verpackung druckt.

Die Rückverfolgung – das Tracking – des Holzes bis zurück zum einzelnen Baumstumpf im Wald – wofür ist das wichtig?

Rückverfolgung ist eine Frage der Authentizität. Die Marketingbegriffe dazu sind Traceability – Rückverfolgbarkeit – und Sustainability – Nachhaltigkeit. Die kann man im Marketing gut formulieren – aber wenn man das am Gegenstand nachweisen kann, und zwar nicht bloß bis ins Bundesland, sondern bis in den Wald, ist es eben eine Art der Ehrlichkeit, die man uns als Manufaktur unheimlich abnimmt. Wir haben das für den japanischen Markt angefangen, weil die Japaner großen Wert auf die deutsche Qualitätsarbeit legen – das war für uns ein Versuch und Test, ob es funktioniert und ob es wirklich jemanden interessiert. Dann haben wir das auf die Produkte für Dubai ausgeweitet, dann auf Iran – und schließlich nun für alle. Wir staunen, aber wir kriegen eMails, in denen steht, dass die Kunden sich das tatsächlich auf Google Earth anschauen, den Wald erkunden und sich darüber freuen, dass eine weitere Beziehung zu unseren Produkten entsteht. Sie sehen München, kennen das Hofbräuhaus… und dann ist da dieser riesige schwarze Fleck daneben – das ist der Bayerische Wald, das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas. Und da gibt es dann diesen Punkt – da stand wirklich dieser Baum, aus dem dann die Verpackung ist, die sie in der Hand halten.

Kam die Idee aus den einzelnen Märkten? Wollten die Kunden das wirklich wissen?

Nein, denk mal andersherum. Wir wollten mit unserer Manufaktur – sie war ja früher einmal eine Holzwarenfabrik, die sogar Tropenholz mit verbaut hat – ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten. Wir verarbeiten nur Massivholz aus Bayern. Und wenn man diesen Anspruch nicht nur behaupten will, dann muss man die Aussage auch nachweisen können. Selbst bei Verpackungen schaut heute Foodwatch drauf und kuckt, ob sie IPPC-getrocknet sind oder ob es nach Chemie riecht und aus China kommt.

Und da haben wir also gesagt – um uns vom Wettbewerb abzugrenzen – wir werden nur heimisches Holz verwenden.

Spielt der Holzpreis keine Rolle? Ich kann mir vorstellen, dass der Wildeinschlag in Rumänien oder Weißrussland doch viel günstiger auf den Markt kommen kann…

Ja, das ist so. Das nehmen wir in Kauf. Da wir aber unser Holz auch LKW-Zugweise kaufen, reden wir vielleicht über sechs Prozent beim Rohholz. Das ist nicht so entscheidend, wie die sonstigen höheren Produktionskosten aus Personal und deutschen Löhnen, Behördenauflagen, Steuern und Overhead.

Aber du machst es, weil du die Garantien geben willst und die Kunden drauf stehen.

So ist es. Die Kunden finden ‚made in Germany‘ gut. Aber ‚made in Bavaria‘ noch besser. Und noch besser: ‚product of a German manufactory‘. Eine deutsche Manufaktur – das ist das, auf was die Kunden stehen. Und wenn die Kunden dann zu uns kommen, wie zum Beispiel Japaner, und unsere 15 000 Quadratmeter Holzgebäude sehen, sehen die hundert Hände, die mit ihren Produkten zu tun haben, die sie so oft in die Hand nehmen, bis sie perfekt und fertig sind, wie es auch nicht vollautomatisiert sein kann, wie sie durch die Handarbeitsanteile ihre Wertsteigerung erfahren – dann sind sie erst richtig glücklich und zufrieden mit ihrer Bestellung.

Gibt es auch Kunden oder Lieferanten, die es als ‚überdreht‘ empfinden, den Baumstumpf der einzelnen Tanne im Wald aufspüren zu können? Ist es für die Holzlieferanten ein Mehraufwand?

Wir haben drei Sägewerke als Holzlieferanten. Wenn sie Waren anliefern, dann müssen sie mir heute die Koordinaten jedes Einschlaggebietes geben. Da das Holz oft aus den Bayerischen Staatsforsten stammt, gibt es diese Daten dort schon, denn die brauchen das aufgrund ihrer Zertifizierung und für ihre Statistiken und die Landesämter. Die müssen sowieso nachweisen, woher das Holz, das sie verkaufen, ganz genau stammt. Der Mehraufwand für die Lieferanten besteht nur darin, mir diese Daten zu organisieren und weiterzuleiten.

Buche, Esche, Erle und Eiche kommen zu uns aus dem Spessart oder dem Main-Franken-Gebiet. Die Fichte kommt hier aus dem Bayerischen Wald aus einem maximalen Radius von 20 Kilometern rund um unsere Manufaktur. Das ist doch toll, oder? Und bei der Fichte exerzieren wir es soweit durch, dass wir mit den Kunden in ‚ihr‘ Waldstück fahren.

Aber das ist ja – in Anführungsstrichen – eine Show. Andererseits ist es aber auch ein starker Nachweis und eine Zusicherung, oder? Wenn man einen Augenblick nachdenkt, dann ist es doch nicht so albern, wie es im ersten Moment klingt.

Danke. Wir hatten amerikanische Kunden zu Gast. Mit denen bin ich in den Wald gefahren: Der Förster hat mit Hund und Stock schon auf uns gewartet. Das Waldstück wurde vorgestellt, alle Fragen beantwortet – dann sind wir zwei Kilometer gewandert, haben in einer Waldhütte gegessen und getrunken, alle haben sich nach und nach auf diesen Wald eingelassen. Sowas ist eine Geschäftsverhandlung in einer ganz anderen Stimmung. Die Kunden arbeiten ja meistens in Industriezentren – die sind schon sehr beeindruckt, die kennen doch sowas gar nicht. Wir haben dann endlich die Chance, die Stereotype wie ‚made in Bavaria‘ und ‚Manufaktur‘ mit Leben zu erfüllen.

Es gab ja mal den Werbespruch einer Bank: „Vertrauen ist der Anfang von allem“. Würdest Du eher dem Satz zustimmen: „Am Ende steht Vertrauen“?

Zutreffend ist doch auch der Klassiker: „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser“.

Lenin. Aber da ist auch viel Wahres dran. Unsere Geschäftspartner vertrauen ja darauf, dass wir auch nach vielen Jahren unsere Produkte immer noch in ihrem Sinne für sie produzieren. Deshalb ist es für Manufakturen doch viel wichtiger, dass sie sich einen guten Namen erarbeiten, dass die handelnden Personen eine starke Glaubwürdigkeit haben, damit die Geschäftsbeziehungen laufen – statt zuviel Kraft in eine Marke zu stecken…

Hervorragend formuliert. Wenn man sich das Vertrauen erarbeitet hat, dann braucht man auch nicht wegen einer Preiserhöhung von 3 Prozent miteinander diskutieren. Weil der Kunde unseren Aufwand kennt, es versteht. Unsere Firma hat seit anderthalb Jahren keine einzige Reklamation – und das beim Naturprodukt Holz! Das arbeitet doch immer weiter… Das ist doch der Hammer!

Und das mit dem Namen ist genau richtig. Der Geschäftspartner muss blind wissen, dass er sich auf uns und mich verlassen kann. Diese Rückverfolgbarkeit des Holzes bis in den Wald halte ich für keine Überhöhung des Themas, sondern das ist ein Öffnen des Unternehmens hin zu Kunden und ein Werben um das Vertrauen. Und um die Geschäftsbeziehung weiterzuentwickeln, die nicht mehr auf Preisverhandlungen basiert.

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Der Berliner Thomas Koy, Jahrgang 1964, ist seit sieben Jahren Inhaber des traditionsreichen Holzpackungsherstellers Liebich im Bayerischen Wald. Der promovierte Journalist aus dem „Roten Kloster“ – so nannte man die DDR-Journalistenschule an der Universität Leipzig – änderte aufgrund der Wende-Erlebnisse seine Weltsicht radikal, geriet Anfang der 1990er Jahre in die Getränkeindustrie, hatte ein ganze Reihe von internationalen Jobs, zuletzt als Europa-Vertriebschef in Genf für einen amerikanischen Konzern.

Vor sieben Jahren stieg er aus – zog mit seiner Familie in den Bayerischen Wald nach Regen und trat per Kauf die Unternehmernachfolge an. Seitdem blüht Holz-Liebich wieder richtig auf: 50 feste Mitarbeiter, weltweite Aktivitäten bis Japan und Iran; das alte Werk wurde zu klein – Koy baute im benachbarten Zwiesel das größte Werk in Holzbauweise in Deutschland (15 000 Quadratmeter); gerade wurde die Baugenehmigung zur Erweiterung erteilt. Die Marke heißt nun auch ‚HOLZ.LIEB.ICH‘. Inzwischen ist er ‚Botschafter Niederbayerns‘, darf mit auf die großen wirtschaftspolitischen Podien…

Als CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer seinen Betrieb besuchte, hatte er einen Mitgliedsantrag für die CSU dabei. Koy: „Sie wissen schon, dass ich als Stundent Mitglied in der SED war?“ Scheuer: „Frühere Kommunisten werbe ich am Liebsten!“

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Mühles Rasierset ‚Hexagon‘ zum ‚Manufaktur-Produkt des Jahres 2017‘ gewählt

17. Mai 2017, Bremen. Die Form ist archaisch. Die Verarbeitung präzise und makellos. Die Faszination groß: Mühles neues Rasierset ‚Hexagon‘ aus der Zusammenarbeit mit dem Berliner Designer Mark Braun wurde in halb-anonymisierter schriftlicher Wahl von der Jury zum „Manufaktur-Produkt des Jahres 2017“ gewählt.

Das Produkt an sich hätte noch vor einigen Jahren so etwas wie Fragezeichen in den Gesichtern der Betrachter aufgeworfen – Rasierpinsel? Ein Nassrasierer mag ja noch vorstellbar sein… Aber Rasierpinsel? Gibt es nicht längst den günstigen Sprühschaum aus der Dose? 26 Jahre nach der Reprivatisierung Mühles von der Treuhand an die Gründerfamilie Müller erlebt Europa einen neuen Rasierkult. In den Metropolen entstehen wieder Rasiershops, in denen sich der Mann von heute verwöhnen lassen kann.

Die Jurymitglieder waren sich unabhängig voneinander alle einig: Das neue Rasierset von Mühle ist das Beste der eingereichten Produkte im Wettbewerb 2017.

Dr. Christopher Heinemann, Jurymitglied und Manufactum-Geschäftsführer und selbst bekennender Bartträger, sagte in seiner Laudation: „Es war ein solches Erlebnis, diese so genau gefertigten Dinge in die Hand zu nehmen, dass man selbst ins Überlegen kommt, warum man sich nicht täglich nass rasiert. So schön fühlen sie sich an und liegen so schmeichelnd in der Hand.“

Bei ‚Hexagon‘ handelt es sich um sechseckige Griffe aus Aluminium, die in drei Farben eloxiert erhältlich sind: Graphite, Bronze und einer grünmetallischen, als ‚Forest‘ bezeichneten, Farbe – alles Farben aus dem Erzgebirge, in dessen Rasurkultlern weltbekannten Dorf Stützengrün Mühle zu Hause ist.

Das Design erinnert an klassische Werkzeuge – und so hat man als kleinen Zusatz die Geodaten von Mühle in die Griffe graviert, so, wie halt Form- und Schnittwerkzeuge graviert werden.

Die Pinsel-Ausführungen sind – wie immer bei Mühles hochwertigen Linien – in klassischem Silberspitz-Dachszupf oder veganem Silvertip-Fibre, einer eigens von Mühle entwickelten Synthetikfaser, die den Qualitätseigenschaften des Dachshaares für den Rasierschaum in nichts nachsteht. Der Pinselkopf ist mit einem Gewinde verschraubt und austauschbar.

Das Set kostet EUR 149,00 uvp.

Weitere Informationen & Ansprechpartner

Wigmar Bressel, Verband Deutsche Manufakturen, Tel. 0421 – 55 90 6-20

www.deutsche-manufakturen.org

Jonas Rohrbach, blackbird/berlin Tel. 030 – 639 62 42 15

www.muehle-shaving.com

Die Plätze 2 und 3

2. Platz: Taschenkugelschreiber ‚Style.Us‘ mit Tablet- und Smartphone-Bedienkopf von e+m Holzprodukte aus Neumarkt in der Oberpfalz

Die Kugelschreiber in vier Holz-Arten sind mit nur acht Millimetern Durchmesser – bei einer Wechselmine! – ein kleines hölzernes Wunderwerk. Sie verfügen über eine Messing- oder Kupferkappe, die den Kugelschreiber von acht auf 13,5 Zentimeter Länge vergrößert. In die Kappe ist ein Messingring mit übergestülptem Stylus-Gummi eingearbeitet, mit dem sich Touch-Displays wunderbar bedienen lassen.

Technischer Kniff: Damit die Schreibpaste besser fließt, wurde ein winziges Ausgleichsloch in das Holz gebohrt, damit in Schaft und Mine kein Unterdruck entsteht.

Die Schreibgeräte kosten EUR 40,00 uvp.

www.em-holzprodukte.de

3. Platz: Schreibtisch ‚Denkplatz individuell‘ aus HPL der Möbelmanufaktur Tamesis aus Dessau

Das Material ist mit 13 Millimetern Stärke unglaublich dünn – und dazu noch aus den nachwachsenden Rohstoffen Papier und Harz. Die Möbel aus dem vor hundert Jahren für den Flugzeugbau entwickelten Material haben entsprechend eine ganz eigene Optik die aus der Oberfläche und der Schnittkante entsteht und so häufig zweifarbig akzentuiert eingesetzt wird.

HPL ist sehr fest, erst bei größeren Spannweiten bruchgefährdet – jedoch sehr schwer zu verarbeiten, da es Diamantsägeblättern bedarf, um das Material zuzuschneiden. Dafür erhält man Möbel, die im Labor zugelassen sind und auch gerne im Garten stehen können.

Tamesis präsentiert sich als Alternative zu renommierten Herstellern wie USM und Montana.

Der Schreibtisch kostet EUR 3500,00 uvp.

www.tamesis-design.de

Sonderpreise (Gewinner in drei Bewertungsgruppen)

 Design: Holzfassgereiftes Jahrgangsbier ‚Magnus 16‘ der BierManufaktur Riegele aus Augsburg – perfekt weiterentwickelter Trend der Craftbiere, tolle Umsetzung in einer eleganten, fastschwarzen 0,75-Liter-Flasche mit Kronkorken und Naturkorken in einer opulenten möbelartigen Verpackung, die dem Bier eine Bühne gibt und es gleichzeitig als besonders kostbar und wertvoll präsentiert, Limitierung auf 2016 Flaschen.

Das Bier kostet pro Flasche EUR 49,90 uvp.

www.riegele.de

Qualität & Wertigkeit: Ring ‚Elise‘ der Trauring-Manufaktur J. Fischer & Sohn KG aus Pforzheim – in den Platinring sind lavendelblaue Keramik-Intarsien eingearbeitet; 100 Brillianten bringen den Ring zum Funkeln. Die Besonderheit besteht im Verbund der drei Materialien: Platin, Keramik, Brillianten – hohe Wertigkeit und trotzdem handwerkliche Verarbeitung.

Der Ring kostet EUR 7459,00 uvp.

www.fischer-trauringe.de

Innovation & Funktionalität: Tischleuchte ‚Rima‘ von Holy Trinity aus Dresden – Die Leuchte verfügt über eine besondere Steuerung aus vier Ringen, die darüber entscheiden, wieviele der 56 in Reihe verbauten LEDs scheinen dürfen – und welche Stelle oder Stellen des Tisches sie in welcher Helligkeit beleuchten.

Die Leuchte kostet EUR 1489,00 uvp.

www.holytrinity.de


Jury 2017

Ute Czeschka, manufakturhaus.com

Benedikt Freiherr Poschinger von Frauenau, Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur

Dr. Christopher Heinemann, Manufactum

Pascal Johanssen, Deutsche Manufakturenstraße

Franziska Klün, ysso.de

Christoph Krause, Kompetenzzentrum für Gestaltung, Fertigung und Kommunikation der Handwerkskammer Koblenz

Klaus-Peter Piontkowski, Genuss Pur und Genuss Professional

Bisherige Preisträger

Induktions-Keramik-Kupferpfanne der Kupfermanufaktur Weyersberg (2014)

Doppelhorn Nr. 103 in f/b der Gebr. Alexander Musikinstrumentenfabrik (2015, Konsumgüter), Gin Monkey 47 Distiller’s Cut (2015, Lebensmittel)

Taschenfüllfederhalter-Set Spatz & Kiebitz von Stefan Fink (2016)

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Einladung zum 9. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen

Herzliche Einladung zur Verleihung der Auszeichnungen
Manufaktur des Jahres 2017
Manufaktur-Produkt des Jahres 2017
am 11. Mai in Fürstenberg im Rahmen des 9. Zukunftsforums Deutsche Manufakturen

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Manufakteure,

wie fänden Sie es, wenn sich eine Möglichkeit auftäte, den Manufakturen-Begriff vor Missbrauch durch Dienstleister und Importeure, Handwerker und Hobbyaktivisten zu schützen – und Ihrer Manufaktur die besondere Stellung zurückzugeben, die sie verdient? Trauen Sie den deutschen Manufakturen einen eigenen Klang, eine ‚Soundmarke‘ zu? Fänden Sie es spannend, gemeinsam ein Shop-in-Shop-System zu entwickeln, um – zum Beispiel – dem Sterben Ihres Einzelhandels etwas entgegenzusetzen? Das sind Fragen, die wir gerne mit Ihnen diskutieren wollen…

Wir treffen uns zum 9. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen am 11. und 12. Mai 2017 in der Porzellanmanufaktur Fürstenberg im gleichnamigen Ort bei Höxter im Weserbergland. Die berühmte Manufaktur, gegründet im Jahr 1747 durch Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel – ist heute immer noch in niedersächsischem Staatsbesitz. Fürstenberg hat gerade seinen ‚Mitmach-Bereich‘ und den musealen Teil mit großem Aufwand auf den neuesten Stand gebracht. Auch Fürstenberg hat in den vergangenen Jahren die eigene ‚Aufstellung‘ verändert und sich Individualreisenden und Endverbraucher-Kunden weiter geöffnet. Geschäftsführerin Stephanie Saalfeld führt uns durch den Betrieb und erklärt die Konzeption.

Das Programm mit dem Anmeldeformular für das Zukunftsforum mit dem Titel

Projekte für Manufakturen

finden Sie auf unserer Homepage als PDF zum Herunterladen – nutzen Sie die Gelegenheit, sich Denkanstöße für Ihren Betrieb zu holen!

Wir laden Sie aber auch wieder ganz herzlich ein zur Verleihung der Auszeichnungen „Manufaktur des Jahres“ sowie „Manufaktur-Produkt des Jahres“. Die Verleihungen der Auszeichnungen des Wettbewerbs 2017 finden im Rahmen des Zukunftsforums am 11. Mai 2017 um 19.00 Uhr im Schloss Fürstenberg statt.
Die Teilnahme an der Abendveranstaltung mit den Preisverleihungen ist frei und unabhängig von der Teilnahme am Zukunftsforum.

Wir freuen uns schon auf Ihre Anmeldung für dieses traditionelle Treffen der Manufakturen-Branche und wünschen Ihnen eine gute Anreise!

Bremen, im April 2017

Wigmar Bressel
Hartmut Gehring
– Vorstand –

Deutsche Manufakturen e. V.   Kirchweg 200   28199 Bremen   Tel. 0421 – 55 90 6-20   Fax 55 90 6-55   VR 7441 HB   www.deutsche-manufakturen.org
Vorsitzender: Wigmar Bressel (Koch & Bergfeld Besteckmanufaktur) stellv. Vorsitzender: Hartmut Gehring (Gehring Schneidwaren)
Beirat: Lothar Göthel (SGT Spezial- und Gerätetaschen), Dr. Thomas Koy (Holzmanufaktur Liebich), Andreas Mann (SeitzMann), Elmar. J. Merget (Weigang), Wolfram Mümmler (e+m holzprodukte), Andreas Müller (Mühle Rasurkultur), Matthias Vickermann (Vickermann und Stoya)

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Einladung zum Wettbewerb um das ‚Manufaktur-Produkt des Jahres 2017‘

22. Februar 2017, Bremen. Der Verband Deutsche Manufakturen e. V. startet den neuen Wettbewerb zum „Manufaktur-Produkt des Jahres“:

Welche Manufaktur bringt das spektakulärste, innovativste, wertigste neue Produkt auf den Markt? Wer belebt ein altes Traditionsprodukt wieder? Der Wettbewerb traditionell gegen neu, technisch gegen einfach, luxuriös gegen puristisch geht in die vierte Runde…

Einsendeschluss ist der 13. April 2017.

Die Jury freut sich auf Ihre Bewerbung! Und wir uns auf einen würdigen Festakt zur Auszeichnung der Sieger 2017 in den Räumen der Porzellanmanufaktur Fürstenberg in Fürstenberg/Weser.

Zur Ausschreibung: PDF-Download von der Seite des Verbandes Deutsche Manufakturen

Zur Pressemitteilung zu den Gewinnern des Jahres 2016 auf der Seite des Verbandes Deutsche Manufakturen…

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Der Journalist Martin Specht: Manufakturen, Handwerk, Drogen, Krieg

05.02.2017, Wuppertal. Ehrlichgesagt, habe ich einfach Lust, zum Jahresbeginn mal ein paar Fotos zu zeigen. Meiner Meinung nach gute Fotos, teilweise noch nie veröffentlicht, aus der Manufakturen-Szene. Sagt man Fotos – fragt man nach dem Fotografen. So schreibe ich einfach einmal über Martin Specht, einen international tätigen und in Fachkreisen bekannten Fotografen und Journalisten, dessen Bilder in vielen renommierten Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind – von BILD über STERN und NEW YORK TIMES war alles dabei.

Ich mag Martin Spechts Fotos und seine Art zu schreiben und zu erzählen. Gerade die Texte seiner bisherigen Bücher klingen nach „C‘est la vie“ – jedoch ohne demonstrierendes Achselzucken. Seine Fotos haben einen erzählenden Stil – meistens actionreich, manchmal sind sie auch nur traurig und leer. Oder doch sehr cool.

Kennengelernt habe ich ihn im Dezember des Jahres 1990, als er mich für die BILD-Zeitung mehrfach porträtierte. Die Fotos haben mir so gut gefallen, dass ich mich von ihm später für meine Eltern fotografieren ließ – mitten in Halle an der Saale auf dem Marktplatz. Meine Eltern sollten Fotos von ihren Kindern zur Silberhochzeit bekommen. Ich wollte eins mit Tageslicht. Es war ungewohnt, vor all den Passanten auf dem Markt immer wieder die Brille abzunehmen und im richtigen Winkel vor das Gesicht zu halten – so, wie es Martin gefiel; und es galt noch das Vertrauen in den Fotografen, denn es gab ja noch keine Digitalkameras, auf deren Bildschirmen man die Meinung des Fotografen kontrollieren konnte. Martins damaliges Foto hängt heute noch zusammen mit den Anderen bei meinen Eltern im Wohnzimmer…

Dann ging es um die Jurysitzung zum „Manufakturprodukt des Jahres 2014“ sowie das 6. Zukunftsforum Deutsche Manufakturen bei Weigang im fränkischen Ebern – wer soll es fotografieren? Aus irgendeinem Grund dachte ich an Martin Specht, obwohl wir bestimmt fünfzehn Jahre keinen Kontakt mehr hatten. Google brachte seine Internetseite, über sein Satellitentelefon erwischte ich ihn bei der Arbeit in Afghanistan – wir verabredeten uns zum Telefonieren nach seiner Rückkehr.

Erstaunlicherweise waren die Aufträge trotz seiner Internationalität für uns bezahlbar. Martin Specht sagt dazu nur: „Ich freue mich ehrlichgesagt über jede Anfrage, versuche es immer möglich zu machen.“

Martin Specht wurde im Jahr 1964 in Wuppertal geboren, wo sein Vater bis vor kurzem ein Architekturbüro betrieb, wuchs dort auf – und lebt heute wieder dort. Seine Karriere begann im Jahr 1989 mit dem Porträtieren des Zusammenbruchs des Ostblocks, er ging dann mit den Amerikanern in den Irak, war auf dem Balkan, an vielen Brandherden in Afrika. Im Jahr 2005 dokumentierte er für die Vereinten Nationen die Hungersnot in Niger und das Erdbeben in Pakisten, lebte jedes Jahr mehrere Monate beruflich in Bagdad.

Dann immer wieder Afghanistan. Etliche Male war er bei der Jagd auf Osama bin Laden dabei, begleitete das Marine-Corps bei ihren Luftlandeoperationen (er erhielt im Jahr 2014 für eine Reportage von den Marines den ‚Sergeant Major Dan Daly Award‘).

Bei einer Reportage in Südfrankreich über ein Altersheim für Deutsche, die in der französischen Fremdenlegion gedient haben, entstand die Idee zu seinem ersten Buch: ‚Heute trifft es vielleicht dich – Deutsche in der Fremdenlegion‘, über eine Reportage und sein Leben bei Mara-Jugendgangs in Guatemala entstand die Idee zum Buch ‚Narco Wars‘, dann kam ein Ghostwriting des Weges…

Martin Specht wurde für den Henry-Nannen-Preis nominiert, stand auch auf dessen Shortlist – neben Grimme die höchste Auszeichnung, die man in Deutschland als Journalist erfahren kann. Dann seine Nominierung zum Prix Bayeux-Calvados, dem französischen Kriegsberichter-Preis.

Manufakturen-Blog: Selfie von Martin Specht in Mossul (Irak) während der Offensive im Dezember 2016 (Foto: Martin Specht)

Manufakturen-Blog: Selfie von Martin Specht auf den Ölfeldern von Qayyra (Irak) während der Offensive im Dezember 2016 (Foto: Martin Specht)

In Ebern holte ich ihn an einen Tisch mit Lothar Göthel, Inhaber der Spezial- und Gerätetaschen-Manufaktur SGT / Ars Galea im sächsischen Burkhardtsdorf. Göthel produziert auch die von ihm entwickelten schussicheren Kevlar-Westen für viele Spezialkräfte – unter anderem für israelische auf den Golan-Höhen, die die teure Besonderheit haben, dass sie die Einzigen sind, die den Beschuss der Kalaschnikov aushalten – dem Standard-Sturmgewehr mit der höchsten Geschoss-Mündungsgeschwindigkeit (bei ca. 900 km/h). So fand ein interessantes Gespräch statt über Militärtechnik und Notwendigkeiten und ich musste an Fotos von Martin aus Afghanistan oder dem Irak denken, an dem er als Einziger unter lauter Marines seinen bevorzugten Delta-Force-Helm trägt. Der Helm hat eine steilere Front, vor der man mit einem Fotoapparat besser operieren kann. Göthels Weste trägt Specht übrigens nicht – sie ist von den Standard-Kräften nicht zugelassen, denn Kevlar ist nicht stich-, sondern nur schussfest. Aber die Spezialkräfte schert das nicht, sie schätzen deren andere Vorteile…

Im Sommer 2015 haben Martin Specht und ich dann ein Projekt begonnen – Fotoreportagen über Manufakturen in Bremen und Niedersachen, in unserer Freizeit. Wie die sogenannte Wilhelm-Wagenfeld-Tischleuchte bei Tecnolumen montiert wird, die Besteckproduktionen von Wilkens und Koch & Bergfeld arbeiten, wie Lautsprecher bei Ceratec Audio Design zusammengesetzt werden…

Irgendwann wird es fertig und ergibt ein Buch.

Den Fotos aus der Manufakturen-Branche habe ich Fotos aus zwei seiner Reportagen gegenübergestellt: Eine über die Wayuu, ein indigenes Volk in Kolumbien, das die bekannten Mochila-Taschen fertigt; sowie die Bilder von einer Reportage aus der Gegend der umkämpften Stadt Mossul im Irak – beide aus dem Jahr 2016. Im Anschluss an Martin Spechts Fotos können Sie ein Gespräch lesen, das ich im Dezember 2016 mit ihm geführt und aufgezeichnet habe.

 Fotos aus der Manufakturen-Branche (aus den Jahren 2014-15):

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Reportage über die Produktion der traditionellen ‚Mochilas‘ (Taschen) durch das Volk der Wayuu in Nordkolumbien:

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Fotos aus der Reportage vom Beginn des ‚Sturms auf Mossul‘, der letzten Millionenstadt in den Händen des IS – von Martin Specht im Dezember 2016:

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Im Gespräch mit Martin Specht

„Zugang zu Menschen zu finden, ist das Aufwendigste, Wichtigste und Entscheidende“

Wigmar Bressel: Wie siehst du dich?

Martin Specht: Von heute aus betrachtet sehe ich mich vor allem als Autor der drei Bücher, die ich in den vergangenen drei Jahren veröffentlicht habe – zwei zur Fremdenlegion, eins zu den weltweiten Drogenkriegen.  Bei mir geht es in meiner Karriere immer um Reportagen. Ich habe in den vergangenen 15 Jahre überwiegend beides gemacht – Texte und Fotos. Bei mir geht es immer um die Themen, unabhängig davon ob es in der Textsprache oder der Bildsprache stattfindet. Ich sehe mich schon als Journalist und Autor, der mit sehr verschiedenen Themen zu tun hat.

Aber du lässt dir die Themen doch durch die Auftraggeber vorgeben?

Beides. Ich entwickele selber Themen und schlage diese möglichen Auftraggebern vor – also Verlagen oder Redaktionen. Für mache Themen werde ich beauftragt – aber es ist eine Kombination aus beidem.

Gibt es Themen oder Geschichten, die du abgelehnt hast?

Nein, eigentlich nicht. Ich werde aber fast auch nur für die Themen beauftragt, bei denen man denkt, dass ich die Kompetenz dafür besitze. Manche Dinge sind trivialer als andere oder weniger komplex – aber im Grunde ist das Meiste schon interessant.

Warst Du schon überall auf der Welt? Warst Du auf allen Kontinenten?

Australien noch nicht. Viele Themen spielten in Afrika. Der Mittlere Osten natürlich, Lateinamerika, USA.

Europa sowieso.

Europa ist ja Lebensmittelpunkt.

Ist es für einen Journalisten heute egal, wo er lebt? Ist es egal, ob Wuppertal oder Berlin?

Ich denke, in einer globalisierten Welt und mit Zugang zu einem internationalen Flughafen, den es hier in der Nähe gibt, ist es ziemlich egal, wo man lebt. Ich muss nicht täglich irgendwelche Leute treffen, die ich nur an einem bestimmten Ort antreffe. Im Gegenteil – ich bin ja viel unterwegs…

Ist Wuppertal ein Rückzugsort, ein Refugium?

Für mich ist es Heimat. Ich habe hier meine Eltern, ich habe hier Freunde… Als Rückzugsort betrachte ich es nicht. Hier umgibt mich natürlich viel Vertrautes. Wenn ich über die Straße gehe, dann treffe ich Freunde, Bekannte. Ich lebe hier, ich arbeite hier, ich schreibe hier überwiegend an den Büchern…

Man könnte ja sagen, man wählt sich Wuppertal, um ein bisschen abgeschieden zu sein…

Ich sehe das nicht so. Ich lebe hier ganz komfortabel. Wenn ich arbeite, sitze ich vornehmlich in meinem Arbeitszimmer und würde dann auch nicht durch Berlin-Mitte schlendern. Also ich glaube es ist egal, in welcher Stadt ich in Mitteleuropa lebe.

Du bist ja dein ganzes Leben schon selbständig, warst auch noch nie angestellt – ist das wichtig für das Lebensgefühl des Journalisten Martin Specht?

Das hat sich einfach nur nie anders ergeben. Ich habe es mir nicht frei gewählt. Es ist so wie es ist – ich musste mich nie entscheiden.

Was ist das Spannendste, was du gemacht hast?

Immer das Nächste… Lateinamerika beschäftigt mich natürlich sehr. Das hängt sehr mit der Herausforderung zusammen. Das, was vor mir liegt, ist spannend, weil mich die Frage sehr beschäftigt, ob es mir gelingt, das neue Thema umzusetzen. Ich begegne Menschen, ich komme an fremde oder neue Orte – von daher ist das vor mir Liegende und Unbekannte immer das Spannendere.

Du hast viele Reportagen gemacht an aus der Sicht der Allgemeinheit sehr gefährlichen Orten. Und das ist ja eine Entscheidung zu sagen: Ich bin bereit, mitten in den Irak-Krieg zu gehen, ich bin bereit, in Afghanistan bei der Jagd auf Osama bin Laden mitzumarschieren, Motive zu suchen und zu finden, bei der man ja doch unter einer akuten Bedrohungslage ist. Da gibt es Schießereien und Querschläger – du hast mir mal geschildert, wie du mehrfach für mehrere Stunden unter Beschuss lagst. Man könnte sich ja auch sein Brot mit Reportagen verdienen, die eine viel höhere Wahrscheinlichkeit haben, dass einem nichts passieren kann…

Kann schon sein. Ich denk natürlich, dass man das macht, was man am besten kann und im Optimalfall, was einen interessiert. Diese Frage der Gefahr oder Nichtgefahr… Natürlich ist es gefährlich. Andererseits ist es dadurch natürlich auch interessant.

Dieses Interview in Deinem Buch ‚Narco Wars‘ mit dem Auftragskiller – wie geht man in solch ein Thema rein? War das Erfahrung? Hattest du ein ausreichend beruhigendes Bauchgefühl? Oder hattest du dabei Angst? Man will ja nicht vorgeführt bekommen, wie Menschen ermordet werden, möchte auch nicht selbst zum Abschluss ermordet werden…

Ach Angst eigentlich nicht. Das war spannend. Jedesmal ist es auch wieder neu. Dieser Begriff der ‚Erfahrung‘ ist nur relativ zu nutzen. Auch wenn ich mich seit Jahren in diesen Ländern bewege, ist der Unberechenbarkeitsfaktor doch hoch. Jedesmal ist wieder neu. Ich versuche mich nicht mit ‚Erfahrung‘ in falscher Sicherheit zu wiegen. Bei manchen Leuten habe ich ein gutes Gefühl – wie bei jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Bei anderen Leuten denke ich: Okay, besser etwas vorsichtiger. Bei Kriminellen bin ich generell sehr vorsichtig – sie sind eben kriminell…

…du hast doch auch mal diese große Mara-Reportage gemacht…

…genau, diese Leute sind kriminell, sie sind zum Teil auch drogenabhängig und wissen auch nicht immer, was sie tun. Und mögen auch nicht immer Journalisten. Manchmal ja, manchmal nein. Das kann sich ändern und kippt dann auch schon mal während der Reportage, es kann sich im Zuge einer Begegnung schlagartig ändern. Ich bin grundsätzlich schon vorsichtig.

Aber man kann ja solch einer Situation dann oft nicht schnell entkommen.

Man muss den Leuten begegnen und sich anhören, was sie zu sagen haben.

75 tote Journalisten im Jahr 2016.

Ja, es werden jedoch überwiegend die Journalisten umgebracht, die permanent in diesen Ländern leben. In Mexiko zum Beispiel. Für mich, der ich mich dort maximal zwei-drei Monate aufhalte, sehe ich das nicht so als Problem. Aber für die, die da wirklich leben, mit ihren Familien, bekannt sind. Und die Drogenkartelle besitzen natürlich auch Radio- und Fernsehsender. Der von mir in ‚Narco Wars‘ beschriebene und sehr bekannte ‚Drogenbaron‘ Pablo Escobar war Herausgeber einer Zeitung, des Medellin Civico – von daher sind dann auch die Journalisten, die für diese Medien arbeiten, Teil des Geschehens.

Du beschreibst eine Szene in Mexiko, in der du mit einem Informanten unterwegs bist. Dann passiert etwas in einer Seitenstraße. Ihr haltet an, macht ein paar Fotos – dann entscheidet ihr, doch weiterzufahren, weil die Situation „aggressiv“ wurde. Lebt der Informant noch, hast du zu ihm noch Kontakt?

Ja, tut er. Ich versuche grundsätzlich, den Kontakt zu allen Informanten zu halten, so gut es geht. Vor allem natürlich zu den Informanten, die mir sehr geholfen haben. Das ist auch für mich wichtig. Für mich enden Geschichten ja nicht nach einer Veröffentlichung – ich komme da immer wieder drauf zurück, nutze Informanten wieder, wenn ich wieder in das Land komme.

Das Wichtigste sind für Dich und Deine Kontakte also funktionierende Kontakte.

Zugang zu Menschen zu finden, ist das Aufwendigste, Wichtigste und Entscheidende – und die halte ich dann natürlich auch.

Wird dir in diesen Ländern immer geglaubt, dass du Journalist bist? Oder wird manchmal auch vermutet, dass du doch für einen ausländischen Dienst arbeitest?

Wenn man es vermutet, vermutet man es – aber ich glaube eher nicht. Ich bin eher der nette deutsche Journalist.

Du machst gerade ein Buch für den Ch. Links Verlag über Kolumbien – das Land. Was gibt es zu entdecken?

Die Kultur, die Geschichte – es hängt natürlich auch wieder eng mit der Drogenproblematik zusammen. Es gibt da aber viele Gebiete, die angenehm und interessant sind und in denen man sich bewegen kann. Die Natur ist grandios. Das Problem ist allerdings, dass es schon schlagartig unangenehm werden kann, wenn man die touristischen Pfade verlässt. Sich in den großen Städten aufzuhalten, ist meiner Meinung nach kein Problem – oder an der Karibikküste. Da gibt es wirklich nette Orte, da kann man Urlaub machen.

Wenn du jetzt nach Medellin zurückkehrst, um an dem Kolumbien-Buch weiterzuarbeiten – hat das dann jemand mitbekommen, dass ‚Narco Wars‘ erschienen ist?

Ja, ich habe darüber sogar dort an der Universität von Antiochia mit Studenten diskutiert. Das wissen die Leute schon.

Und wie sehen die Studenten das so?

Für die heute Anfang bis Mitte Zwanzigjährigen sind Pablo Escobar und das Medellín-Kartell Geschichte. Sie wissen natürlich, dass es immer noch Drogenkriminalität in großem Stil gibt, aber die ist heute weniger auffällig, verborgener. Das spektakulärere Geschehen findet inzwischen in Mexiko statt. Natürlich hängt es zusammen. Für die Studenten ist der Friedensprozess mit der FARC und der ELN ein wichtiges und vieldiskutiertes Thema.

Du warst jetzt ja gerade wieder im Irak, warst beim sogenannten ‚Sturm auf Mossul‘ dabei, sagst: Es ist dort so kaputt, wie noch nie.

Es wird immer kaputter.

Du erzählst, dass es in der arabischen bzw. islamischen Welt eine große Unruhe gibt, die du mit einem dritten Weltkrieg vergleichst, da die schweren bewaffneten Auseinandersetzungen sich quer durch Afrika über den Golf bis nach Pakistan ziehen.

Also für die muslimische Welt ist es im Moment schon wie ein Weltkrieg. Die massiven Zerstörungen. Die ständige Angst, Bombardements und Beschuss ausgesetzt zu sein, der Willkür des Krieges, jedes Sicherheitsgefühl verloren zu haben. Das erzeugt die großen Flüchtlingsbewegungen: Syrien, Irak, Afghanistan, Jemen – selbst Pakistan. Einige dieser Staaten scheinen auch zu zerfallen. Kein Mensch weiß, wie lange es den Irak noch geben wird. Die Folgen sind schon gravierend.

Wie sehen denn deine Informanten und Kontaktpersonen die Situation? Sie erleben ja die Zerstörung ihrer uralten Kulturen und Landschaften. Fordern sie von uns mehr Engagement? Oder sollen wir uns raushalten?

Ich glaube, in Syrien und im Irak haben sich schon viele Menschen ein stärkeres Eingreifen und Engagement des Westens gewünscht.

Das sind ehemalige Kolonien – es gab ja früher kaum nicht-kolonialisierten Raum…

Man darf nicht vergessen, dass ein Teil dieser Länder zuvor Gebiete und Regionen des Osmanischen Reichs waren oder zu dessen Einflussbereich gehörten – denn die osmanischen Sultane waren ja auch kolonial; sogar imperial, wenn man will. Es war nicht nur Europa, das Kolonien unterhielt.

In Mali hat der überwiegende Teil der Bevölkerung das Eingreifen der früheren Kolonialmacht Frankreich begrüßt. Mali hatte keine richtige Armee. Es gab da trotzdem einen Militärputsch, der das Land aber so geschwächt hat, dass diese fundamentalistischen Milizen im Anschluss weite Teile erobern und sich dort halten konnten. Mali hatte dem nichts entgegenzusetzen, keine echte Armee, die denen hätte begegnen können. Das ging nur mit Hilfe von außen.

Ist die Idee vom Nationalstaat für diese Regionen noch zeitgemäß?

Die Kulturen sind alt, die Völker, die dort leben, sind da schon sehr lange und viel länger, als die in der jüngeren Vergangenheit willkürlich mit dem Lineal auf Karten gezogenen Grenzen. Der Staat wird überall dort Bestand haben, wo er von der Bevölkerung als positiv angesehen wird. Aber wenn der Staat nur so wahrgenommen wird, als wäre er mit Checkpoints überzogen, wo mir auch noch Geld abgenommen wird, wenn ich von einem Ort zum Nächsten fahren will. Der korrupt ist und dann noch dem erstbesten Feind, wie dem IS, ein Drittel des Landes kampflos überlässt – da stellen sich viele Menschen die Frage: Was bindet mich an diesen Staat?

Wo starke ethnische Konflikte vorhanden sind, wo Korruption herrscht oder der Staat schlicht unfähig ist – diese Staaten werden meiner Meinung nach wieder zerfallen.

Wie groß ist deiner Meinung nach das Kurden-Thema für die nördlichen Teile der damit konfrontierten Staaten – glaubst du, dass es einen Kurdenstaat geben wird?

Hängt davon ab, wer sich dafür interessiert und einsetzt. Die Kurden versuchen das seit vielen Jahren, haben jetzt eine Autonomie im Nord-Irak. Es ist meiner Meinung nach eher eine wirtschaftliche Frage. Und: Wer würde ihn anerkennen? Ohne das geht es ja auch nicht. Wenn die Kurden morgen einen Staat ausriefen und Krieg mit der Regierung in Bagdad – an der sie ja beteiligt sind – darüber führten, dann wäre es doch die Frage, wer diesen neuen Staat anerkennen würde.

Die Türken werden es nicht anerkennen.

Die Türken werden es nicht anerkennen.

Ich weiß es nicht. Es hängt auch davon ab, wie sich der Irak weiterentwickelt. Es gibt bestimmt Gruppen, die es wollen. Es gibt Andere, die es nicht wollen. Es reduziert sich auf die Frage: Wer erkennt ihn an und wer würde ihn schützen.

Also hängen die Kurden doch von unser aller Haltung ab – und weniger von sich selbst.

Ich würde es sagen, ja. Die kurdische Armee hat keine schweren Waffen…

…weil sie ihr auch keiner gibt.

Genau. Im Moment sind die Kurden wichtig als Verbündete im Kampf gegen den IS. Aber die Städte Erbil und Kirkuk sind auch Wirtschaftsstandorte und Machtzentren, Kirkuk hat Öl. Durch sie läuft der Handel mit der Türkei. Andererseits hat Kurdistan auch viele Parteien mit unterschiedlichen Interessen – das ist auch keine einfache Ausgangslage. Aber ich kann es echt nicht einschätzen, wie das ausgeht.

Nationalstaaten oder größere Staaten bieten ja auch Chancen. Im afrikanischen oder afghanischen Stammes-Flickenteppich – ohne Nationalstaat als Klammer – gäbe es dann für viele Volksgruppen eben keinen Zugang zu Universitäten, kein funktionierendes Versicherungssystem, vielleicht keine Krankenhäuser. Wenn die Masse des Steueraufkommens zu gering ist, funktionieren viele Sozial- und Infrastrukturleistungen nicht, sie können nicht stattfinden.

Ja, das ist so.

Was gibt es für eine Geschichte, die du noch unbedingt machen musst? Zur ISS hochfliegen?

Schön wär’s… Ich würde gerne. Bestimmt interessant. Der ferne Blick. Auf die Erde. Aufs Ganze.

Aufgezeichnet am 19. Dezember 2016 bei Martin Specht in Wuppertal in der Küche sitzend und Kaffee trinkend, nachdem wir auf meinen Wunsch die erste Fahrt meines Lebens mit dieser weltberühmten Schwebebahn gemacht haben – aber auch Martin Specht war von der Tour begeistert: „Hey, das sind ja die neuen Wagen. Die sind gestern erst indienstgestellt worden – mit denen bin ich auch noch nicht gefahren!“

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